Tour de France - Rolf Aldag exklusiv vor dem Start von La Grande Boucle: "Seixas hat sich eine blutige Nase geholt"

Die Tour de France 2026 steht in den Startlöchern, ab dem 4. Juli messen sich die besten Radsportler der Welt bei der legendärsten Rundfahrt des Planeten. Vor La Grande Boucle gibt Eurosport-Experte Rolf Aldag exklusiv seine Einschätzungen zu Top-Favorit Tadej Pogacar und Herausforderer Jonas Vingegaard ab. Zudem spricht er über die Chancen des deutschen Shootingstars Florian Lipowitz.

Aldag über Lipowitz' Chancen: "... dann wird er auch vorne mit dabei sein"

Quelle: Eurosport

Wenige Tage vor dem Start der 113. Tour de France (ab 4. Juli live bei Eurosport und HBO Max) spricht Eurosport-Experte Rolf Aldag im exklusiven Interview über die Top-Favoriten und ihre aktuelle Form.
Aldag verrät, warum er Ausnahme-Athlet Tadej Pogacar zum fünften Mal am Ende in Gelb sieht und was er dem deutschen Shootingstar Florian Lipowitz bei der legendären Frankreich-Rundfahrt zutraut.
Außerdem bewertet der 57-Jährige die Auswirkungen des Ausfalls von Wout van Aert auf dessen Team Visma-Lease a Bike und ordnet den Weggang des langjährigen Visma-Rennchefs Grischa Niermann ein.
Rolf, mit dem Gesamtsieg bei der Tour of Slovenia hat Florian Lipowitz den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Wie bewertest du diesen Sieg und vor allem die Art und Weise, wie er sich dort präsentiert hat?
Rolf Aldag: Ich glaube, wenn man ihn selbst fragen würde, würde er seinen größten Karriereerfolg wahrscheinlich eher zurückhaltend einordnen - vielleicht sogar so, dass er ein Podium bei der Tour de France als noch höher bewerten würde. Aber er hat gewonnen, und das ist sicher gut für die Moral und fürs Selbstvertrauen. Ich denke, dass er - und vor allem auch das Team - sehr realistisch einschätzen kann, wie dieser Sieg im Verhältnis zu Erfolgen wie denen von Jonas Vingegaard beim Giro oder Tadej Pogacar bei der Tour de Suisse einzuordnen ist. Gleichzeitig war ja immer wieder ein Thema, dass Lipowitz nicht besonders viel gewinnt.
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Zweimal Alpe d'Huez: Die Tour-Strecke 2026 von Barcelona nach Paris

Quelle: Eurosport

Jetzt hat er gewonnen - und das auf überzeugende Art und Weise. Ich glaube, das gibt ihm ordentlich Rückenwind für die Tour.
Du hast ihn ja selbst lange in der Mannschaft gehabt: Wie schätzt du sein Selbstvertrauen grundsätzlich ein - gerade im Vergleich zu Fahrern wie Vingegaard oder Pogacar? Es hatte ja auch ein bisschen den Eindruck, als hätte man ihn bewusst in Rennen geschickt, um genau dieses Selbstvertrauen zu stärken.
Aldag: Ja, das ist nicht ganz falsch. Auch einmal, um fürs Selbstvertrauen zu gewinnen - das ist natürlich auf der einen Seite sehr schön. Auf der anderen Seite geht es aber auch darum, wieder Rennroutine zu bekommen: Jeden Morgen die Startnummer anheften, morgens beim Frühstück beim Koch immer wieder das gleiche Müsli, abends das Abendessen. Einfach wieder in diese Abläufe hineinkommen, das Rennfahren wieder zum normalen Tagesrhythmus machen. Und ich glaube, das ist für Lipowitz extrem wichtig. Wir haben ihn dieses Jahr ja auch sehr aktiv gesehen, er hat bei der Tour de Romandie sogar Pogacar attackiert. Insofern würde ich nicht sagen, dass es ihm grundsätzlich an Selbstvertrauen fehlt. Er hat eher bestimmte Limitierungen, wenn man über Explosivität spricht - also die Fähigkeit, ein Rennen mit einer überraschenden Attacke zu entscheiden. Das ist für ihn nicht ganz so einfach. Aber wenn es richtig, richtig schwer wird, wie in der dritten Woche der Tour de France, dann ist genau diese Explosivität auch gar nicht mehr so entscheidend. Dann muss er einfach heil durchkommen - und dann wird er auch vorne mit dabei sein.
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Highlights: Lipowitz mit unwiderstehlicher Attacke zum Gesamtsieg

