Tour de France 2025: Florian Lipowitz beeindruckt - so kann er das Podium auch in den Alpen bis Paris verteidigen

Florian Lipowitz feiert ein sensationelles Debüt bei der Tour de France. Der 24-Jährige liegt nach 15 der 21 Etappen hinter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard auf Rang drei der Gesamtwertung und trägt das Weiße Trikot des besten Jungprofis. Während dieser zwei Wochen trat er auch aus dem Schatten von Kapitän Primoz Roglic. Kann er den Platz auf dem Podium in der schweren Schlusswoche verteidigen?

Expertentalk: Lipowitz kämpft ums Podium - so stehen seine Chancen

Quelle: Eurosport

Beim Critérium du Dauphiné im Juni hatte Lipowitz schon gezeigt, dass er insbesondere im Hochgebirge zur absoluten Weltklasse zählt. Er belegte im Gesamtklassement Rang drei und wurde nur von den beiden "Außerirdischen" Pogacar und Vingegaard geschlagen.
Aber die Tour, das größte Rennen der Welt, das ist eine ganz andere Hausnummer. Vor allem für jemanden, der noch nie die Grand Boucle in Angriff genommen hat, der erst in diesem Jahr als Kapitän im Rampenlicht der Klassementfahrer auftauchte mit seinem zweiten Platz bei Paris - Nizza und dem dritten Platz bei der Dauphiné.
Nach 15 Tagen lässt sich konstatieren: Lipowitz ist der Herausforderung gewachsen. "Mich beeindruckt besonders, wie ruhig und besonnen er rangeht - im Guten, wie auch, wenn es nicht so gut läuft", sagt Eurosport-Experte Jens Voigt.
Eine Situation blieb dem 17-fache Tour-Teilnehmer besonders eindrücklich im Gedächtnis: "Wenn ich es auf einen Moment runterbreche, dann die letzte steile Rampe auf der 11. Etappe in Toulouse: Da wollten die Top 10 alle ganz vorne reinfahren und Florian Lipowitz kommt wie ein Boss unten als Fünfter neben Pogacar und den ganzen Großen um die Ecke. Wenn Druck auf ihm lastet, ist er da. Das fand ich so beeindruckend, dass er in so einem Moment, wo er weiß, dass das der Schlüsselmoment der Etappe ist, dass er genau dann da ist, wo er sein muss."
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Quelle: Eurosport

Lipowitz zeigt Klasse und Reife bei Tour

Der Tour-Auftritt von Lipowitz und seinem Team Red Bull-Bora-hansgrohe begann mit einem Fehlstart. 39 Sekunden verloren er und Kapitän Roglic an der Windkante vor Lille auf Pogacar und Vingegaard.
Das Trostpflaster: Vielen anderen Klassement-Favoriten ging es ähnlich. Von diesem Moment an zeigte sich Lipowitz immer auf der Höhe des Geschehens - vorne, mit Kontrolle, immer auf Tuchfühlung mit den Superstars.
"Wie konstant er auch fährt", staunt Experte Robert Bengsch, "er ist in jeder Situation da, egal ob es auf die Kante geht oder bei hohen Geschwindigkeiten am Berg. Was die Fahrer jetzt schon geleistet haben in zwei Wochen ist enorm, und dass er da trotzdem diese Konstanz zeigt, ist stark."
Er überstand die kurzen, giftigen Rampen, die in der ersten Tour-Woche an der Tagesordnung waren und überzeugte auch beim flachen Zeitfahren um Caen als Sechster. Bisher schien er von Tag zu Tag stärker zu werden, je mehr das Terrain auch seinen Fähigkeiten entsprach.
In den Pyrenäen zeigte er dann endgültig seine Stärken: Dritter in Hautacam, Vierter beim Bergzeitfahren in Peyragudes, Fünfter in Superbagnères.
"Eine Stärke ist auch, dass er sich gut einschätzt, wie zum Beispiel in Superbagnères, und nicht in den roten Bereich fährt", analysiert Bengsch. "Ben O'Connor zum Beispiel hat sich im letzten Jahr beim Giro verbrannt, als er die Attacken von Tadej Pogacar mitgehen wollte. Aber Florian sieht genau: 'Okay, das Tempo kann ich nicht gehen, ich muss mein Tempo fahren.' Das kann auch nicht jeder. Da ziehe ich wirklich den Hut, wie weit er in dem Alter schon ist."
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Quelle: Eurosport

Roglic als Schlüssel für Lipowitz in Schlusswoche

Um den dritten Rang im Gesamtklassement in der schweren Schlusswoche zu verteidigen, wird es neben der Stärke von Lipowitz selbst besonders auf den etatmäßigen Kapitän Primoz Roglic ankommen. "Ich hoffe, dass er der Helfer sein wird, wenn die Luft brennt", so Bengsch mit Blick auf die drei schweren Bergankünfte am Mont Ventoux und in den Alpen.
Darauf setzt auch Voigt: "Er kann sich jetzt unsterblich machen in dieser Mannschaft! Stell Dir vor, die Hütte brennt und er erweist sich als ganz treuer, zuverlässiger Helfer und bringt Lipowitz nach Hause und aufs Podium, an welchem Anstieg auch immer. Damit würde er ganz viel Charakter zeigen. Das wünsche ich mir und traue ihm auch zu."
Um die direkte Konkurrenz weiter in Schach zu halten, empfiehlt Voigt eine offensive Taktik: "Ich denke, Angriff ist manchmal die beste Verteidigung. Wenn man sieht, wie Oscar Onley und Felix Gall ihre Schuhe festziehen und sich andeutet, dass sie gleich losfahren, dann fahr als Erster los. Das ist moralisch so viel einfacher, als reagieren zu müssen. Damit meine ich natürlich nicht, dass man Pogacar oder Vingegaard angreifen sollte, aber gegen Onley und Gall ist es besser, sie unter Zugzwang zu bringen."
Nach den drei Pyrenäenetappen liegt der Ulmer auf Platz drei der Gesamtwertung - oder auch: der Beste vom Rest. Dass er klettern kann - und das auch noch in der dritten Woche einer Grand Tour, zeigte er schon im vergangenen Jahr bei der Vuelta.
Damals verhalf er Roglic zum Gesamtsieg und wurde in dessen Sog Siebter im Endklassement. Diesmal scheint er aus dem Schatten des slowenischen Stars herauszutreten und selbst ins Rampenlicht zu treten.
"Wenn Du als Quereinsteiger in einer so große Mannschaft kommst, musst Du Dir ja auch erstmal ein Standing erarbeiten", erklärte Bengsch. "Das ist ja schon eine Besonderheit. Man hat ihm erstmal gesagt, dass er sich in Ruhe entwickelt soll – und dann kommt das von Jahr zu Jahr, dass er überhaupt eine Kapitänsrolle bekommt."
Der Stern des Florian Lipowitz steigt derzeit besonders schnell - wohl auch schneller, als man es bei Red Bull-Bora-hansgrohe erwartet hätte. Nach zwei Dritteln der Tour steht er vor dem größten Erfolg eines deutschen Fahrers seit dem zweiten Platz von Andreas Klöden im Jahr 2006.
Es ist noch ein weiter Weg, den Voigt schon vor der Rundfahrt prognostizierte: "Ich habe vor der Tour gesagt, dass ich das gleiche Podium vom Dauphiné auch bei der Tour sehe." Die deutsche Radsportnation hofft, dass der Experte Recht behält.
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Lipowitz übersteht Schreckmoment - auch dank Pogacars Fairplay

Quelle: Eurosport


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