Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Gegen den Punch von Tadej Pogacar ist Jonas Vingegaard chancenlos

Tadej Pogacar hat seinen Vorsprung im Kampf ums Gelbe Trikot auf der 14. Etappe der Tour de France weiter ausgebaut und scheint nach der ersten Pyrenäen-Etappe auf dem Weg zu seinem dritten Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt zu sein. Eine gewichtige Rolle dabei spielten seine größte Stärke und auch sein Team. Doch auch einen Downer gab es am Pla d'Adet. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Pogacar vollbringt Meisterleistung am Berg

Quelle: Eurosport

39 Sekunden Vorsprung hat Tadej Pogacar am Ende der 14. Tour-Etappe mit ins Tagesziel gebracht. Der Slowene zeigte Hauptkonkurrent Jonas Vingegaard am Pla d'Adet eindrucksvoll die Grenzen auf.
Dabei half dem Mann im Gelben Trikot eine perfekt konzertierte Team-Leistung mit dem Fundament eines bärenstarken Auftritts von Nils Politt, der über den Col du Tourmalet hinweg den Job von zwei Mann erledigte.
Im großen Feuerwerk von Pogacar und seinem UAE Team Emirates am ersten Pyrenäen-Tag stach aber auch eine unschöne Szene heraus.
Drei Dinge, die auf der 14. Etappe auffielen:

1.) Gegen Pogacars Punch hat Vingegaard keine Chance

Am Pla d'Adet ist der Leistungsunterschied zwischen Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard bei dieser Tour de France so deutlich geworden, wie bisher noch nicht - und das ausgerechnet bei der ersten Bergankunft, wo die langen Anstiege dem 27-jährigen Titelverteidiger aus Dänemark doch eigentlich am besten liegen sollten.
"Es ist noch ein weiter Weg bis nach Nizza. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass Pogacar unglaublich stark ist", musste Vingegaards Sportdirektor Grischa Niermann nach der 14. Etappe gegenüber Eurosport gestehen. "Jonas fühlt sich sehr gut, aber Tadej ist einfach stärker."
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Pogacar nutzt goldene Chance gegen Vingegaard: "Das war Instinkt"

Quelle: Eurosport

Schon in den Tagen vor den Pyrenäen hatte Pogacar gewarnt: Er sei in diesem Jahr gerade auf die langen Anstiege besser vorbereitet, als auf die kürzeren, steilen Rampen, bei denen er Vingegaard schon in den vergangenen Jahren etwas voraus hatte.
So richtig glauben wollte das wohl kaum jemand, aber am Pla d'Adet hat es sich gezeigt: Pogacar fuhr in der 10,6 Kilometer langen Schlusssteigung 39 Sekunden heraus und baute seinen Vorsprung mit Hilfe der Bonifikationen für den Etappensieg auf ganze 1:57 Minuten aus. "Ich kann definitiv sagen, dass ich viel besser bin als letztes Jahr, viel konstanter", sagte Pogacar anschließend.
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Pogacar zu stark? Vingegaard fehlt der maximale Punch

Quelle: Eurosport

Doch die tödliche Waffe des Slowenen bleibt im Vergleich mit Vingegaard weiterhin sein Punch, die Explosivität bei harten Attacken am Berg. Sie half Pogacar auf der 4. Etappe am Col du Galibier, als er Vingegaard auf den letzten 500 Metern mit seiner Beschleunigung aus den steilen Serpentinen heraus knackte, sie half ihm noch einmal im Zentralmassiv am Puy Mary, als er dort auf dem steilen letzten Kilometer davonzog, und sie ermöglichte nun auch am Pla d'Adet Etappensieg und Zeitgewinn.
Klar: Ein Schlüssel dazu war auch der taktische Schachzug, Adam Yates vorher attackieren zu lassen und den Briten dann nach der Attacke nochmal als Edelhelfer und Windschattenspender zu haben. Das dürfte, wie die Eurosport-Experten Bernie Eisel und Jens Voigt im Velo Club analysierten, ebenfalls sehr geholfen haben, weil Pogacar seinen Vorsprung erst nach kurzem Durchatmen an Yates' Hinterrad immer weiter ausbaute.
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Analyse: Yates' Windschatten war Pogacars Zünglein an der Waage

