Tour de France: Tadej Pogacar mit Dominanz in neuer Dimension, Dramen und Durststrecken - Drei Dinge, die auffielen

Mit Tadej Pogacar hat die Tour de France einen neuen Rekordsieger - nach 113 Austragungen ist der Slowenen nun fünftes Mitglied im Klub der Fünffach-Sieger. Doch dieser Erfolg des UAE-Stars unterschied sich grundlegend von seinen bisherigen Siegen. Derweil gab es für die deutschen Fans wenig Grund zur Freude - und mehrere Dramen rückten das Rennen in Perspektive: Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Irres Finale auf der Schlussetappe durch Paris

Quelle: Eurosport

Der Hattrick ist perfekt: Tadej Pogacar hat seine dritte Tour in Serie gewonnen und bei seinem insgesamt fünften Triumph den bislang größten Vorsprung auf seine verschiedenen Rivalen herausgefahren - 6:26 Minuten lag er in der Gesamtwertung vor Remco Evenepoel.
So überlegen sein Sieg war, so überraschende Seiten zeigten sich auf dem Weg von Barcelona nach Paris beim Weltmeister. Hingegen blieb es für die zwölf deutschen Starter bei Achtungserfolgen, womit sie sich aber in historisch bester Gesellschaft wiederfinden.
Abseits allen sportlichen Spektakels sorgten schließlich verschiedene Stürze dafür, wieder an die teils extremen Risiken des Radsports zu erinnern.
Drei Dinge, die bei der Tour de France 2026 auffielen:

1. Pogacar zeigt Dominanz in neuer Dimension

Nur die finale Krönung blieb ihm verwehrt, ansonsten kannte die Überlegenheit von Tadej Pogacar bei dieser Tour de France keine Grenzen. Erst in Paris fand der Seriensieger seinen Meister, als ihm Mathieu van der Poel den ersehnten Sieg auf den Champs-Elysées verwehrte. Ansonsten wurde der Weltmeister seiner Favoritenrolle souverän gerecht, die Niederlage im Teamzeitfahren beim Auftakt blieb eine Fußnote.
Eine neue Facette hingegen zog sich beim 27-Jährige durch die ganze Rundfahrt, von der 2. Etappe am Olympiaberg in Barcelona über die erste Alpen-Bergankunft bis hin zur Königsetappe in Alpe d'Huez am vorletzten Tag: Pogacar war nicht mehr nur die unersättliche Siegmaschine, sondern plötzlich fürsorglicher Mentor, stellte eigene Erfolgschancen hinter die von Teamkollege Isaac del Toro. Kumpel statt Kannibale, so präsentierte sich der Pogacar der Tour 2026.
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Quelle: Eurosport

Das bestätigte er auch im Eurosport-Interview in Paris, ein Highlight dieser Tour sei das Finale in Barcelona gewesen, als er del Toro den Tagessieg überließ: "Die letzten 200 Meter der 2. Etappe werde ich nie vergessen - Gänsehaut, zusammen mit Alpe d'Huez zusammen mit Isaac", wo er bei der 20. Etappe auf alle eigenen Chancen verzichtete, um den dritten Gesamtrang des Mexikaners zu sichern.
Für derartige Selbstlosigkeit war Pogacar bisher nicht bekannt (mit einer Ausnahme), auch deshalb ist seine Siegesliste mit über 125 Profierfolgen ja so lang. In diesen drei Wochen aber zeigte er ein neues Gesicht, die Bromance mit seinem 22-jährigen Edelhelfer ließ ihn seine Rekordjagd hintenanstellen.
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Quelle: Eurosport

Doch man täusche sich nicht, die Bestmarke an Tour-Etappensiegen (Mark Cavendish/35) ist Pogacar (26) bestens bekannt: Umso bemerkenswerter, dass er auf drei mögliche Gelegenheiten verzichtete (Barcelona, Plateau de Solaison, Alpe d'Huez). Und so verkündete Pogacar noch auf den Champs-Elysées am Eurosport-Mikrofon, dass er den nächsten Gesamtsieg fest auf seiner Liste hat, er "wolle raus aus diesem Klub" - also 2027 alleiniger Rekordchampion der "Grande Boucle" werden.
Zur Pogacars Dominanz gehört aber auch, dass sie weiterhin Fragen aufwirft - und die Antworten vielfach ausbleiben. Die beispiellose Rekordfahrt hinauf über die 21 Kehren nach Alpe d'Huez hinterließ, je nach Blickwinkel, staunende bis schockierte Beobachter. Auch dass Pogacar Ziel einer richterlich freigegebenen nächtlichen Dopingkontrolle wurde, für die Verdachtsmomente vorliegen müssen, gibt zu denken. Und auch sein Teamchef Mauro Gianetti verpasste im Interview die Möglichkeit, reinen Tisch mit seiner Vergangenheit zu machen.
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Experten über Rekorde und Dopingverdacht: "Gibt immer Fragen"

