Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Evenepoel schafft mit Sieg in Red-Bull-Kapitänsfrage mit Lipowitz Klarheit
VonJan Zesewitz
Publiziert 19/07/2026 um 22:27 GMT+2 Uhr
Die 15. Etappe der Tour de France mit der schweren Bergankunft am Plateau de Solaison hat Überraschungen und Drama in den Kampf um die Gesamtwertung gebracht. Der Sturz und das folgende Aus von Jonas Vingegaard überschattete den Tag, Remco Evenepoel belohnte seine beste Leistung bei dieser Tour mit einem großen Etappensieg. Davon unberührt: Tadej Pogacar. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Vingegaards Sturz-Aus überschattet Evenepoel-Coup
Quelle: Eurosport
Nur zwei Fahrer konnten dem Tempodiktat von Pogacar am Schlussanstieg folgen: Sein Teamkollege Isaac Del Toro und Evenepoel. Das war dem Belgier an den längeren Bergen im bisherigen Rundfahrt-Verlauf nicht gelungen. Schließlich schlug er beide UAE-Profis im Sprint.
Einer war da schon nicht mehr dabei: Vingegaard musste sich vor dem Anstieg zum Ziel mit einem Schlüsselbeinbruch in den Krankenwagen setzen. Zum ersten Mal beim sechsten Duell zwischen Pogacar und Vingegaard endet dieser Kampf vorzeitig.
Der Slowene war von dieser Nachricht im Interview im Ziel getroffen: "Die Tour wird ohne ihn nicht dieselbe sein."
Aber die Show muss weitergehen, auch wenn sich der Plan von Pogacars UAE-Team ein wenig zu verschieben scheint. Evenepoel wirkt wild entschlossen, die entstandene Lücke des Dänen zu füllen. Zudem war Tom Pidcock in dieser zweiten Woche der Tour de France fast jeden Tag auf Entertainment aus.
Drei Dinge, die auf der 15. Etappe auffielen:
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Überraschung bei Bergankunft: Evenepoel kocht Pogacar ab
Quelle: Eurosport
1. Die Kapitänsfrage bei Red Bull ist (vorerst) entschieden
"Ich zittere vor lauter Emotionen", sagte Evenepoel im Sieger-Interview. Der Belgier meldete sich am Plateau de Solaison eindrucksvoll zurück mit einer lange Zeit verloren geglaubten Form im Hochgebirge.
Und der 26-Jährige ließ auch eine besondere Motivation durchscheinen: "Ich wurde so viel kritisiert, weil ich keine steilen Anstiege überstehe und dies und das. Es fühlt sich einfach unglaublich an, dass ich es diesmal geschafft habe."
Seit dem Start der Tour wurde viel über die Doppelspitze bei Red Bull-Bora-hansgrohe diskutiert, Evenepoel selbst goss Öl ins Feuer, als er Florian Lipowitz in den Pyrenäen öffentlich anging. Mehrfach kämpfte sich der Belgier in den Bergen zurück und sprang aufs Podium - souverän wirkte er nicht.
Bis heute. Mit 1:48 Minuten Vorsprung auf seinen Co-Kapitän, der höchstwahrscheinlich nach dem Zeitfahren größer sein wird, hat er sich die Kapitänsrolle bei Red Bull verdient. Als weltbester Zeitfahrer und mit der Bergform vom Plateau de Solaison hat Evenepoel beste Aussichten auf Platz zwei in Paris. Das sah auch der Deutsche im Interview genau so.
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Lipowitz zu Vingegaard-Sturz und Evenepoel als Kapitän bei Red Bull
Quelle: Eurosport
"Man muss sich das vorstellen. Ich fahre mit dem Besten aller Zeiten, der ein Höllentempo anschlägt, um seinen Teamkollegen Del Toro zum Sieg zu verhelfen", sagte der Sieger stolz. Lipowitz dagegen wurde Fünfter und liegt 50 Sekunden hinter dem dritten Podiumsplatz von Del Toro. Die Doppelspitze kann immer noch aufgehen - das Aus von Vingegaard ermöglicht zwei freie Plätze auf dem Podium.