Quelle: Eurosport

Doch Niermann erklärte: "Am Ende hat das nicht den Zeitunterschied ausgemacht, sondern Pogacars Attacke selbst. Darauf konnte Jonas nicht antworten."
Die Krux ist nun, dass Pogacar mit seinem Vorsprung von knapp zwei Minuten die Karte "besserer Punch" im Verlauf der verbleibenden sieben Etappen immer wieder spielen und so immer wieder ein paar Sekunden mehr herausholen könnte. Lange Attacken sind gar nicht mehr nötig, sondern eine harte Beschleunigung auf den letzten Metern zu den Bergankünften zum Plateau de Beille, in Superdévoluy, in Isola 2000 und am Col de la Couillole wären genug, um in Summe vielleicht nochmal 30 Sekunden zu gewinnen. Und dann dürfte er sich auch vor dem Abschlusszeitfahren in Nizza sicher fühlen.
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Pogacar-Angriff Instinkt? "Das war sicher im Teambus durchgesprochen!"

Quelle: Eurosport

Eine Vorentscheidung um den Tour-Sieg könnte an diesem 13. Juli oberhalb von Saint-Lary-Soulan schon gefallen sein - wenn Pogacar nicht krank wird wie 2023, im Wind von Nimes keine Zeit verliert wie 2020 in Lavaur und an den höchsten Alpenpässen keinen Hungerast erleidet, wie 2022 am Col du Granon. Oh, das sind ja doch noch ein paar Unwägbarkeiten? Richtig, diese Tour ist nicht vorbei!

2.) Politt arbeitet für Zwei

Tadej Pogacars erster Sieg bei dieser Tour im Gelben Trikot war das Produkt von konsequenter Arbeit seines Teams - und zwar beginnend mit dem Start der Nachführarbeit von Nils Politt etwa zehn Kilometer vor dem Beginn des Anstiegs zum Col du Tourmalet. Von dort, knapp 90 Kilometer vor Rennende, bis in den Anstieg zur Hourquette d'Ancizan, 35 Kilometer vor Rennende, bolzte der Deutsche Zeitfahrmeister Tempo an der Spitze des Hauptfeldes.
Kurzzeitig, für etwa zehn Minuten am 19 Kilometer langen Tourmalet, wurde Politt von Tim Wellens abgelöst. Dann aber scherte der Belgier, der offensichtlich nicht seinen besten Tag hatte, schon wieder aus und Politt führte weiter. Am Tourmalet hatte er den Abstand nach vorne recht konstant bei vier Minuten gehalten und im Adour-Tal danach verkürzte der Hürther auf 2:45 Minuten bis er seinen Job beendete und sich von Pogacar noch Lob in Form eines ausgestreckten Daumens abholte.
Danach übernahmen nacheinander Marc Soler, Pavel Sivakov und Joao Almeida sowie schließlich mit seiner den Pogacar-Angriff vorbereitenden Attacke auch Yates die Dienste für den Mann im Gelben Trikot. Aber dass der Plan des UAE-Teams so perfekt aufging, lag zu großen Teilen auch am 30-jährigen Politt.
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Pogacar vs. Vingegaard und Evenepoel: Wer hat wo seine Vorteile?