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Lipowitz hatte im Trainingslager den Wunsch geäußert, er hätte bei der Tour gerne mit Nico Denz einen deuschen Fahrer an seiner Seite, um auch mal ein paar Worte in seiner Muttersprache zu wechseln. Was macht das aus?
Aldag: Es gibt ja einen nachvollziehbaren Hintergrund für diesen Wunsch. Er sagt das nicht einfach so aus einer Laune heraus, sondern es geht auch um die mentale Balance eines Rennfahrers - gerade in der Rolle eines Kapitäns oder Co-Kapitäns. Und es dürfte relativ klar sein, dass Lipowitz bei der Tour mindestens als Co-Kapitän, vielleicht sogar als alleiniger Kapitän unterwegs sein wird. Insofern ist es absolut legitim, solche Wünsche zu äußern. Und wenn wir ehrlich sind: Denz ist da nicht nur als Unterhalter dabei. Lipowitz sucht sich da niemanden aus, nur um Deutsch sprechen zu können, sondern er vertraut ihm auch sportlich. Er weiß, dass Denz eine echte Maschine ist, die alles kann, die auf jedem Terrain funktioniert und sich auch durch die schwersten Rennen immer wieder durchquält. Genau diese Kombination macht den Wunsch aus seiner Sicht nachvollziehbar. Am Ende ist es auch verständlich: 24 Stunden im Kopf zu übersetzen, sich permanent sprachlich anzupassen, ist nicht jedermanns Sache. Lipowitz ist jemand, der sehr in sich ruht, eine starke Verbindung zu seiner Heimat hat - zu den Bergen, zur Herkunft - und damit natürlich auch zur Muttersprache Deutsch.
Wie sieht Lipowitz' Regenerationsprogramm auf den letzten Tagen hin zur Tour de France aus?
Aldag: Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Einige Fahrer haben sicher noch ein sogenanntes Top-up-Camp gemacht, also nach vorherigem Höhentraining nochmal gezielt auf Rennbelastung setzen, sind eventuell nochmal in die Höhe gegangen, um dann sehr kurzfristig zur Tour anzureisen. Dann gab es auch die Option über nationale Meisterschaften, bei denen man nochmal einen echten Renntest unter Wettkampfbedingungen hatte. Das ist für manche auch ein Baustein in der Vorbereitung. Und dann gibt es natürlich die Trainingssteuerung durch die Trainer. Die Frage ist immer, brauche ich noch etwas zusätzliche Belastung - also sogenannte Load, den letzten Reiz - oder ist der Fahrer schon so gut vorbereitet, dass es jetzt eher ums Halten geht bis zur Tour. Als Coach kann man da noch ein bisschen feinjustieren, aber ich glaube nicht, dass bis zum finalen Abreisetag noch große Veränderungen passieren. Die Teams reisen dann vermutlich am Mittwoch an, vielleicht sogar schon am Dienstag wegen des Mannschaftszeitfahrens. Bis dahin wird eher noch gemeinsam trainiert, ein bisschen zusammengefahren, aber grundsätzlich passiert jetzt nicht mehr viel Grundlegendes, sondern eher Feinschliff und Stabilisierung.
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Radsport: Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) gewinnt die Tour de Suisse 2026

