Diesen Chris Froome, davon ist Anton Palzer überzeugt, den würde er bergauf locker abhängen. Jedenfalls dann, wenn beide wie der britische Radstar einst bei seinem legendären Tour-Malheur 2016 am Ventoux zu Fuß unterwegs wären. "Mit Sicherheit. Ich bin mein ganzes Leben gelaufen, ich kann definitiv schnell laufen", sagt der Bayer lachend im "SID"-Gespräch: "Aber jetzt im Radsport bringt mir das nicht mehr viel."
Der 28-Jährige, der ab Montag bei der Tour of the Alps für das Team Bora-hansgrohe sein erstes Rennen als Radprofi bestreitet, wagt einen tollkühnen Quereinstieg: Palzer, der Vizeweltmeister im Skibergsteigen war, der als Bergläufer die brutale Watzmann-Überquerung - 23 Kilometer, 2300 Höhenmeter - in der Rekordzeit von 2:47 Stunden schaffte, misst sich nun auf zwei Reifen mit den Weltbesten. Und gleich beim Debüt auch mit Froome.
"Ich bin mega motiviert. Ich rede nicht von Siegen, um Gottes Willen", sagt Palzer: "Ich will Helferrollen übernehmen und mitfahren."
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Dass Palzer überhaupt mitfahren darf in der Equipe um Rundfahr-Ass Emanuel Buchmann, ist Ralph Denks Vorliebe für den Blick über den Tellerrand zu verdanken. Der Bora-Teamchef hatte 2017 einen "ARD"-Bericht über Palzers Sieg beim chinesischen Skibergsteig-Weltcup verfolgt, per Social Media gratuliert und Palzer zum Trainingslager eingeladen - was dem Gipfelstürmer aber entging.

Bora-Chef Denk über Toni Palzer: "Wir sehen viel Potenzial"

Wenig später freundete sich Palzer, der sich im Sommer ohnehin radelnd für den Winter fitmachte, mit Bora-Profi Lukas Pöstlberger an. "Pösti" wurde Tonis Trainingspartner, vermittelte den Kontakt zu seinem Coach Helmut Dollinger. "Ich war auf der Suche nach Veränderungen", sagt Palzer: "Skibergsteigen war immer mehr Beruf, immer weniger Leidenschaft."
Dollinger musste die Zusammenarbeit vom Boss absegnen lassen, die Palzer-Personalie landete wieder auf Denks Schreibtisch - und nach einem überzeugenden Trainingslager hat der Ex-Extremläufer nun einen Zweijahresvertrag in der Tasche. "Ich will nicht sagen, dass Toni um den Toursieg fahren wird", sagt Denk: "Aber wir sehen viel Potenzial."
Für das Hochgebirge scheint der Kletterkönig mit der Pferdelunge wie geschaffen. "Aus dem Skibergsteigen bringe ich Härte gegen mich selbst mit - das ist ein wahnsinnig hartes Wettkampfformat", sagt Palzer: "Es wird ein bisschen dauern, bis ich meine Power 100-prozentig aufs Rad übertragen kann."

Ex-Skispringer Primoz Roglic als Vorbild?

Dass die rennspezifische Technik auch spät erlernbar ist, hat aber ein anderer Quereinsteiger bewiesen: Primoz Roglic war Junioren-Weltmeister im Skispringen, wurde mit Mitte 20 Radprofi - und zweimaliger Vueltasieger.
An solche Höhen denkt Palzer nicht. Aber schon die Aussicht, am Montag in Brixen mit Buchmann und Kumpel Pöstlberger zu starten, lässt seine Augen leuchten. "Genau das habe ich gesucht", sagt Palzer, der kein kleines Risiko eingeht.
"Ich habe im Skibergsteigen viel aufgebaut, extrem gute Sponsoren und eine staatliche Förderstelle gehabt, meine berufliche Zukunft absichern können. Ich habe viel aufgegeben für einen Lebenstraum", sagt er, "aber ich möchte mir nicht in zehn Jahren vorwerfen: 'Hey, Toni, hättest du das doch probiert.' Wenn man fleißig und mutig ist, dann kann man alles schaffen."

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(SID)

Vom Skibergsteiger zum Bora-Profi: Palzers Projekt "Toni goes Radsport"

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