Tour de France - drei Dinge, die auf Etappe 13 auffielen: Doppelspitze mit Florian Lipowitz und Primoz Roglic klopft an
VonJan Zesewitz
Update 19/07/2025 um 00:15 GMT+2 Uhr
Die 13. Etappe hat die Verhältnisse der Tour de France an der Spitze zementiert. Beim Bergzeitfahren nach Peyragudes unterstrich Tadej Pogacar seine Überlegenheit. Jonas Vingegaard feierte nach seiner schweren Niederlage nach Hautacam am Vortag ein überzeugendes Comeback als Zweiter. Der Kampf um den dritten Podiumsplatz ist enger denn je - und Red Bull-hansgrohe hat plötzlich beste Chancen.
Kampf ums Podium: Red Bull setzt Evenepoel zu zweit unter Druck
Quelle: Eurosport
Florian Lipowitz rückte in der Gesamtwertung auf sechs Sekunden an den schwächelnden Remco Evenepoel heran, sein Red Bull-Teamkollege Primoz Roglic zeigte seine beste Saisonleistung und wurde starker Dritter.
Die Doppelspitze des deutschen Teams ist nach dem Zeitfahren in Schlagdistanz auf Rang drei - und die Equipe will das Duo auf den kommenden Bergetappen entfesseln.
Die ersten beiden Plätze für Paris scheinen nach 13 der 21 Etappen jedoch vergeben. Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard zeigten auch nach Peyragudes, dass sie leistungstechnisch der Konkurrenz ein gutes Stück voraus sind.
Nach nur zwei Etappen im Hochgebirge sind die Abstände bereits enorm groß: Evenepoel ist als Dritter schon 7:24 Minuten zurück, bis zum siebten Platz von Roglic hat der Belgier aber lediglich einen Puffer von 1:26 min.
- Drei Dinge, die auf der 13. Etappe auffielen:
1. Roglic ist zurück - und Red Bull hat jetzt Optionen
Red Bull-Bora-hansgrohe war einer der großen Gewinner des Bergzeitfahrens. Lipowitz bestätigte seine außerordentlich gute Form und hat das Podium nach 13 Etappen plötzlich in greifbarer Nähe. Geschlagen wurde er von den beiden "Außerirdischen" - und seinem Teamkollegen Roglic.
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Florian Lipowitz und Primoz Roglic liegen aussichtsreich in der Gesamtwertung
Fotocredit: Getty Images
Der Slowene nahm erstmals während der Rundfahrt eine prominente Rolle im Kampf um den Tagessieg ein. Er gewann Zeit gegen alle direkten Konkurrenten - allen voran 1:29 Minuten gegenüber Evenepoel auf Rang drei. Nachdem man sich beim deutschen Rennstall lange darum bemüht hat, möglichst unbeschadet und anonym bis in die Berge zu kommen, hält man nun taktische Trümpfe in der Hand.
"Wir müssen uns auf Primoz und mich konzentrieren", sagte Lipowitz im Ziel. "Primoz ist auch nah dran und hat seine gute Form gezeigt. Es kommen noch viele harte Etappen, also müssen wir Tag für Tag schauen. Es ist gut, dass wir zwei Optionen im Klassement haben, das gibt uns mehr Möglichkeiten in den kommenden Tagen."
Eine dieser Optionen sprach Sportchef Rolf Aldag tags zuvor in Hautacam an. Man könnte Roglic beispielsweise schon vor dem Schlussanstieg in die Offensive schicken und Lipowitz im Windschatten der Gruppe halten. Für Pogacar und Vingegaard ist der 35-Jährige mit fast neun Minuten Rückstand keine Gefahr - für Evenepoel, Oscar Onley und Kevin Vauquelin sehr wohl.
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Platz 4 im Bergzeitfahren: Lipowitz' nächste "sensationelle Leistung"
Quelle: Eurosport
Und wer würde dann dafür sorgen, dass Roglic wieder eingefangen wird? Hinter Evenepoel stehen nach dem Zeitfahren große Fragezeichen, was die Form im Hochgebirge angeht, sein Soudal Quick-Step-Team ist mit wenigen Berghelfern bestückt. Auch Onley und Vauquelin sind eher Einzelkämpfer in ihren Teams.
Nach zwei Etappen in den Pyrenäen scheint sich die taktische Ausrichtung, sich nicht auf einen Häuptling festzulegen, für Red Bull auszuzahlen. Auf zwei Fahrer kann kein anderes Team zu diesem Zeitpunkt mehr setzen - und das Team hat einen klaren Plan B, falls Roglic oder Lipowitz einen schlechten Tag haben sollten.
