Tour de France - Remco Evenepoel in neuer Dimension, Paul Seixas zeigt sich als Champion: Drei Dinge, die auffielen

Die Königsetappe der Tour de France brachte einen dramatischen Schlagabtausch um den prestigeträchtigen Tagessieg in Alpe d'Huez und einen spektakulären Kampf um den letzten Platz auf dem Podium. Dabei sorgte letztlich der Sturz von Sepp Kuss für die Entscheidung bei den Ausreißern, während Tadej Pogacar erneut seine Ambitionen hinter die eines Teamkollegen stellte. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Carapaz gewinnt Königsetappe - Sturz-Drama um Kuss

Quelle: Eurosport

Es war die vielleicht schwerste Bergetappe der Geschichte der Tour de France und sie schrieb Geschichten, über die noch lange gesprochen werden wird.
Allen voran der Crash von Visma-Kletterer Kuss, der auf dem Weg zum Sieg war und dann nur um anderthalb Meter an einer Katastrophe vorbeischrammte. Aber auch die eindrucksvollen Helferdienste von Tadej Pogacar, der seine Chancen auf das historische Double in Alpe d'Huez für seinen Teamkollegen Isaac del Toro aufgab. (zum Etappenbericht)
Doch daneben stachen drei Fahrer heraus, die beim ultimativen Härtetest über fast 5500 Höhenmeter und vier schwerste Anstieg bewiesen, welche herausragenden Qualitäten sie haben.
Drei Dinge, die auf der 20. Etappe auffielen:

1. Evenepoel kann Hochgebirge

Wie oft hat Remco Evenepoel diesen Vorwurf schon gehört: Im absoluten Hochgebirge, wenn es über die 2000 Meter hinaus geht, komme der Belgier einfach an seine Grenzen. Doch ausgerechnet die Etappe über den höchsten Punkt dieser Tour, den Col du Galibier mit 2642 Metern, konnte er nutzen, um seine neuen Qualitäten zu zeigen.
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Remco Evenepoel vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe auf der 20. Etappe der Tour de France 2026 nach Alpe d'Huez

Fotocredit: Getty Images

Schier mühelos kurbelte er in der dort auf fünf Fahrer geschrumpften Favoritengruppe mit und hatte am Ende einer extrem schweren Etappe und am vorletzten Tour-Tag noch die Reserven, sich auf die Verfolgung der beiden letzten Ausreißer zu machen. Viel hätte nicht gefehlt und Evenepoel hätte die Lücke noch geschlossen. Der Olympiasieger wirkte auf den drei Alpenetappen frischer als viele seiner Konkurrenten und unterstrich eindrucksvoll, dass er klar der zweitbeste verbliebene Fahrer im Rennen war.
Ob er Jonas Vingegaard, Florian Lipowitz oder einen gesunden del Toro in Schach gehalten hätte, bleibt Spekulation. Fakt aber ist, dass er viele Skeptiker beeindruckt hat und sich die Zweifler dann auch im Interview vorknöpfte: "Ich habe einmal mehr bewiesen, dass die ganzen Kommentare und Kritiken nicht richtig waren. Ich war Dritter vor zwei Jahren, bin dieses Jahr Zweiter und habe außerdem auch schon die Spanien-Rundfahrt gewonnen - das ist nicht so schlecht für jemand, der kein Fahrer für große Rundfahrten ist", meinte er ironisch.
Sein Sportlicher Leiter Klaas Lodewyck hob eine besondere Qualität des Zeitfahr-Weltmeisters heraus. "Er war die ganze Tour über sehr konstant. Es war toll zu sehen, wie er sich in diesem Rennen entwickelt hat und es ist klar, dass er gut mit einer Grand Tour klarkommt." Teamchef Ralph Denk war "extrem stolz" auf seinen Neuzugang, der "einen wichtigen Schritt in seiner Karriere gemacht" habe.
Und noch ist Evenepoel nicht satt: Auf dem Kurs der Schlussetappe in Paris wurde er 2024 Olympiasieger und dort strebt er am Sonntag seinen dritten Etappensieg bei der 113. Tour an.
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Evenepoel startet Solo in Richtung Gold - Madouas kann nicht mehr folgen

