Tour de France 2025 - drei Dinge, die auffielen: Florian Lipowitz schreibt Geschichte im Schatten des Duells der Stars

Kurt Stöpel, Jan Ullrich, Andreas Klöden, Florian Lipowitz - das ist die kurze Liste aller Deutschen, die auf dem Podium der Tour de France standen. Vier Namen in der 122-jährigen Geschichte des größten Radrennens der Welt. Allein dies zeigt die historische Komponente seines Erfolgs. Er stand im Schatten des großen Duells zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar. Drei Dinge, die auffielen.

"Nicht hoch genug einzuschätzen": Velo Club über Lipowitz' Podiumsplatz

Quelle: Eurosport

Der letzte Tag der Tour gehörte Wout van Aert. Der Belgier gewann nach 2021 zum zweiten Mal auf den Champs-Elysees, zum ersten Mal aber als Solist. Die angepasste Strecke über den Anstieg von Montmartre sorgte für Spektakel am Schlusstag, bei dem auch das Maillot Jaune von Pogacar prominent in die Entscheidung eingriff.
Für die Sprinter blieb es durch das anspruchsvollere Finale - und eine sehr hügelige erste Woche - eine Tour der wenigen Gelegenheiten. Nur fünf Sprintankünfte gab es in diesem Jahr, die Streckenplaner gestalteten eine kurzweilige, abwechslungsreiche Route, die von den Fahrern fast immer mit Vollgas angegangen wurde.
Nur eine Sonderwertung wurde von Organisation und Fahrern stiefmütterlich behandelt - das eigentlich so auffällige gepunktete Trikot des besten Bergfahrers. Quasi im Vorbeigehen gewann Pogacar zum dritten Mal diese Wertung, zum vierten Mal in den vergangenen sechs Jahren stand auf dem Podium in Paris neben dem Grünen, Weißen und Gelben Trikot eine Schaufensterpuppe im gepunkteten Trikot. Das sollte sich in Zukunft ändern.
Drei Dinge, die bei der Tour de France 2025 auffielen:

1. Lipowitz schreibt deutsche Radsport-Geschichte

Jan Ullrich sah bei Eurosport die Parallelen zu sich selbst. Ein junger Fahrer bei seiner ersten Tour, keine Erwartungen, nur Erfahrungen sammeln. An der Seite eines erfahrenen Kapitäns, der sich im deutschen Team noch einmal einen großen Traum erfüllen wollte.
1996 wurde Ullrich hinter Teamkollegen Bjarne Riis Zweiter bei der Tour, Primoz Roglic gelang das neben Lipowitz nicht. Der 24-Jährige holte für das Red Bull-Bora-hansgrohe-Team eigenständig als Gesamt-Dritter die Kohlen aus dem Feuer. Den Ulmer zum "neuen Ullrich" zu machen, ist jedoch weder hilfreich noch notwendig.
Die Erwartungen werden nach dem Mega-Erfolg in Frankreich ohnehin steigen, das Ergebnis zu wiederholen oder noch weitere Stufen auf dem Podium zu erklimmen, wird schwer genug, selbst wenn seine Entwicklung weiterhin steil bergauf gehen sollte. Lipowitz Erfolgsrezept lag in seiner Ruhe und Abgeklärtheit trotz des steigenden Hypes um ihn herum. Wenn er sich das erhält, ist für ihn viel möglich - was auch immer das in Ergebnissen bedeuten wird.
"Ich bin einfach superhappy", sagte Lipowitz in der "ARD": "Am Ende ist so ein Ergebnis nicht nur meine Sache, sondern eine Mannschaftsleistung."
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Red Bull feiert Podiumsplatz für Lipowitz auf Schlussetappe

Quelle: Eurosport

Genau diese Mannschaftsleistung wurde seinem deutschen Team von einigen Experten abgesprochen. In den Alpen habe sich insbesondere der etatmäßige Kapitän Roglic nicht sehr kollegial gezeigt. Dabei spielte das Team seine Optionen nicht schlecht aus - mit Ausnahme der Königsetappe am Col de la Loze, als Lipowitz erst lange allein verfolgen musste und dann eine nicht komplett sinnvolle Attacke fuhr.
Taktiken von ihrem Ergebnis her zu analysieren ist einfach, aber wenig zielführend. Das Team war nicht auf Stärke in den Bergen, sondern auf Sicherheit und Flexibilität im Flachen ausgelegt. Das hat geklappt. Weder Lipowitz noch Roglic verloren viel Zeit in der ersten Woche und blieben sturzfrei.
Im Hochgebirge hatte Red Bull zwei Fahrer in den Top Ten und spielte die Karte Roglic mehrfach. Lipowitz selbst musste wenig arbeiten und erwies sich am Schlussanstieg im Kampf der Kapitäne meist als drittstärkster Fahrer. Dass Roglic in La Plagne seine eigenen Chancen auf einen Etappensieg wahrt, sollte man einem fünffachen Grand-Tour-Sieger zugestehen.

