Vuelta 2023: Sepp Kuss und Jumbo-Visma-Team gelingt historischer Erfolg - ein Vuelta-Sieg zwischen Dominanz und Kritik

Sepp Kuss ist der Sieg bei der Spanien-Rundfahrt nach einem Machtwort im historisch überlegenen Jumbo-Visma-Team kaum noch zu nehmen. Nach den Kontroversen der vergangenen Tagen befolgen die Teamkollegen Jonas Vingegaard und Primoz Roglic den Nichtangriffspakt zugusten von Kuss und rollen auf der vorletzten Etappe Arm in Arm ins Ziel. Wie freiwillig, darüber kann allerdings nur spekuliert werden.

Kuss bedankt sich bei Teamkollegen: "Sie waren unglaublich"

Quelle: Eurosport

"Ich hätte nie gedacht, dass ein solcher Sieg möglich ist. Und dann kann ich ihn auch noch mit zwei Teamkollegen feiern", sagte der US-Amerikaner Kuss, nachdem er am Samstag in Guadarrama das Rote Trikot entscheidend behauptet und den "Sepptember" gekrönt hatte.
Mit 17 Sekunden Vorsprung auf den dänischen Tour-Sieger Vingegaard vor der letzten, traditionell als Ehrenrunde ausgetragenen Etappe nach Madrid, 1:08 Minuten auf Sloweniens Giro-Champion Roglic. Der Spanier Juan Ayuso als bester Nicht-Jumbo-Fahrer hatte fast vier Minuten Rückstand.
Jumbo-Visma schrieb Geschichte: Nie zuvor hatte ein Team alle drei großen Landesrundfahrten eines Kalenderjahres gewonnen, nie im modernen Radsport Platz eins bis drei einer großen Tour belegt. So weit, so historisch. Und so problematisch.
"Eine solche Situation hatte es noch nie gegeben - drei Mann aus derselben Mannschaft in dieser Position", sagte Kuss, "dafür existiert kein Handbuch. Aber wir sind mit den unterschiedlichen Interessen gut umgegangen." Wirklich?
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Highlights: Heißer Kampf um Tagessieg - Jumbo und Kuss souverän

Quelle: Eurosport

Geraint Thomas: "Sepp hat mehr Respekt verdient"

Denn während frühzeitig klar war, dass der Gesamtsieg an Jumbo-Visma gehen würde, wurde in der Vuelta-Schlussphase offensichtlich, dass Kuss nicht einmal stärkster Jumbo-Fahrer war - aber er führte nunmal seit Woche eins. Doch Vingegaard, der das seltene Tour-Vuelta-Siegdouble wollte, und Roglic, der mit Vuelta-Sieg Nummer vier Rekordchampion werden konnte, verfolgten eigene Ambitionen.
Deshalb attackierten beide bei der Angliru-Bergankunft ihren Teamkollegen, fuhren gegen den Mann, der sie bei ihren Grand-Tour-Erfolgen selbstlos unterstützt hatte.
Ein No-Go, befand der frühere Tour-Sieger Geraint Thomas: "Sepp hat mehr Respekt verdient." Der irische Ex-Champion Sean Kelly polterte: "Einfach unfair nach allem, was Sepp für die beiden geleistet hat."
Der deutsche Sportdirektor Grischa Niermann stand vor einem Jumbo-Dilemma: Roglic und Vingegaard Freifahrt erteilen und damit Kuss die Belohnung für jahrelangen Altruismus streichen? Oder die beiden Stars in Kuss' Dienst stellen, sodass eben nicht der stärkste Profi eines der wichtigsten Rennen der Welt gewinnt?

Niermann spricht Machtwort

"Das ist kompliziert. Alle kommen her, um die Vuelta zu gewinnen", sagte Niermann, "aber unser Traum ist, hier Erster, Zweiter, Dritter zu werden."
Damit zwischen den drei Sieganwärtern keine teaminterne Straßenschlacht ausbrach, sprach Niermann nach der Angliru-Etappe ein Machtwort zu Kuss' Gunsten, die beiden anderen fügten sich zähneknirschend.
"Ich fahre für Sepps Sieg. Ihm das Trikot abzunehmen, wäre habgierig", sagte Vingegaard. Roglic verkündete: "Ich habe meine eigene Meinung, aber ich will dafür sorgen, dass er vorne bleibt." Subtext: Wenn wir wollten und dürften, dann könnten wir.
So wirkte am Samstag die vermeintlich einträchtige Triumphfahrt über die Ziellinie einigermaßen toxisch. Immerhin durfte Kuss danach zwei in die Arme nehmen, die sich aufrichtig freuten: Für Freundin Noemi und Knuffelhund Bimba war Sepp der unumstrittene Champion.
(SID)
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Arm in Arm ins Ziel: Jumbo-Stars zelebrieren ihre Dominanz

Quelle: Eurosport

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