Quelle: Eurosport

2. Seixas kann drei Wochen

Mit viel Vorschusslorbeeren, aber auch einiger Skepsis war Paul Seixas in Barcelona in seine erste dreiwöchige Rundfahrt gestartet: Würde der Teenager, jüngster Teilnehmer seit 1937, dem Druck der begeisterten französischen Fans und den extremen Belastungen des Rennens standhalten? Die Königsetappe gab eine klare Antwort. Erst am allerletzten Berg der Tour begann der 19-Jährige zu schwächeln.
Doch wie er sich beim Ritt über die mythischen Pässe verkaufte, stand exemplarisch für seine herausragende Premiere auf der größten Bühne des Radsports. Seixas wollte nicht seinen vierten Platz absichern und nach Paris bringen - er wollte alles versuchen, um das Podium zu erreichen. Und hätte del Toro nicht Pogacar als Edelhelfer gehabt, wäre der Plan vielleicht sogar aufgegangen. So aber verlor er 1:50 Minuten auf das UAE-Duo und der Abstand im Gesamtklassement wuchs auf 2:14 an.
"Wir hatten nichts zu verlieren, wir haben alles versucht", brachte es der Décathlon-Kapitän im Anschluss auf den Punkt. Diese Einstellung beweist, aus welchem Holz der Shootingstar der Szene geschnitzt ist. "Ich bin enttäuscht, dass ich nicht ums Podest kämpfen konnte - aber in ein paar Tagen werde ich stolz sein."
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Paul Seixas bei der Tour de France 2026

Fotocredit: Getty Images

Dazu hat er jedes Recht - ihm steht die Zukunft offen und die Erfahrungen und Fehler des Juli 2026 werden ihn nur noch stärker machen. Wie warnte Pogacar schon im Frühjahr: Die aktuelle Generation um ihn selbst müsse "in den nächsten Jahren so viel wie möglich gewinnen - bis er alle zerstört".

3. Kletterkönig voller Kampfgeist

Ob Richard Carapaz diese Königsetappe auch ohne den Sturz von Sepp Kuss gewonnen hätte,, wird für immer offen bleiben. Aber ohne seine Klasse und seinen Kampfgeist wäre er im Finale weder noch so nahe am US-Profi dran gewesen, noch hätte er ihn und Evenepoel auf den letzten Kilometern in Schach gehalten.
Dabei war es für den Olympiasieger von Tokio zu Beginn der Etappe nur darum gegangen, seine hauchdünne Führung in der Bergwertung zu verteidigen - nur einen Punkt lag er vor Pogacar. Dafür investierte der 33-Jährige in den ersten Anstiegen sehr viel, er attackierte schon mehrere Kilometer vor den Bergwertungen aus der Spitzengruppe heraus, um bloß nichts anbrennen zu lassen.
Fast hätte sich das wie am Vortag gerächt, als er schon ganz nah am Etappensieg war, aber mit seinen Begleitern zu lange taktiert hatte. Heute hatte er das Glück auf seiner Seite - aber es war auch das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen. Auf jeder der drei Alpenetappen war er in der Spitzengruppe, mustergültig unterstützt von seinem EF-Team, und seine Leidensfähigkeit wurde letztlich wie auf der 18. Etappe belohnt.
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Triumph im Bergtrikot: Carapaz krönt starke Tour in Alpe d'Huez

Quelle: Eurosport

"Ich habe so sehr gekämpft in dieser Tour, ich denke, dass ich es verdient habe. Das ganze Rennen war ein Traum, unser Ziel mit jetzt zwei Etappensiegen und diesem Trikot erreicht zu haben, macht mich sehr stolz. In Ecuador werden sie jetzt Freudensprünge machen!"
Dem modernen Radsport mit all seinen Analysen, Daten und marginal gains steht in Carapaz ein Fahrer der "alten Schule" gegenüber, der mit Kampfgeist, Erfahrung, Sturheit und Stolz noch immer ganz große Erfolge einfährt. Er war nie ein Wunderkind oder Himmelsstürmer, aber seine Erfolgsliste ist voller Siege, um die ihn 99 Prozent der anderen Fahrer beneiden - und nun gehört ein Triumph in Alpe d'Huez dazu.
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Was für ein Schreckmoment: Kuss fällt beinahe Abhang hinunter

Quelle: Eurosport


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