2. Das Duell der Superstars war einseitig - aber knapper als 2024

Ein Blick auf die reinen Zahlen verrät, dass der Kampf um den Gesamtsieg nicht der spektakulärste Teil dieser Tour war. Zu dominant wirkte Pogacar im Verlauf dieser drei Wochen - von Tag eins bis 21. Sein großer Rivale Jonas Vingegaard schaffte es zu keinem Zeitpunkt, den Slowenen unter Druck zu setzen.
4:24 Minuten sind kein riesiger Abstand, aber auch kein knappes Duell. Eine andere Statistik des viermaligen Champions ist noch beeindruckender: Auf keiner einzigen Etappe verlor er Zeit auf einen anderen Fahrer in den Top 5 der Gesamtwertung.
Aber es gab bei dieser Tour auch eine andere Seite des Dominators. Im vergangenen Jahr gewann er alle vier Bergankünfte, insgesamt sechs Etappen, jagte Tagessiege bis zum letzten Tag - und distanzierte Vingegaard am Ende um mehr als sechs Minuten. Diesmal wirkte der Slowene müder, genervter, nicht ganz so spielerisch wie im vergangenen Jahr - auch wenn es in Fahrweise und Ergebnis keinen Unterschied machte.
"Ich habe die Kilometer bis Paris gezählt und konnte kaum erwarten, dass es vorbei ist", sagte er: "Und nun kann ich endlich wieder ein paar andere schöne Sachen in meinem Leben machen."
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Experten im Velo Club: Hier hat Pogacar die Tour gewonnen

Quelle: Eurosport

Auf der anderen Seite steht Vingegaard. Im direkten Tour-Duell liegt der Däne nun 2:3 hinten. "Ich bin besser als je zuvor", sagte er vor der Schlussetappe in Paris - und doch deutlich distanziert.
Fast sein gesamter Rückstand lässt sich allerdings auf zwei Etappen zurückführen: Im Zeitfahren um Caen verlor er 1:05 Minuten auf Pogacar, bei der Bergankunft nach Hautacam waren es 2:10 Minuten. Ohne die beiden "schwarzen Tage", wie er sie selbst nennt, ist das Duell vielleicht doch knapper.
Auch wenn Pogacar nie in ernsthafter Bedrängnis wirkte - in den Alpen fuhr er der Konkurrenz eben nicht länger davon wie im Vorjahr. Trotz seiner Ankündigung, "keine Geschenke" zu verteilen, gewann er nach dem Bergzeitfahren in Peyragudes keine Etappe mehr. Die Verhältnisse waren über drei Wochen in Frankreich klar, aber sie waren nicht so eindeutig wie vor einem Jahr.

3. Die Strecke begeistert - der "Kampf" ums Bergtrikot nicht

Die Narrative einer Tour werden durch die Etappen und ihre Profile maßgeblich mitbestimmt. Und auch wenn Pogacar der Meiung war, dass ihn die Organisatoren ärgern wollten, weil sie ihn an den Mont Ventoux, Hautacam und den Col de la Loze schickten - Orte, an denen der Slowene in der Vergangenheit Zeit verlor - waren sie ihm gegenüber auch gnädig.
Mur de Bretagne, Boulogne-sur-Mer, Rouen - diese Etappen in der ersten Tour-Woche boten hügelige Finals mit steilen Rampen - wie gemacht für einen Fahrertypen wie Pogacar. So kreierten die Streckenplaner fast jeden Tag Duelle der größten Fahrer der Radsportszene: Mathieu van der Poel vs. Tadej Pogacar, Pogacar vs. Vingegaard.
In den wenigen Sprints kämpften Jasper Philipsen (bis zu seinem Aus), Jonathan Milan und Tim Merlier um Etappensiege. Wout van Aert sorgte in Paris für den Schlusspunkt eines Superstars. Die drei Wochen wurden in atemlosen Tempo absolviert, mit zahlreichen Unwägbarkeiten. Der Kampf um Etappensiege und Gelbes Trikot wurde täglich erbittert geführt. Ein großes Lob an die Organisation.
Nur eine Wertung tanzte dabei - wieder einmal aus der Reihe. Der Kampf ums Bergtrikot wurde von nur einem einzigen Fahrer geführt - und der hatte keine Chance: Lenny Martínez trug das Bergtrikot, er kämpfte um Ausreißergruppen, er sammelte Punkte - und wurde am Ende hinter Pogacar und Vingegaard Dritter. Beide interessierten sich zu keinem Zeitpunkt für das Trikot mit den roten Punkten.
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Vingegaard über "komische Tour": "War besser als je zuvor"

Quelle: Eurosport

Das ist unwürdig für eines der markantesten Trikots der Radsport-Geschichte - und es war nicht immer so. Das Bergtrikot ist im heutigen Radsport kein Ziel mehr. Es ist zu einem Nebenprodukt der Klassement-Fahrer geworden und wenn es doch einmal jemand gezielt gewinnt - Richard Carapaz oder Giulio Ciccone in den vergangenen beiden Jahren - dann oft kampflos oder nur in sehr indirekter Konkurrenz zu den Klassement-Superstars.
Ein Tour-Etappensieg wird höher gewertet als das Bergtrikot - mehr Prestige, mehr Rampenlicht als beim mühsamen täglichen Sammeln der Punkte an Passhöhen und Hügelkuppen. Die Sonderwertung braucht eine Reform, Punkte sammeln muss sich wieder lohnen. Ben Healy, Ben O'Connor, Thymen Arensman - oder auch beispielsweise Roglic als "Trostpreis" - sie alle hätten sich einen Kampf um das Trikot liefern können. Haben sie aber nicht. So steht neben Sieger Pogacar wieder eine Schaufensterpuppe im gepunkteten Trikot auf dem Podium.
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Highlights: Schlussetappe gipfelt in Showdown der Superstars

Quelle: Eurosport


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