Drei Dinge, die auf der 2. Etappe der Tour de France auffielen: Florian Lipowitz sorgt für Aufatmen bei Red Bull
VonFelix Mattis
Update 07/07/2025 um 00:37 GMT+2 Uhr
Die 2. Etappe der Tour de France 2025 hat zwar nicht erneut ein Windkantenrennen bereitgehalten, sorgte mit ihrem hügeligen Finale an der Küste rund um Boulogne-sur-Mer aber trotzdem für Spektakel und brenzlige Situationen in Sachen Gesamtwertung. Florian Lipowitz zeigte sich und auch Emanuel Buchmann beeindruckte. Der überragende Mann aber war Mathieu van der Poel. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Van der Poel bezwingt Pogacar nach hektischer Etappe
Quelle: Eurosport
Mathieu van der Poel und sein Team Alpecin-Deceuninck dominierten das Auftakt-Wochenende der Tour de France mit zwei Siegen an zwei Tagen und reichten das Gelbe Trikot intern weiter.
Während die belgische Mannschaft die Siege davontrug, wusste aber auch das niederländische Team Visma-Lease a Bike weiter zu überzeugen, und Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard untermauerten erneut ihre Sonderstellung in Sachen Gesamtwertung.
Der zweite Tag der 112. Frankreich-Rundfahrt zeigte aber auch, dass die beiden Klassementhoffnungen aus Deutschland bislang voll auf Ballhöhe agieren – und das bei einem von ihnen vielleicht sogar besser als erwartet.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/08/15/image-bd280a01-1d53-4409-96ef-c8d417c3dd36-85-2560-1440.jpeg)
"Pogacar und Vingegaard sind so, so scharf": Favoriten zeigen ihre Klasse
Quelle: Eurosport
Drei Dinge, die auf der 2. Etappe auffielen:
1. Lipowitz lässt red bull aufatmen
Nach dem kleinen Debakel, als das gesamte Team sich auf der 1. Etappe an der Windkante abhängen ließ und sowohl die Sprintchance mit Jordi Meeus verpasst hat als auch 39 Sekunden mit Primoz Roglic und Florian Lipowitz verloren wurden, hat sich Red Bull-Bora-hansgrohe auf der 2. Etappe in Boulogne-sur-Mer zurückgemeldet. Oder besser: Lipowitz hat sein Team zurückgemeldet.
Der 24-jährige Deutsche brachte nicht nur den am vorletzten Bergpreis 9,5 Kilometer vor Schluss abgehängten Kapitän Roglic mit langer Führungsarbeit bei den Verfolgern wieder zu van der Poel, Pogacar, Vingegaard und Co. nach vorne, sondern lancierte dann 2,5 Kilometer vor Schluss im Zielort auch noch eine eigene Attacke.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-0be5920b-ccbc-4824-aa3d-5447fa63160d-85-2560-1440.jpeg)
Lipowitz attackiert umsonst: Superstars klären Tagessieg unter sich
Quelle: Eurosport
Die war zwar etwas überambitioniert und hätte ihn anschließend teuer zu stehen kommen können, wenn ihm auf dem ansteigenden Schlusskilometer die Beine sprichwörtlich 'aufgegangen' wären und er Zeit verloren hätte. Doch das war nicht der Fall, er biss sich nach seiner Einholung am Ende der Gruppe fest.
"Die Attacke hätte richtig nach hinten losgehen können, aber er scheint wirklich in einer bombastischen Form zu sein. Deshalb muss man auf der einen Seite sagen: Lerne bitte, und zwar sehr schnell! Aber auf der anderen Seite: Wahnsinn, wie stark Du bist!", sagte Eurosport-Experte John Degenkolb im Velo Club über Lipowitz und seine Aktion.
"Ich bin einfach nach Gefühl gefahren und ich wusste, wenn die sich vielleicht anschauen, habe ich die Chance", sagte Lipowitz selbst im Ziel zu "radsport-news.com". "Ich hatte aber nicht die besten Beine heute und dann so viel Laktat – mit der Rampe am Schluss war ich froh im Ziel zu sein am Ende."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-573c4ce9-0a14-4f7c-8b46-ddcb7582f15e-85-2560-1440.jpeg)
Lipowitz-Attacke beeindruckt Degenkolb: "Krass, wie stark er ist"
Quelle: Eurosport
Lipowitz und Roglic kamen als 24. und 22. ins Ziel und wurden mit der Siegerzeit gewertet. Alles gut also, könnte man meinen. Doch auch am zweiten Tour-Tag gibt es ein 'aber': Denn erstens hätte dieses Finale vor einigen Jahren noch als 'Roglic auf den Leib geschneidert' gegolten und der Slowene hätte im Bergaufsprint um den Sieg gekämpft, anstatt nun als 22. über die Linie zu rollen.
Und zweitens war der Slowene, als das Finale zehn Kilometer vor dem Ziel in die einen Kilometer lange und im Schnitt 10,6 Prozent steile Cote de Saint-Etienne-au-Mont hineinging, zu weit hinten positioniert. Lipowitz wartete förmlich auf den Red-Bull-Kapitän, drehte sich nach ihm um und führte ihn dann die bis zu 15 Prozent steile Rampe hinauf, an deren Ende nur noch sechs Mann vorne beisammen waren und größte Gefahr für die Podiumsambitionen des Slowenen bestand.
