"Florian Lipowitz ist Geheimfavorit auf das Tour-Podium": Jens Voigt setzt auf deutschen Hoffnungsträger in Frankreich
VonJan Zesewitz
Publiziert 05/07/2025 um 12:16 GMT+2 Uhr
Florian Lipowitz startet erstmals bei der Tour de France - und das direkt mit Chancen aufs Podest in Paris: Eurosport-Experte Jens Voigt setzt im exklusiven Interview auf den deutschen Hoffnungsträger, analysiert das Teamgefüge bei Red Bull-Bora-hansgrohe und beleuchtet die Aussichten der weiteren deutschen Starter in Frankreich. Außerdem blickt er auf die Duelle Sprintstars des in Frankreich.
Tour de France 2025: Die Strecke der 21 Etappen bis nach Paris
Quelle: Eurosport
Florian Lipowitz sorgte beim Critérium du Dauphiné für Aufsehen. Der 24-jährige Deutsche lag in der Gesamtwertung vor Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel und wurde nur von den besten Rundfahrern der Welt - Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar - geschlagen.
Das macht Hoffnungen auf den ersten deutschen Fahrer auf dem Podium der Frankreich-Rundfahrt seit Andreas Klöden 2006. Öffentlich macht ihn sein Rennstall zum "Joker" und Edelhelfer von Kapitän Primoz Roglic. Experte Voigt wünscht sich von der Equipe eine offensive Fahrweise und dass Lipowitz im Schatten des Slowenen in Tuchfühlung zur Spitze bleiben kann.
"Lipowitz hat den Vorteil, dass Roglic zunächst im Fokus steht, Interviews geben muss und so weiter. So könnte die erste Woche für ihn ruhiger verlaufen", sagte Voigt im exklusiven Interview.
Die weiteren deutschen Starter haben weniger Chancen in der Gesamtwertung, aber mit Pascal Ackermann (Israel-PremierTech) und Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) stehen starke Sprinter bereit, um auf den Flachetappen für Furore zu sorgen. Und dann gibt es da noch den neuen Deutschen Meister Georg Zimmermann (Intermarché-Wanty), der auf Etappenjagd gehen kann, wenn es seine Helferdienste für Kapitän Biniam Girmay zulassen.
Das exklusive Interview mit Jens Voigt über Florian Lipowitz und die deutschen Starter:
Aus deutscher Sicht heißt der große Hoffnungsträger der diesjährigen Tour Florian Lipowitz. Wie sehen Sie seine Chancen?
Voigt: Er ist mein Geheimfavorit fürs Podium. Ich wäre nicht überrascht, wenn wir unter den Top Drei dieselben Namen sehen wie bei der Dauphiné. Diese Rundfahrt war deutlich stärker besetzt als die Tour de Suisse. Lipowitz hat den Vorteil, dass Roglic zunächst im Fokus steht, Interviews geben muss und so weiter. So könnte die erste Woche für ihn ruhiger verlaufen. Und sollte er später noch im Rennen sein, sind alle anderen schon müde – dann kann auch Lipowitz das eine oder andere Interview geben. Aber erst einmal kann er sich raushalten.
Wie sieht das Teamgefüge bei Red Bull-Bora-hansgrohe aus? Lipowitz hat bei der Dauphiné viel gezeigt, trotzdem ist Roglic der Kapitän. Das Team ist zudem eher mit Spezialisten für Klassiker oder flachere Etappen besetzt.
Voigt: Roglic wird stark sein und ist daher zu Recht der etatmäßige Kapitän. Das Team wird aber auch Lipowitz schützen und ihn als "stille Reserve" in der Hinterhand halten. Ich würde dem Team raten - auch aus den Erfahrungen der letzten Jahre - gleich auf den ersten Etappen aktiv und aggressiv zu fahren. Die 3. Etappe nach Dünkirchen ist aufgrund der Windanfälligkeit prädestiniert dafür, ebenso die 7. Etappe zur Mur de Bretagne. Es wäre ein Fehler, dort passiv zu agieren. Diese zurückhaltende Fahrweise hat in den vergangenen Jahren weder für Roglic noch für Bora zum Erfolg geführt. Die Equipe sollte selbst das Heft in die Hand nehmen und schon vor den Schlüsselstellen angreifen – sonst läuft man den anderen Teams immer einen halben Schritt hinterher.
Die Sprinter müssen ihre wenigen Chancen nutzen, die nicht so zahlreich sind wie sonst in der Auftakt-Woche. Wer wird der Topsprinter der Tour 2025?
Voigt: Ich glaube, dass Jonathan Milan bei dieser Tour den Sprung zum absoluten Topsprinter machen wird. Ich denke auch, dass der Italiener für sein Team Lidl-Trek gleich die erste Etappe in Lille gewinnt und sich das erste Gelbe Trikot überstreifen kann. Die Sprinterkonkurrenz ist wie immer bei der Tour sehr hoch: Jordi Meeus für Red Bull-Bora-hansgrohe hatte zuletzt starke Ergebnisse, dazu kommen natürlich Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) und Tim Merlier (Soudal-Quick-Step). Auch Biniam Girmay (Intermarché-Wanty) ist nach seinem starken Vorjahr mit drei Etappensiegen und dem Grünen Trikot nicht zu unterschätzen.
Auch Pascal Ackermann wird in den Sprints versuchen, eine Rolle zu spielen, er hat ja schon Spitzenplätze bei der Tour geholt. Welche Chancen geben Sie den deutschen Fahrern bei dieser Tour?
Voigt: Mit Phil Bauhaus haben wir noch einen weiteren starken Sprinter aus deutscher Sicht, der auch schon mit ganz vorne landen konnte – für ihn wäre es aber wohl besser, wenn eine reduzierte Gruppe ins Ziel kommt. Ackermann hat bereits bewiesen, dass er in solchen Situationen gewinnen kann. Auch der neue deutsche Meister Georg Zimmermann ist stark genug für einen Etappensieg. Aber wie viele Freiheiten wird er an der Seite von Girmay bekommen? Er wird wohl viele Helferdienste leisten müssen.
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Quelle: Eurosport
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