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Zeitgleich hat Pogacar mit dem Gesamtsieg bei der Tour de Suisse seine starke Form unterstrichen. Wie ordnest du diese Leistung ein - und wie unterscheiden sich die beiden Erfolge hinsichtlich ihrer Aussagekraft?
Aldag: Die Leistung von Pogacar war nicht sonderlich überraschend. Er war vor der Tour de Suisse der absolute Topfavorit und hat diesen Status nochmal eindrucksvoll bestätigt. Das, was Vingegaard im Giro gezeigt hat, war gut, was Lipowitz bis jetzt gezeigt hat, sehr gut, und was Paul Seixas gezeigt hat, war für sein Alter besonders gut.
Trotzdem muss man sagen: Pogacar ist in der Schweiz vermutlich nicht einmal wirklich an sein Limit gegangen - genau deshalb bleibt er der absolute Favorit.
Bemerkenswert war vor allem die Mannschaftsleistung. Wir haben das hier angeschaut, auch mit meiner Frau, die meinte: "Die fahren ja eigentlich eine Qualifikation im Zeitfahren - die sind da zu fünft unter den ersten 15, zu viert unter den ersten 10." Damit zeigt sich auch: Selbst die Überlegung, Pogacar über eine mögliche Team-Schwäche anzugreifen, greift nicht. Das wird nicht passieren. Dieses Team ist ebenfalls extrem stark besetzt und in absoluter Topform.
Pogacar hat die Konkurrenz schon auf der 1. Etappe der Tour de Suisse in Grund und Boden gefahren? Hast Du so etwas bei einer Rundfahrt schon mal erlebt und wie ordnest Du das ein?
Aldag: Ich denke, das macht er ganz spontan. Da gab es vermutlich keinen großen Plan im Vorfeld. In dem Moment hat er sich danach gefühlt und gedacht: Mensch, es ist eine super Situation, alle um mich rum sehen ein bisschen kaputt aus, dann fahre ich mal los. Die Idee dahinter war wahrscheinlich, die Rundfahrt sehr früh zu entscheiden, um danach ein bisschen spielen zu können und nicht permanent unter Druck zu stehen. Danach konnte er jede Entscheidung bewusst treffen: Wann er fährt, wann er kontrolliert, welche Gruppe gehen darf und wie viel man sie fahren lässt. Einmal haben sie sich ein bisschen verpokert. Meiner Meinung nach wollte er Jhonatan Narváez die dritte Etappe schon schenken. Er fuhr vorne Tempo, als die Fluchtgruppe noch unterwegs war, arbeitete quasi im Gelben Trikot für sein Team. Dann merkte er, dass Narváez nicht mitkonnte, zog nochmal an und kam dann ein bisschen kurz. Das passt aber auch zu der Idee, im Vorfeld etwas zurückzugeben für das, was die Teamkollegen bei der Tour leisten. Einerseits ist er der Kannibale, wenn es um Gegner geht, andererseits jemand, der im Team sehr viel Respekt zeigt und extrem wertschätzt. Wenn er die Chance hat, solche "Geschenke" zu machen, dann nutzt er sie auch. Bei Narváez hat es dann einen Tag später ja auch geklappt.
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Highlights: Pogacar im Grande Finale im Kannibalen-Modus

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Mathieu van der Poel musste sich Pogacar im Zeitfahren nur um 0,31 Sekunden geschlagen geben. Damit hat er ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung Mannschaftszeitfahren bei der Tour gesetzt. Wenn er beim Auftakt nur wenige Sekunden auf Pogacar und Co. einbüßt, könnte er auf der schwierigen 2. Etappe auf Gelb fahren?
Aldag: Das wäre mit Sicherheit eine Idee, sogar eine richtig gute - die wird aber nur nicht klappen. Ich glaube einfach, die anderen Teammitglieder werden sich aufgrund des hohen Tempos so anschnallen müssen, dass sie wahrscheinlich kaum noch in der Lage sind, Führungsarbeit zu übernehmen. Das Finale ist auch schwer, Mathieu könnte das grundsätzlich. Aber ich glaube, da sind jetzt Mannschaften wie Red Bull–Bora–hansgrohe, UAE Emirates und Visma-Lease a Bike einfach zu stark, als dass es noch zu machen ist, das Gelbe Trikot auf der zweiten Etappe über Zeitbonifikation oder eine späte Attacke zu holen. Die Idee ist sicher da und eine Sache muss positiv erwähnt werden: Bei Alpecin–Deceuninck bekommen sie es zum Start von Rundfahrten immer wieder hin, topfit zu sein. Wenn es irgendwo eine Chance gab, für Sprinter oder Klassikerfahrer das Gelbe Trikot zu holen, dann waren sie immer da und haben es auch umgesetzt. Das muss man dem Management und auch Fahrern wie Jasper Philipsen und van der Poel lassen, dass sie es schaffen, sich gezielt auf einen Punkt vorzubereiten. Insofern bin ich da nicht komplett dagegen, dass es zumindest einen Versuch wert ist. Ich glaube aber, es fehlt am Ende ein bisschen an der Breite in der Mannschaft, um das im Mannschaftszeitfahren wirklich durchzubringen.
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Van der Poel kann's nicht fassen! Pogacar gewinnt irren Hundertstel-Krimi