Nur weil Lipowitz die Situation anschließend mit langer Führungsarbeit reparierte und anschließend mit seiner Attacke auch noch dafür sorgte, dass das Team gut aussah, konnte Sportchef Rolf Aldag bei der "ARD" bilanzieren: "Gestern war zwar keine Katastrophe, sondern eher Schadensbegrenzung. Heute war es aber besser."
2. Buchmann ist bei der Musik
Während Lipowitz mit seiner Offensivaktion ganz aktiv auf sich aufmerksam gemacht hat, ist ein anderer Deutscher in Boulogne-sur-Mer eher unter dem Radar geflogen und konnte trotzdem beeindrucken: Emanuel Buchmann (Cofidis) nämlich kam ebenfalls im Favoritenfeld mit ins Ziel, verlor keine Zeit und ist als 14. nun bester Deutscher im Gesamtklassement – und das an einem Tag, der ihm absolut nicht lag.
Vor der Tour hatte Buchmann erklärt, er wolle erstmal die hektischen ersten zehn Tage "überleben", um dann seine Ziele zu formulieren. Und Hektik gab es nun auf den ersten beiden Etappen durchaus schon einige. Doch Buchmann kam gut durch, verlor am Samstag an der Windkante nur jene 39 Sekunden, die der Großteil der Top-10-Kandidaten einbüßte, und darf zuversichtlich sein.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-3e53d836-cd58-471b-b96a-87e5040e49f0-85-2560-1440.jpeg)
Degenkolb schätzt Tour-Chancen von Bauhaus und Ackermann ein
Quelle: Eurosport
"Das war ein guter Tag. Das Finale war sehr punchy, was eigentlich nicht meine Spezialität ist. Von daher bin ich sehr froh, dass ich noch dabei war", sagte er in Boulogne-sur-Mer nun zur "ARD". "Ein gutes Gefühl ist am Anfang das Wichtigste. Die ersten Tage waren, wie erwartet, sehr stressig. Aber ich bin nicht gestürzt und bislang gut durchgekommen. Jetzt hoffe ich, dass es so weitergeht für mich."
Übrigens: Durch den Fahrrad-Diebstahl bei seinem Team Cofidis in der Nacht von Samstag auf Sonntag waren Buchmanns Arbeitsgeräte nicht betroffen.
3. Alpecin dominiert den Tour-Auftakt
Am Samstag die glänzende Vorstellung an der Windkante und beim perfekten Leadout zum Sieg von Jasper Philipsen, am Sonntag den ganzen Tag die Kontrolle im Feld und dann ein eindrucksvoller Favoritensieg von Mathieu van der Poel: Das Team Alpecin-Deceuninck tritt beim Auftakt der Frankreich-Rundfahrt genauso dominant auf, wie Lidl-Trek das rund um Mads Pedersen vor zwei Monaten beim Giro d'Italia tat.
"Die Leute haben mich zum Favoriten erklärt, aber an den Anstiegen waren Pogacar und Vingegaard vorne. Das Finale war härter, als ich dachte. Aber ich habe mein Bestes gegeben, um immer dabei zu sein", sagte van der Poel, der tatsächlich aber auch selbst in den steilen Rampen vor Boulogne-sur-Mer mehr als nur 'dabei' war, sondern auch das Tempo mit vorgab – und zwischen den Anstiegen sogar mit Kévin Vauquelin (Arkéa-B&B Hotels) kurz in die Offensive ging.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-6272a238-aab7-4a86-ba1c-b233d1fe21d7-85-2560-1440.jpeg)
Degenkolb feiert van der Poel: "Das kostet so viel Kraft!"
Quelle: Eurosport
Besonders beeindruckend aber war van der Poels Auftritt in der weniger steilen Schlussrampe zum Ziel. Dort sprang er 600 Meter vor Schluss ans Hinterrad des attackierenden Julian Alaphilippe (Tudor) und als der Franzose dann kurz darauf resignierend ausscherte, übernahm van der Poel die Verantwortung: Er führte die Favoritengruppe auf die letzten 200 Meter und eröffnete dann um die langgezogene Rechtskurve herum auf die Zielgerade seinen Sprint. Tadej Pogacar (UAE-Emirates-XRG) saß zwar im Windschatten, konnte aber nur noch einige Zentimeter gutmachen – zu überlegen war der Niederländer.
Der übernahm mit seinem ersten Tour-de-France-Etappensieg seit vier Jahren das Gelbe Trikot von Philipsen und könnte das auch noch bis zum Zeitfahren auf Etappe 5 behalten – oder sogar darüber hinaus?
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/27/3162273-64801188-2560-1440.jpg)
Finale der 2. Etappe: Van der Poel ist an der Mûr nicht zu halten
Quelle: Eurosport
Denn auch 2021 übernahm er Gelb durch seinen Sieg auf Etappe 2, kam als Gesamtführender zum 27 Kilometer langen Einzelzeitfahren auf Etappe 5 und bot dort das beste Zeitfahren seiner Karriere, um das Maillot Jaune um acht Sekunden vor Pogacar zu behaupten.
Der Unterschied zu damals: 2021 war das Zeitfahren nach Laval sechs Kilometer kürzer als es nun am Mittwoch in Caen sein wird, und vor dem Kampf gegen die Uhr hatte der Niederländer damals 39 Sekunden Vorsprung auf den Slowenen. Aktuell sind es nur vier.
Das könnte Dich auch interessieren: Vingegaards Frau mit Visma-Kritik
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-717bd520-c472-43a8-accf-250eef300e22-85-2560-1440.png)
Tour-Strecke, 3. Etappe: Neue Sprint-Chance in Dünkirchen
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung