Tour de France 2026: Bilanz bei Red Bull-Bora-hansgrohe - Remco Evenepoel auch jetzt nicht absolute Nummer eins
VonJan Zesewitz
Publiziert 27/07/2026 um 12:18 GMT+2 Uhr
Ein Kapitän schied aus, der andere gewann zwei Etappen und wurde Zweiter in der Gesamtwertung. Die Bilanz des deutschen Teams Red Bull-Bora-hansgrohe fällt ein wenig gemischt - aber im Ergebnis sehr positiv aus. CEO Ralph Denk sprach von der "besten Tour der Teamgeschichte". Die Experten im Velo Club analysieren die Rundfahrt des Rennstalls - und blicken in die Zukunft der Kapitäne.
Denk zieht bei Eurosport Fazit: "Unsere beste Tour"
Quelle: Eurosport
"Zwei Etappensiege und Platz zwei in der Gesamtwertung - eine gute Tour", konstatierte Jens Voigt auf Eurosport nach der Schlussetappe. "Nach der Tourmalet-Etappe gab es mal einen Misston zwischen den Co-Leadern. Sie haben alle Höhen und Tiefen durchlebt und sind eine sehr starke, kontrollierte dritte Woche gefahren. Sie haben sich das alles verdient, nur schade aus deutscher Sicht, dass Florian nicht mehr dabei sein konnte."
Red Bull reiste mit den Zielen auf einen Etappensieg und das Podium in Paris mit Remco Evenepoel oder Florian Lipowitz an. Beides wurde erreicht, auch wenn der Deutsche die Tour - mit Podiumsaussichten - beim Zeitfahren auf der 16. Etappe beenden musste.
Es war ein wenig sinnbildlich für die Co-Kapitäne. Der Eine jubelte über seinen zweiten Etappensieg in zwei Tagen, der Andere lief enttäuscht Richtung Krankenwagen. Zur Wahrheit gehört auch, dass abgesehen von Evenepoels "Ausbruch" in Richtung Lipowitz in den Pyrenäen, als er mehr Hilfe einforderte, die Aussagen und die Zusammenarbeit der Doppelspitze bis zu Lipowitz' Aus sehr gut funktionierte.
Was wäre möglich gewesen ohne diesen Schlüsselbeinbruch im Zeitfahren? "Ich glaube schon, dass Lipowitz mit Evenepoel mitfahren könnte im Hochgebirge", sagte Experte Rolf Aldag. "Aber was hätte das taktisch bedeutet? Seine einzige Chance aufs Podium wäre gewesen, wenn Jonas Vingegaard dabei gewesen wäre, Pogacar ist vorneweg, der Däne attackiert und Lipowitz ist der einzige, der mit ihm mitgehen kann."
Aldag: "Evenepoel ist immer cool geblieben"
Vingegaard schied zwei Tage vor Lipowitz mit der gleichen Verletzung aus. Es öffnete Evenepoel den Weg zu Platz zwei.
"Evenepoel ist überzeugend und selbstbewusst gefahren, ist immer cool geblieben, das muss man respektieren", sagte Aldag. "Das einzige ist, dass er sich sehr schnell auf Platz zwei festgelegt hat. Er hat nicht geglaubt, dass er Pogacar schlagen kann und hat es nicht probiert. Die Königsetappe hat das nochmal gezeigt, er wollte die Etappe unbedingt gewinnen, ist dann nicht im Reinen mit sich, aber er versucht es eben auch nicht. Das ist Remco-untypisch, vielleicht kriegt er das im kommenden Jahr hin."
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Experten über Red Bull, Lipowitz und Evenepoel: "War souveräner"
Quelle: Eurosport
Abgesehen von der Doppelspitze erlebten auch die sechs weiteren Fahrer des Teams Licht und Schatten bei dieser Tour. Das erste große Ziel mit dem Etappensieg und dem Gelben Trikot beim Mannschaftszeitfahren in Barcelona wurde mit Platz fünf klar verfehlt. Evenepoel unterstrich dort schon seine Ambitionen auf das Kapitänsamt und nahm Lipowitz 17 Sekunden ab.
Auf den ersten Hochgebirgsetappen wirkte der Deutsche dann stabiler, aber der belgische Doppel-Olympiasieger kämpfte sich oft zurück und überzeugte mit einem starken Schlusssprint - so auch bei seinem überraschenden Etappensieg am Plateau de Solaison, als er das UAE-Duo um Pogacar und Isaac Del Toro absprintete.
Zukunftsfragen bei Red Bull: Funktioniert die Doppelspitze?
Oft waren die beiden Kapitäne in der entscheidenden Phase auf sich allein gestellt, in der dritten Woche zeigten dann Helfer wie Jai Hindley, Mattia Cattaneo und Maxim Van Gils eine klare Formsteigerung und halfen Evenepoel auf den zweiten Platz in Paris.
Kann die Doppelspitze um Lipowitz und Evenepoel auch in Zukunft bestehen und funktionieren - oder ist der Belgier jetzt die absolute Nummer eins? "Das glaube ich nicht. Man hat die zwei Optionen und wenn alle mit der aktuellen Situation zurechtkommen, dann sind das zwei sehr starke Klassement-Fahrer", erklärte Aldag im Velo Club.
Die Frage ist, wie oft sie tatsächlich am Start der gleichen Rennen stehen werden, meinte der ehemalige Sportliche Leiter bei Bora. "Wie man das in Zukunft aufteilt, wird man sehen. Vielleicht soll Lipowitz auch mal versuchen, den Giro zu gewinnen? Evenepoel war auch vorher schon einmal Dritter bei der Tour, damals hinter Pogacar und Vingegaard, jetzt ist der Däne rausgefallen, das war also im Grunde eine Bestätigung - aber der Belgier war diesmal souveräner."
Für Evenepoel geht die Vorbereitung in Richtung Weltmeisterschaft direkt nach der Tour los - Lipowitz muss sich erstmal von seinem Schlüsselbeinbruch erholen. Die Zusammenarbeit 2027 wird erneut sehr genau beobachtet werden.
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Highlights: Irres Finale auf der Schlussetappe durch Paris
Quelle: Eurosport
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