Quelle: Eurosport

"Es motiviert, wenn man so einen Leader in den eigenen Reihen hat", sagte Politt nach der Etappe gegenüber radsport-news.com. "Das ganze Team hat heute einen großartigen Job gemacht."
Genau für diese Arbeit, wie er sie auch schon im Serre Chevalier auf Etappe 4 hinauf zum Col du Lautaret im Gegenwind verrichtet hatte, bevor Pogacar zum Tagessieg fuhr, hat UAE Politt zur Saison 2024 verpflichtet und von Beginn an auch für den Tour-Kader eingeplant. Und auch wenn am Ende im Blitzlicht der Kapitän und seine letzten Berghelfer stehen, ist auch Politts Arbeit im Team sehr hoch angesehen.
Wie sehr er auch seine Sportliche Leitung am Samstag beeindruckte, zeigte ein Funkspruch aus dem Teamfahrzeug am Tourmalet: "Nils, fahr' nur einfach Dein Tempo! Wir brauchen Dich bis oben über den Pass", sagte man dem Deutschen da. Offensichtlich fürchtete man, dass Politts hohe Geschwindigkeit den Deutschen über seine Grenzen bringen könnte.
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Ausblick 15. Etappe: Plateau de Beille kann für Vorentscheidung sorgen

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Das tat es aber keineswegs, sondern er fuhr sogar nach dem Tourmalet noch ein ganzes Stück weiter im Wind, obwohl nur zwei Mann den Tourmalet schneller hinaufgeklettert waren: Oier Lazkano und David Gaudu, die vor dem Gipfel aus der Spitzengruppe heraussprinteten und um die Bergpunkte kämpften.
"Den ganzen Tourmalet von vorne zu fahren, das war schon spektakulär", war Politt am Ende stolz. "Das Gelbe Trikot beflügelt natürlich, aber ich habe auch nach den Klassikern viel am Berg trainiert und das zahlt sich jetzt aus."

3.) Es gibt sie immer noch: Die Chaoten am Straßenrand

Abgesehen von der UAE-Gala stach am ersten Tag in den Pyrenäen sportlich nicht besonders viel heraus. Die Etappe verlief recht geradlinig nachdem klar war, dass UAE Lust auf ein Siegerfoto von Pogacar im Gelben Trikot hatte. Und hinter dem Slowenen verschoben sich unter den Top 15 der Gesamtwertung die Kräfteverhältnisse auch nicht.
Einen großen Aufreger gab es am Pla d'Adet aber trotzdem noch. Denn kurz bevor Pogacar die 2-Kilometer-Marke erreichte, kam ihm plötzlich ein Zuschauer in blauer Shorts mit gelbem Fischerhut und einer bretonischen Flagge als Umhang sehr nah und warf dem Slowenen den Inhalt seiner Chipstüte ins Gesicht. 20 Sekunden später bekam Vingegaard aus der Hand des mutmaßlich aus der Bretagne stammenden Chaoten die noch übrigen Kartoffelerzeugnisse ab.
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Chips-Tüte im Gesicht! Pogacar im finalen Anstieg von Fan gestört

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Zwar ging in den ersten Interviews im Ziel niemand auf die Szene ein, weil die wenigsten Journalisten vor Ort davon in der Kürze der Zeit wohl etwas mitbekommen hatten, doch nach Rennende meldete sich Adam Hansen in seiner Rolle als Präsident der Fahrergewerktschaft CPA zu Wort: "Die CPA wird mit Freude rechtliche Schritte gegen diesen Kerl einleiten wegen dem, was er mit Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard getan hat", schrieb der Australier auf X. "Das ist respektlos und wird nicht toleriert werden."
Inwiefern ein Zivilgericht wegen fliegender Chips ein Urteil sprechen wird und ob der Shitstorm, der über den Mann mit Fischerhut in den Sozialen Medien am Abend hereinbrach, Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Es gibt sie immer wieder bei den großen Radrennen, die Chaoten am Straßenrand. Und mit jedem Vorfall mehr droht das Bedürfnis der Verantwortlichen zu steigen, den Zugang der Fans zu erschweren.
Das ist eine traurige Erkenntnis von dieser so spannenden ersten Pyrenäen-Etappe.
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105 km/h! Peloton rast den Tourmalet hinunter

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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

Quelle: Eurosport


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