Tour de France: Drei Dinge, die auffielen - Sören Wärenskjold beweist Mut zur Lücke und feiert größten Karrieresieg

Die 11. Etappe der Tour de France war eine historische. Nie wurde eine Etappe - ausgenommen Zeitfahren - so schnell gefahren wie das 161 Kilometer lange Teilstück zwischen Vichy und Nevers. Der Sieger war keiner der Supersprinter wie Tim Merlier, sondern der Norweger Sören Wärenskjold. Neben dem hohen Tempo war auf der Flachetappe der Kampf ums Grüne Trikot entscheidend. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Mutige Ausreißer am Ende nur chancenlos

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Am Ende der Highspeed-Etappe zögerten die arrivierten Sprinter zu lange. Zuvor war es harte Arbeit für die Equipes, die vier Ausreißer um Julian Alaphilippe wieder einzuholen. Wie bei dieser Tour üblich, war deren Vorsprung nie groß, aber die Gruppe harmonierte und musste erst sechs Kilometer vor dem Ziel die Waffen strecken.
Für Wärenskjolds Team Uno-X Mobility gab es in einer turbulenten Tour das nächste Highlight. Erstmals in der Geschichte stellte die Mannschaft mit Torstein Träen den Träger des Gelben Trikots, der aber zwei Tage später stürzte und aufgeben musste.
Nun gab es den zweiten Etappensieg der Team-Historie. Tadej Pogacar hat alleine schon drei bei dieser Tour. Für den Gesamtführenden änderte sich an diesem Express-Tag nichts, er führt weiter mit 3:36 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard.
Drei Dinge, die auf der 11. Etappe auffielen:
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Wärenskjold überrascht die Sprint-Elite

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1. Wärenskjold feiert Überraschungssieg mit Mut zum Risiko

"Es ist unglaublich, nächstes Jahr wird es dann zur Tradition, wenn wir wieder gewinnen", sagte ein hocherfreuter Andreas Halland Johannessen über den Sieg seines Teamkollegen.
Der Sieg des Norwegers ist in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. 24 Stunden zuvor stürzte er im Zentralmassiv und erreichte das Ziel als Letzter nur drei Minuten vor dem Zeitlimit. Auch während der heutigen Etappe war er beim Arzt-Wagen der Tour und ließ sich an der Hand behandeln.
"Ich habe mich sehr schlecht gefühlt am Start nach dem Sturz gestern, aber während der Etappe wurde es besser", sagte er. Dann schlug er auch noch die versammelten Topsprinter.
"Ich wusste, dass zwei oder drei Jungs schneller sind als ich", erklärte er. "Aber ich wusste, wenn ich Glück habe und einen guten Sprint zeige, dann kann es klappen."
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Und wie er es geschafft hat. Eigentlich war seine Position aussichtslos, aber auf der rechten Seite der Straße öffnete sich für einen Moment lang eine Lücke. In die stieß Wärenskjold mutig hinein und startete einen sehr langen Sprint.
Dahinter zögerten die Stars um Olav Kooij und Jasper Philipsen einen Augenblick zu lange. Das Tempo durch die Anfahrer schlief einen Moment lang ein, diesen Moment nutzte der Norweger. "Ich dachte, ich bin zu weit hinten", analysierte er ungläubig. "Aber dann öffnete es sich auf der rechten Seite, was es normalerweise nie tut."
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2. Mit Highspeed nach Nevers - neuer Tour-Rekord

Wärenskjold geht mit seinem Überraschungscoup in die ewigen Annalen der Tour-de-France-Geschichte ein. Sein Name steht in der Siegerliste künftig neben der schnellsten Etappe, die jemals bei der Grand Boucle gefahren wurde (ausgenommen Zeitfahren).
1999 gewann Mario Cipollini die Etappe nach Blois mit einem Stundenmittel von 50,355 km/h. Dieser Rekord stand 27 Jahre, bis zur heutigen Etappe zwischen Vichy und Nevers.
3:10:06 Stunden nach dem Start fuhr Wärenskjold nach 161 Kilometern über die Ziellinie, das entspricht einem Durchschnitt von 50,91 km/h. Wie konnte es dazu kommen?
Pogacar sieht mehrere Gründe: "Ich denke, die Fahrer beginnen auch zu glauben, dass auf solchen Etappen eine Ausreißergruppe bis zum Schluss durchhalten und um den Sieg mitfahren kann. Wir haben bereits gesehen, dass es möglich ist. Deshalb wollen alle Ausreißerspezialisten dabei sein. Wenn sehr starke Fahrer an der Spitze sind, ist das Tempo dahinter zwangsläufig höher, weil man sie ja einholen muss." Abschließend sagte er: "Es gab heute noch einen weiteren Faktor: Wir hatten den ganzen Tag Rückenwind, was natürlich enorm geholfen hat."
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Dazu kam ein harter Kampf um die Gruppe des Tages, das Ausreißer-Quartett, das sich schließlich fand, erwies sich als stark. Das Feld scheint zudem kein Interesse daran zu haben, einer Fluchtgruppe einen größeren Vorsprung zu gönnen. So wurde vom Start weg vorne Vollgas gefahren.
Uno-X Mobility scheint als Team echte Expertise zu haben, was Highspeed-Etappen angeht. Beim Giro d'Italia gab es dieses Jahr eine Etappe mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 51,064 km/h - in Mailand gewonnen von Wärenskjolds Teamkollegen Fredrik Dversnes.

3. Die Sprint-Stars lassen große Chance liegen

Nicht Tim Merlier, nicht Olav Kooij, nicht Jasper Philipsen konnten den vierten Massensprint dieser Tour für sich entscheiden. Das sind gute Nachrichten für Mads Pedersen im Grünen Trikot.
Der Däne kam in flachen Sprints bisher noch nicht auf eine Topplatzierung - andere sind endschneller als der Führende der Punktewertung. Pedersen punktet einfach ansonsten überall. Bei allen Zwischensprints, im Mittelgebirge, in Ausreißergruppen.
"Der Sprint war nicht gut, aber der Rest war okay", sagte Pedersen am Eurosport-Mikrofon. "Wir müssen froh sein, dass weder Philipsen, noch Girmay oder Kaner heute gewonnen haben. Es ist traurig, das zu sagen, aber so ist das Spiel, wenn man um dieses Trikot kämpft."
Pedersen verlor nur neun Punkte auf den ärgsten Verfolger Biniam Girmay und hat 45 Punkte Vorsprung. Es gibt nur noch einen klaren Massensprint - die 12. Etappe am Donnerstag. Pedersen hat gute Karten, zum ersten Mal das Grüne Trikot nach Paris zu tragen. Auch weil die Stars heute nicht gewonnen haben.
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