2. Vingegaards Comeback animiert Visma-Kampfgeist
Visma-Lease a Bike hat die Option des Adjutanten nach dem Einbruch von Matteo Jorgenson während der 12. Etappe verloren. Die Equipe setzte ohnehin alles auf den Sieg von Jonas Vingegaard.
Diese Hoffnungen erlitten nach Hautacam einen schweren Dämpfer. 2:10 Minuten verlor er auf seinen großen Rivalen, die Enttäuschung war groß. Mit einem Blick auf die nackte Ergebnisliste erlitt der Däne beim Zeitfahren eine weitere Niederlage. 36 Sekunden war er langsamer als Pogacar.
Das Gefühl beim zweifachen Toursieger und seiner niederländischen Equipe war aber ein ganz anderes als am Vortag. "Wir haben uns zurückgemeldet", sagte Vingegaard nach der Etappe. "Gestern war ein furchtbarer Tag für uns. Bis zum letzten Anstieg habe ich mich gut gefühlt, aber dann gingen plötzlich die Lichter aus. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir heute so zurückkommen konnten. Gestern war enttäuschend, aber ich wusste auch, dass das gestern nicht mein normales Level war."
Das normale Level zeigte er nach Peyragudes - und das ist ausreichend, um sogar den Tour-Dritten des vergangenen Jahres in dessen Spezialdisziplin kurz vor dem Ziel einzuholen. Evenepoel war sicher nicht auf seinem stärksten Level, aber dieser symbolische Erfolg erweckte auch den Kampfgeist bei Vingegaard - Zeitverlust gegen Pogacar hin oder her.
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Vingegaard holt Evenepoel ein: "Das bringt 15 Sekunden!"
Quelle: Eurosport
"Die Tour ist noch lange nicht vorbei", sagte er, "wir müssen weiter dran glauben und es weiter versuchen. Unser Team ist sehr stark und das müssen wir einfach in den nächsten Tagen zeigen."
Vier Minuten beträgt der Rückstand auf Pogacar nach 13 Etappen. Die Tour verspricht mehr Spannung und Unterhaltung, wenn Vingegaard und Visma daran glauben, den Dominator schlagen zu können - der Auftritt beim Zeitfahren war also alles andere als eine Niederlage.
3. Pogacar thront über allen - auch ohne Zeitfahrmaschine
Was die Konkurrenten auch glauben oder versuchen - Tadej Pogacar scheint das alles egal zu sein. Er macht, was er seit rund 18 Monaten fast ununterbrochen macht: dominieren. Die Abstände sind nach zwei Pyrenäen-Etappen schon beängstigend.
Seine Fahrt nach Peyragudes war die zweite Machtdemonstration binnen 48 Stunden vom Titelverteidiger. Und auch wenn er im Ziel behauptete, "am Ende fast explodiert" zu sein - ansehen konnte man es dem Slowenen nicht. Im Kampf gegen die Uhr bewies der 26-Jährige, dass er der stärkste Bergfahrer der Welt ist. Seine Explosivität ist einzigartig und auch wenn Visma attackiert und verschiedene Taktiken ausprobiert - am Ende jubelt der Weltmeister.
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Das ließ sogar die im Vorfeld heißdiskutierte Material-Frage im Zeitfahren zur Nebensache werden. "Der Sieger hat immer recht", sagte Ex-Profi Robert Bengsch im Velo Club bei Eurosport. Die Red-Bull-Doppelspitze Lipowitz/Roglic war auf modifizierten Zeitfahrrädern unterwegs, Vingegaard entschied sich sogar für ein komplettes Aero-Setup. Sie alle dürften mit ihren Entscheidungen zufrieden sein.
Und Pogacar? Der saß auf seinem "üblichen" Straßenrad, bei dem immerhin das Lenkerband und der Flaschenhalter entfernt wurden, um noch ein paar Gramm zu sparen. Ansonsten wirkte der Slowene wie an einem ganz normalen Tag im Peloton - und lag schon nach den ersten flachen vier Kilometern vor seinen aerodynamisch optimierten Konkurrenten.
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Machtdemonstration ohne Funk: Pogacar dominiert Bergzeitfahren
Quelle: Eurosport
"Wir fahren zu 90 Prozent der Zeit auf den Straßenrädern", sagte Pogacar. "Wenn man auf dem Zeitfahrrad nicht ganz so viel Watt drücken kann wie auf dem Straßenrad, dann kommt das ungefähr aufs selbe raus. Wir haben Kalkulationen angestellt und ich habe mich für mehr Komfort entschieden und das Rad, mit dem ich die letzten zwölf Tage schon unterwegs war."
Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Wahl des Rads angesichts der Überlegenheit Pogacars völlig zweitrangig ist.
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Expertenvorschau zur 14. Etappe: "Das wird ein ganz schwerer Tag"
Quelle: Eurosport
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