Tour de France 2021 - Voigt übt Kritik nach Sturzfestival auf der 3. Etappe: "Die Tour stiehlt sich selbst die Show"
VonFelix Mattis
Publiziert 28/06/2021 um 21:34 GMT+2 Uhr
Nachdem die letzten elf Kilometer der 3. Tour de France-Etappe zum Schlachtfeld geworden sind und bei vier Stürzen in kürzester Zeit gleich mehrere Fahrer das Rennen aufgeben mussten, ist Kritik an der Streckenführung auf dem Weg nach Pontivy laut geworden. Auch die Eurosport-Experten Bernhard Eisel und Jens Voigt waren sich einig: Bei der ersten Sprintankunft hätte es breitere Straßen gebraucht.
Bruised and bloodied, Primoz Roglic was just one rider brought down during Stage 3 of the tour de France 2021
Fotocredit: Getty Images
"Ich frage mich, ob ein solch technisches Finale wirklich nötig war. Es ist wunderschön in der Bretagne, aber wahrscheinlich hätte man schon etwas größere Straßen und eine bessere Ankunft finden können", sagte Eurosport-Experte Eisel zum Abschluss der Live-Übertragung im TV und Voigt fügte später am Abend exklusiv bei Eurosport hinzu:
"Man hätte ganz sicher den einen oder anderen Sturz vermeiden können, wenn man die Strecke anders gewählt hätte: keine Abfahrt auf den letzten fünf Kilometern in den Zielort hinein und breitere Straßen."
Dass es an den ersten Tagen der Tour de France Jahr für Jahr zu vielen Stürzen kommt, weil das Peloton noch sehr nervös ist, ist bekannt. Doch gerade deshalb musste man sich am Montagabend fragen, ob die Ankunft in Pontivy gut gewählt war.
"Den Sturz von Geraint Thomas kann man nicht vermeiden. Der war unaufmerksam, hat den Lenker vielleicht nicht richtig festgehalten und eine Unebenheit nicht gesehen. Oder auch der Sturz von Caleb Ewan: Das war nicht der Fehler der Rennleitung, sondern ein normaler Rennunfall", erklärte Voigt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/28/3163038-64816488-2560-1440.jpg)
Nach Stürzen auf 3. Etappe: Eisel kritisiert die Streckenplaner
Quelle: Eurosport
Voigt: "Hätte intelligenter gelöst werden können"
"Aber trotzdem hätte man heute einige Stürze vermeiden können, wenn man die letzten Kilometer breiter gestaltet hätte, auf einer größeren Straße, die nicht so viele Kurven hat. Schon vor dem Start sagten die Fahrer: technisches Finale auf den letzten 18 Kilometern. Klar gibt es da dann Gedränge. Alle wollen vorne sein und das kann nicht gut gehen bei 180 Fahrern. Das hätte intelligenter und harmonischer gelöst werden können."
Allerdings wollte er mit der ASO (Amaury Sport Organisation) trotzdem nicht zu hart ins Gericht gehen, da der Trend in den letzten Jahren eigentlich Besserung gezeigt habe. "Es ist in der ersten Tour-Woche immer besser geworden. Das ist dieses Jahr jetzt eine Umkehr des Trends, dass schon das halbe Peloton am Boden war. Da muss man jetzt die richtigen Schlüsse ziehen, damit es nächstes Jahr wieder besser wird", meinte der Mecklenburger und betonte:
"Wir müssen der Bretagne auch dankbar sein, dass sie eingesprungen ist und mit Kopenhagen das Jahr für den Grand Depart wegen der Fußball-Europameisterschaft getauscht hat."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/28/3163064-64817008-2560-1440.jpg)
Vier Stürze auf elf Kilometern! Chaos ohne Ende auf der 3. Etappe
Quelle: Eurosport
Voigt macht Tour de France "mittleren Vorwurf"
Trotzdem blieb unterm Strich die Erkenntnis, dass das schwierige Finale auf engen, winkligen Straßen und mit einer ebenso technischen Abfahrt auf den letzten acht Kilometern die Situation unnötig verschärft hat.
"Da hätte man bei der Streckenplanung schauen müssen: Erste Sprintetappe, alle Sprinter noch im Vollbesitz ihrer Kräfte - die brauchen viel Platz. Da sollte das Finale möglichst langweilig und lange geradeaus gestaltet werden. Da kann man der Tour de France einen mittleren Vorwurf machen", befand Voigt und fügte an:
"Die Tour de France stiehlt sich irgendwo auch selbst die Show damit: Heute ist der Zweite der letztjährigen Tour de France gestürzt und hat viel Zeit verloren. Jack Haig, auch ein Kandidat für einen Podestplatz, ist ausgeschieden. Caleb Ewan, der Top-Favorit für die Sprints, ist raus. Und auch Peter Sagan, den wir fürs Grüne Trikot handeln, ist jetzt angeschlagen. Viele, viele große Fahrer haben schon Verletzungen davongetragen - zum Beispiel am Samstag auch der Held vom letzten Jahr, Marc Hirschi, - und sind daher nicht mehr in der Lage, so zu fahren, wie es sich die Fans und auch die Medien oder ihre Mannschaften wünschen würden."
Das könnte Dich auch interessieren: Exklusiv: Unfallopfer Sütterlin reagiert auf mögliche Klage gegen Sturzverursacherin
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/28/3163214-64820008-2560-1440.jpg)
Hektische 3. Etappe fordert prominente Opfer - die Highlights
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung