"Ich habe eine Situation wie gestern in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt", sagte Unzué am Sonntag mit Blick auf den Ausstieg des am Samstagmorgen noch Gesamtdritten Kolumbianers, der auf der 20. Etappe den Kontakt zu seinen Kontrahenten verlor, seinen Podestplatz einbüßte und dann frustriert vom Rad stieg.
"Aber sie sind eben Menschen, und er konnte das entstandene Problem nicht mehr lösen, weil er das Loch zu seinen Rivalen nicht schließen konnte. Die haben die Lücke genutzt, vor allem Bahrain, und das hat Frustration in ihm hervorgerufen, mit der er nicht umgehen konnte. Er hätte sich sagen können, 'Okay, da sind jetzt drei weg, aber ich kann immer noch um Platz sechs oder sieben kämpfen'. Aber er konnte mit der Frustration nicht umgehen und hat dann einen Punkt erreicht, wo sein Kopf abschaltete und er nicht mehr weiterfahren konnte", so der Teamchef, der das aber auch scharf kritisierte: "Ein solches Verhalten kann nicht gerechtfertigt werden."
Mit diesem Gedanke blickte der Teamchef vor allem auf López' Teamkollegen. "Sie haben drei Wochen gearbeitet, um ihn und Enric vorne zu halten. Aber es stimmt, dass er sich abends beim Team entschuldigt hat. Es war ihm bewusst, dass er sich nicht korrekt verhalten hat", erklärte Unzué.
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"Ich denke, große Fehler haben auch einen Nutzen, nämlich dass sie passieren, damit sie nicht nochmal passieren. Es macht mich aber sehr traurig, dass Miguel Ángel dem großartigen Bild, das er bei dieser Vuelta abgegeben hat, so Schaden zugefügt hat", so Unzué weiter.
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Unzué lässt López Zukunft offen

Bei alledem ging Unzué aber nicht darauf ein, dass López' Trainer Acevedo am Samstagabend erklärt hatte, dass vor allem das Verhalten des Teamchefs gegenüber dem Athleten für dessen Stillstand gesorgt habe. Unzué soll López angebrüllt haben, dass der nicht nachführen solle. Davon war in der Pressemitteilung des Movistar-Teams, in der López reumütig zitiert wurde, natürlich keine Rede.
Doch die Zitate des Kolumbianers in der Mannschafts-Mitteilung sollten nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Die spanische WorldTour-Mannschaft hat in dieser Saison auch Annemiek van Vleuten schon einmal völlig falsch zitiert, um ein besseres Bild abzugeben. Als die Niederländerin sich abfällig über das Women's WorldTour-Führungstrikot äußerte, stand in der Pressemitteilung des Teams anschließend, sie hätte gesagt, dass es ein großartiger Preis für sie sei.
Dass zwischen López und der Teamleitung am Sonntag alles wieder bereinigt ist, davon ist nicht auszugehen. Darauf deutet auch hin, dass Unzué auf die Frage, wie es mit dem Kolumbianer in seinem Team weitergehe, auswich, anstatt sofort klar zu ihm zu stehen. Entscheidungen würden erst später getroffen, wenn sich die Sache beruhigt habe und man objektiver darauf blicken könne.
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