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2. Dramen rücken Spektakel in Perspektive

Dass Stürze in einer dreiwöchigen Rundfahrt nie ganz zu verhindern sind, ist eine Binsenweisheit. Doch gleich mehrere Crashes sorgten diesmal dafür, dass das Spektakel in Perspektive gesetzt wurde.
Denn rein sportlich sorgten die Ausfälle von Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz dazu, dass der packende Kampf um die weiteren Podiumsplätze hinter Pogacar von einem Fünfkampf schnell zu einem Duell zwischen del Toro und Paul Seixas um Platz drei wurde. Auch die Frage, wie stark Remco Evenepoel wirklich in den Bergen ist, blieb dadurch ein Stück weit unbeantwortet.
Dass in einer Rundfahrt zwei absolute Spitzenfahrer beide durch Sturz vorzeitig das Rennen verlassen müssen, gab es seit 2014 nicht mehr: Damals erwischte es die beiden Siegkandidaten Chris Froome und Alberto Contador - und Vincenzo Nibali gewann mit riesigem Vorsprung.
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Weit über den Kampf um Siege und Platzierungen aber gingen die Schreckmomente hinaus, die das Rennen fast furchtbar überschattet hätten. Der Crash von Sepp Kuss auf dem Weg nach Alpe d'Huez, als nur anderthalb Meter ihn vom Sturz in den Abgrund trennten, und der Unfall von Einer Rubio, der sich an der zersplitternden Heckscheibe auch schwer am Hals hätte verletzen können - beide hätten als schwarze Tage in die Tour-Geschichtsbücher eingehen können.
So konnte US-Boy Kuss mit ein paar lässigen Sätzen die Szene kommentieren und das manchmal grenzwertige Fanspektakel in Alpe d'Huez, dass Rubio indirekt zum Verhängnis wurde, bleibt kaum hinterfragt.
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Quelle: Eurosport

3. Durststrecke in bester Gesellschaft

Fünf Jahre ist der letzte deutsche Tour-Etappensieg inzwischen her, seit dem Erfolg von Nils Politt 2021 in Nîmes warten die Fans auf einen nächsten Erfolg. Doch die Tour 2026 brachte keine Besserung, die Durststrecke hielt an - auch wenn Sprinter Max Kanter für einige Achtungserfolge sorgte.
Das Dilemma bleibt, dass Politt oder auch Nico Denz zwar das Zeug zu einem solchen Coup hätten, aber bei der Tour fast komplett in ihren Helferrollen gefangen sind. Ähnliches gilt für Georg Steinhauser und Felix Engelhardt, die ihre Qualitäten meist für ihre Teamkollegen in die Waagschale werfen mussten. Gleichzeitig ist Lipowitz zwar ein herausragender Rundfahrer, aber mangels Explosivität ganz generell kein Sieg-Sammler.
Zumal die Tagessiege bei der Tour 2026 fast ausschließlich für Superstars und Sprinter reserviert waren, Ausreißer oder Außenseiter kamen kaum je zum Zug. Ein Blick auf die Namen macht das deutlich: Pogacar, del Toro, Evenepoel, van der Poel, Pedersen, Carapaz - dazu die Sprinter Merlier, Philipsen, Waerenskjold und Kooij: Allein der Schweizer Mauro Schmid konnte diese Phalanx durchbrechen.
Als Trost bleibt, dass es drei der größten Radsportnationen genauso ging wie Deutschland: Auch Frankreich, Spanien und Italien blieben ohne Tagessieg bei der 113. Tour de France. So sehr sich die Gastgeber über Mega-Talent Paul Seixas und Kletterkünstler Lenny Martinez freuen konnte, die beide in die Top 5 der Gesamtwertung kamen - Etappensiege konnte auch dieses Duo nicht liefern.
So endete die Rundfahrt mit einer historischen Premiere: Noch nie seit 1903 mit der Tour de France die Geschichte der großen Landesrundfahrten begann, blieben alle drei dieser "Gründungsnationen" ohne Erfolg: Nach 302 Grand Tours endete diese Serie.
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Pogacar in Paris geehrt: Fünfter Tour-Gesamtsieg perfekt

Quelle: Eurosport


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