Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard im Duell bislang auf Augenhöhe - Remis am Auftakt-Wochenende der Tour de France
VonFelix Mattis
Update 06/07/2025 um 23:00 GMT+2 Uhr
Tadej Pogacar hat den Etappensieg gegen Mathieu van der Poel knapp verpasst und Jonas Vingegaard konnte einen Zeitverlust im explosiven Finale von Boulogne-sur-Mer vermeiden. Auch auf der 2. Etappe der Tour de France 2025 marschierten die beiden großen Top-Favoriten dieser Frankreich-Rundfahrt im Gleichschritt und so war man in beiden Lagern nach dem Auftakt-Wochenende auch ohne Sieg zufrieden.
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"Natürlich hätte ich die Etappe gerne gewonnen, aber auf den letzten 200 Metern an Mathieus Hinterrad hate ich etwas Angst und habe zu lange gewartet", gestand Pogacar in der Mixed Zone nach der Etappe und zog den Hut vor Etappensieger Mathieu van der Poel: "Er ist zu schnell für mich."
Trotzdem aber durfte auch der Titelverteidiger das Podium am Ärmelkanal besteigen. Denn weil er die Favoritengruppe 8,7 Kilometer vor dem Ziel über den Kategorie-3-Bergpreis an der bis zu 15 Prozent steilen Cote de Saint-Etienne-au-Mont führte und zuvor 30 Kilometer vor dem Ziel am Hinterrad von Helfer Tim Wellens bereits Zweiter an der Cote du Haut Pichot (3.Kat.) gewesen war, übernahm der Weltmeister die Führung in der Bergwertung.
"Ich habe das Gepunktete Trikot in meiner Karriere schon zweimal in Paris gewonnen, aber erst einen einzigen Tag wirklich getragen, glaube ich", sagte Pogacar. "Darauf freue ich mich morgen, denn die Leute lieben das Trikot und es ist ein besonderes Gefühl, darin unterwegs zu sein."
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Denn fast immer, wenn er die Sonderwertung anführte, gehörte ihm auch das Gelbe Trikot und das Gepunktete bekam stellvertretend der jeweils Zweitplatzierte. Einzig auf der 18. Etappe im Jahr 2020 führte Pogacar die Bergwertung an, ohne auch in der Gesamtwertung auf Platz eins zu liegen.
Doch das Erringen des Gepunkteten Trikots war in Boulogne-sur-Mer natürlich nur ein Nebenprodukt. In erster Linie ging es für Pogacar darum, keine Zeit zu verlieren und möglicherweise die Etappe zu gewinnen – und zwar auch in dieser Reihenfolge, wie seine Fahrweise nahelegte.
Vernunft schlägt vorerst die Offensiv-Leidenschaft
Denn Pogacar agierte nicht mit der Brechstange, wie er es bei Etappenprofilen wie dem am Sonntag sonst wohl oft getan hätte. Er attackierte in den beiden steilen Rampen innerhalb der letzten zehn Kilometer nicht mit vollem Risiko und ließ all seine Kraft auf der Straße, sondern hielt sich eher zurück, schien Vernunft über unbändige Offensiv-Leidenschaft siegen zu lassen.
Pogacar scheint zu ahnen, dass der Kampf gegen Vingegaard um den Tour-Thron in diesem Jahr deutlich schwerer werden dürfte, als vor zwölf Monaten. "Ich habe dieses Wochenende gesehen, dass unser Team gut in Form ist, gut zusammenarbeitet und gemeinsam Spaß hat. Wir sind stark und können das von diesem Wochenende mitnehmen", gab er sich deshalb auch damit zufrieden, ohne völlig ans Limit gegangen zu sein, nur zwei Sekunden Zeitgutschrift gegenüber Vingegaard gutgemacht zu haben.
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"Pogacar und Vingegaard sind so, so scharf": Favoriten zeigen ihre Klasse
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Damit dürfte Pogacar tatsächlich auch gut beraten sein. Denn Vingegaard und sein Team Visma-Lease a Bike hinterließen am Auftakt-Wochenende einen sehr guten Eindruck. Schon am Samstag waren sie es, die das Rennen auf die Windkante setzten. Und nun am Sonntag rissen Tiesj Benoot und Matteo Jorgenson mit ihrem Tempo in der steilen Saint-Etienne-au-Mont-Rampe das Feld in Stücke, bevor Vingegaard nach dem folgenden Anstieg, der Cote d'Outreau (4. Kat.) fünf Kilometer vor Schluss sogar noch eine zaghafte Attacke wagte.
Vingegaard: "Bin wohl jetzt ein Sprinter"
Die wehrten Remco Evenepoel (Soudal-Quick-Step) und Pogacar zwar sofort ab, doch der Däne zeigte trotzdem eindrucksvoll in Boulogne-sur-Mer, dass er auch bei kurzen, explosiven Anstiegen inzwischen voll auf der Höhe ist und nicht nur über die langen Alpen- und Pyrenäen-Riesen kommen muss. Dazu passte auch sein Auftritt im Sprint um den Etappensieg, in dem er sich von van der Poel und Pogacar nicht abschütteln ließ und Dritter wurde.
"Ich bin jetzt zwei Massensprints gefahren, also bin ich wohl jetzt ein Sprinter", lachte er anschließend im Interview mit dem niederländischen Sender NOS und bestätigte dann etwas ernsthafter: "Ja, ich denke ich bin jetzt etwas explosiver. Ich war noch nie Dritter in einem solchen Sprint – und vor mir waren zwei der besten Fahrer auf diesem Terrain. Deshalb kann ich ganz offensichtlich happy mit meiner Form sein."
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Auch Visma-Sportdirektor Grischa Niermann lobte seinen Kapitän: "Das hat er gut gemacht. Ich denke das war für Jonas das Bestmögliche, hier hinter Mathieu und Tadej Dritter zu werden", sagte der gebürtige Hannoveraner dem NOS. "Jonas hat ja auch selbst gesagt, dass er im vergangenen Jahr nicht er selbst war. Jetzt hatte er eine gute Vorbereitung. Gibt uns das Garantien? Nein. Aber er sieht wirklich gut aus und wir sind froh und stolz, wo wir stehen."
Van Aert nach Krankheit noch geschwächt
Interessant war in Boulogne-sur-Mer auch, dass sowohl Visma als auch UAE zwar gut vertreten waren, beide Mannschaften aber auch nicht ihre gesamte Power durch die Hügel bis ins Ziel brachten.
An Pogacars Seite war in den Rampen vor allem Jhonatan Narvaez, während der Vorjahresvierte Joao Almeida nach den ersten Tempo-Explosionen erstmal wieder zurückkommen musste, bevor er dann im Finale den spät ausgerissenen Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) zurückholte.
Und bei Visma nahm Benoot das Feld auseinander bevor Jorgenson einen großartigen Job machte und immer ganz vorne bei den Allerbesten fuhr. Simon Yates und Sepp Kuss aber lag das Finale nicht und sie wird man wohl erst im Gebirge mehr sehen. Etwas enttäuschend für die belgischen Fans war außerdem, dass Wout van Aert auf einer Etappe, die ihm sehr gut hätte liegen sollen, nicht bei Vingegaard bleiben und um den Sieg mitkämpfen konnte.
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Doch Niermann erklärte: "Wir haben natürlich gehofft, hier mit Wout im Sprint gewinnen zu können. Aber Wout war krank und musste die Belgische Meisterschaft (am vergangenen Wochenende, Anm. d. Red.) deshalb auslassen. Er konnte heute bergauf nicht mehr mithalten und dann lässt er danach natürlich locker."
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