Selbst wenn Evenepoel nun Option "1a" bei Red Bull ist, kann Lipowitz als "1b" gegen Del Toro, Seixas und Co. um Platz drei kämpfen.
2. UAE und Pogacar wechseln Fokus
Pogacar in der Helferrolle? So wirkte es am Schlussanstieg der 15. Etappe. Der Slowene attackierte nicht wie in den vergangenen Tagen, sondern schlug ein hohes Tempo an. Die Rollen zwischen ihm und Del Toro schienen wie vertauscht.
Schon auf der 2. Etappe in Barcelona "verschenkte" Pogacar den Etappensieg an seinen mexikanischen Edelhelfer, der sich in den kommenden Tagen komplett für seinen Chef ins Zeug legte. Nun dürfte das Ziel sein: Del Toro aufs Podium zu bringen.
Das hat geklappt, nur mit dem Tagessieg wurde es nichts. "Wir haben es heute mit Isaac versucht", sagte Pogacar nach dem Rennen. "Aber er war vielleicht auch ein wenig angeschlagen durch den Sturz und hatte im Finale nicht genug Selbstvertrauen, aber insgesamt war es ein guter Tag."
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Pogacar über Vingegaard-Aus: "Tour wird nicht mehr das Gleiche sein"
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Im Zielsprint konnte der Mexikaner, der ebenfalls in den Sturz von Vingegaard verwickelt war, dem Konter von Evenepoel nichts entgegensetzen und auch der Slowene fuhr nicht vorbei - und schien es auch nicht mit letzter Kraft zu versuchen. Für UAE war der Tag ein Erfolg: Del Toro übernahm das Weiße Trikot und den dritten Platz in der Gesamtwertung, ohne Vingegaard stieg der Vorsprung in der Gesamtwertung auf genau fünf Minuten.
Bei allem Positiven beim Team aus den Emiraten - Pogacar wirkt, als hätte er ein wenig Esprit durch das Ausscheiden seines großen Rivalen verloren. Der Fokus der Equipe kann sich damit Richtung andere Akteure verschieben.
3. Pidcock jagt seine eigenen Tour-Rekorde
Dass an der Spitze der Gesamtwertung alles geklärt wirkt, könnten sich in der dritten Woche Chancen für Ausreißer ergeben. Bereits in den vergangenen drei Tagen versuchte Tom Pidcock sein Glück in Fluchtgruppen.
Der erste Tag über den Ballon d'Alsace brachte ihm Platz drei in der Tageswertung und Platz vier in der Gesamtwertung, den er in den Vogesen wieder einbüßte. Auch am ersten Tag in den Alpen gab sich der Brite wieder angriffslustig - und musste dafür bezahlen.
"Am letzten Anstieg bin ich nur noch gekrochen, ich wollte irgendwie das Ziel erreichen", gestand er am Eurosport-Mikrofon. Gleichzeitig war der Aktivposten auch schon wieder zu Scherzen aufgelegt und richtete seine eigene Herausforderung an Dominator Pogacar.
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Pidcock: "Tadej kann seine Rekorde haben - ich kann das auch"
Quelle: Eurosport
"Ich werde langsam richtig gut in den Gruppen", sagte Pidcock. "Ich habe es einmal versucht und war direkt dabei. War je ein Fahrer aus den Top Ten der Gesamtwertung drei Tage hintereinander in der Gruppe? Ich glaube nicht. Tadej kann alle diese Rekorde brechen, ich kann das auch."
Als Fan kann man nichts dagegen haben, wenn Pidock diese Angriffslust beibehält - ob es dabei um echte Rekorde geht oder nicht.
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Vingegaard-Sturz: "Alle Träume platzen in einer Kurve"
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