Quelle: Eurosport

Wie stark schätzt du generell das Team Red Bull-Bora-hansgrohe ein?
Aldag: Es ist ein extrem starkes Team, da bin ich mir sehr sicher. Sie haben einfach eine enorme Qualität im Kader. Gleichzeitig schwimmen sie aktuell auch auf einer Erfolgswelle und wählen ihre Rennen inzwischen sehr bewusst aus. Man sieht da schon ein Stück weit Mut zur Lücke. Die Tour de Suisse war vielleicht nicht ganz so berauschend, dafür war die Tour Auvergne-Rhône-Alpes sehr gut. Dazu kommen die Siege von Lipowitz und Laurence Pithie bei der Tour of Slovenia sowie Jordi Meeus bei der Tour de Wallonie - das sorgt natürlich für viel Moral im Team. Insofern reiten sie auf einer Erfolgswelle zur Tour und werden maximal vorbereitet sein. Der Fokus ist dabei klar auf die Gesamtklassement-Ambitionen ausgerichtet - und das muss auch so sein. Man verpflichtet keinen Fahrer wie Remco Evenepoel für sehr viel Geld, um dann zu sagen, die Sprintetappen sind unser Ziel.
Der sportliche Leiter von UAE, Matxin Fernández, hat nach den jüngsten Eindrücken gesagt, dass er Seixas auf einem Niveau mit Vingegaard sieht - wie siehst du das?
Aldag: Ich bin mir nicht sicher, ob das nach drei Wochen Tour de France noch so ist. Außerdem stellt sich bei Seixas die Frage, wie gut er den Sturz bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes verkraftet hat. Er hat sich moralisch ein bisschen, lapidar gesagt, eine blutige Nase geholt. Da stellt sich schon die Frage, mit welchem Selbstbewusstsein er in die Frankreich-Rundfahrt geht. Genauso offen ist für mich, was auf Etappe 20 passiert, wenn es über den Galibier und noch hinauf nach Alpe d’Huez geht. Ob er dann schon auf dem Niveau von Vingegaard ist, da bin ich noch nicht überzeugt, aber er wird dieses Niveau in der Zukunft mit Sicherheit erreichen.
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Seixas schon auf einer Stufe mit Vingegaard? Das sagt Aldag

Quelle: Eurosport

Bleiben wir bei Vingegaard: Der Ausfall von Wout van Aert bedeutet für Visma einen Rückschlag vor der Tour. Wie schwer wiegt dieser Verlust und welche Auswirkungen könnte er auf Vingegaards Chancen haben?
Aldag: Als Mensch wird van Aert dem Team sehr fehlen, weil er aus meiner Sicht der herausragende Kapitän ist. Wenn irgendwo Chaos entsteht, ein Sturz passiert oder sich das Rennen neu sortiert, dann ist van Aert da. Wenn man von einem Fels in der Brandung spricht, dann ist er genau das. Diese Rolle kann auch niemand so schnell übernehmen, weil sie bei Team Visma-Lease a Bike einfach fest mit ihm verbunden ist. Er ist da fast schon mehr als nur Fahrer - ich würde sagen, er ist im Rennen auch eine Art verlängerter Arm des Managements. Wenn Entscheidungen getroffen werden oder etwas schiefläuft, ist dieses direkte Feedback eines erfahrenen Teamkollegen extrem wertvoll. Das ersetzt man nicht von heute auf morgen. Trotzdem wird die Mannschaft das sportlich kompensieren können, weil sie in der Breite sehr stark aufgestellt ist. Am Ende des Tages, wenn es für Vingegaard wirklich um den Toursieg geht, wird das eher nicht in Situationen entschieden, in denen Windkante oder Chaos eine Rolle spielen, sondern im Hochgebirge. Dort muss sich Vingegaard gegen Pogacar beweisen, da spielt van Aert eine deutlich kleinere Rolle. Trotzdem bleibt er als Kapitän und vor allem wegen seiner menschlichen Komponente ein großer Verlust.
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Grischa Niermann wechselt von Visma zu Lidl-Trek

Fotocredit: Getty Images

Glaubst du, dass der beschlossene Abgang von Grischa Niermann bei Visma sportliche Auswirkungen auf die Tour haben wird?
Aldag: Grischa Niermann hat bei Visma–Lease a Bike über Jahre hinweg eine extrem prägende Rolle gespielt. Wenn man ihn jetzt ersetzt und direkt jemanden völlig Neuen holen würde, wäre das wahrscheinlich der falsche Weg - dann passt im Funk und im Radio irgendwann die ganze Sprache nicht mehr zusammen. Dieses Verständnis, was gemeint ist, wie etwas gemeint ist, wie Dinge formuliert werden, ist extrem personenbezogen. Das sind oft nur kurze Ansagen, aber jeder im Team weiß, was gemeint ist, wenn Grischa spricht - einfach weil er alle Bereiche abgedeckt hat, von Klassikern über Kopfsteinpflasterrennen bis hin zu den Grand Tours. Diese Erfahrung ersetzt man nicht eins zu eins. Gleichzeitig ist es ein Vorteil, dass mit Marc Reef jemand übernimmt, den die Fahrer schon lange kennen. Dadurch bleibt die Kommunikation auf dem Rad und im Auto stabil, sodass keine großen Missverständnisse entstehen sollten. Insofern würde ich mir da nicht zu viele Sorgen machen. Ein bisschen frischer Wind kann sogar auch gut sein. Nach zehn, zwölf Jahren mit sehr ähnlichen Ansagen tut eine andere Stimme manchmal ganz gut. Wenn sie die freie Wahl gehabt hätten, hätten sie die Tour vermutlich trotzdem gerne noch einmal mit Grischa gemacht, denn die Erfolge sprechen klar für seine Arbeit. Aber so haben sie eine gute Lösung gefunden, auch wenn sie ein bisschen improvisieren mussten.
Wer ist Stand jetzt dein großer Favorit: Wer gewinnt die Tour de France, wer landet auf dem Podest?
Aldag: Rein leistungsmäßig muss man sagen, dass Pogacar der glasklare Favorit ist. Natürlich kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, aber aktuell ist er die klare Nummer eins. Er gewinnt selbst ein Zeitfahren bei der Tour de Suisse auf einer Strecke, die ihm eigentlich gar nicht wirklich liegt. Während Vingegaard beim Giro im Zeitfahren "nur" 13. war. Da wird Pogacar auch bei der Tour Zeit auf Vingegaard herausfahren. Und wo soll Vingegaard diese Zeit wieder aufholen? Dafür müsste er ihn am Berg abhängen. Im Moment haben wir von der Rangordnung her ganz oben Pogacar. Fünf Prozent darunter kommt dann Vingegaard, und wiederum fünf Prozent dahinter kommt die Gruppe um Seixas und Lipowitz. Bei Del Toro weiß man noch nicht ganz genau, was er schon kann, obwohl er ein Riesentalent hat. Mich würde es aber nicht wundern, wenn UAE es darauf anlegt und sagt: Wir holen jetzt die Plätze eins und zwei oder eins und drei. Worauf wir uns wirklich freuen können, ist der Kampf um Platz drei. Der wird sich meiner Meinung nach zwischen Seixas, Lipowitz und Del Toro entscheiden. Wobei ich auf einen positiven Ausgang für Lipowitz hoffe.
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Keine Gnade! Pogacar überholt Martinez kurz vor dem Ziel

Quelle: Eurosport


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