Vuelta: Team UAE gewinnt zwar in Serie - aber verliert im Kampf um den Gesamtsieg gegen Jonas Vingegaard einen Trumpf
VonJan Zesewitz
Update 28/08/2025 um 22:57 GMT+2 Uhr
Die Mannschaft UAE tritt zwar ohne Tadej Pogacar bei dieser Vuelta an, das Ziel ist trotzdem der Gesamtsieg. Dafür stellte das Team ein starkes Aufgebot mit den beiden Kapitänen Juan Ayuso und Joao Almeida an den Start. Das Duo sollten den großen Rivalen Jonas Vingegaard mit vereinten Kräften in die Knie zwingen. Doch nach sechs Etappen ist der Plan gescheitert, trotz zweier Siege in Serie.
Solosieg in Andorra: Vine jubelt - Vingegaard gibt Rotes Trikot ab
Quelle: Eurosport
Jay Vine hielt mit dem emotionalen Etappensieg in seiner Wahlheimat Andorra seinen Teil des Plans perfekt ein. Der australische Kletterspezialist war der stärkste einer zehnköpfigen Ausreißergruppe und verlor am Schlussastieg nur wenig Zeit auf die Topfavoriten hinter ihm, zu denen auch Kapitän Almeida gehörte.
Eine gute Nachricht für das Team aus den Emiraten: Vine kann Almeida helfen, der Portugiese wirkte gegen seine größten Kontrahenten auch ohne Zeitgewinn in Form - auch wenn er einer Attacke von Giulio Ciccone zunächst nicht antworten konnte.
Das Problem im UAE-Team aber ist Juan Ayuso. Der Spanier, 2022 als Teenager auf dem Podium der Spanien-Rundfahrt, wurde am Schlussanstieg nach Pal frühzeitig abgehängt und erreichte das Ziel als 62. der Tageswertung mit 7:32 Minuten Rückstand auf ein Dutzend Klassement-Favoriten.
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Aus der "Zange" gegen Vingegaard mit Almeida und Ayuso wird es somit nichts mehr. Weder wirkt der Spanier so stark, dass er im Verlauf des Rennens noch das Zünglein an der Waage werden könnte, noch würde Visma-Lease a Bike einer Attacke des 22-Jährigen als Bedrohung wahrnehmen.
Ayuso ohne Titelambitionen gestartet
Ayusos massiver Zeitverlust auf den letzten sechs Kilometern der Etappe in Andorra werteten viele Experten als eine größere Überraschung - für den Spanier selbst war es das nicht.
"Ich habe schon vor dem Start gesagt, dass mein Ziel nicht das Gesamtklassement sein würde. Das Team bat mich, mich zu testen, um zu sehen, ob ich im Rennverlauf besser werde", erklärte er zahlreichen Reportern kurz nach seiner Zieldurchfahrt nonchalant. "Aus Respekt habe ich es versucht und als ich mich nicht gut fühlte, fiel ich zurück."
Diese Aussage trifft teilweise zu, Ayuso wurde erst nach dem Verzicht von Pogacar auf die Vuelta ins Aufgebot berufen, die Kommunikation seines Teams war aber eine andere. Ayuso startete als Co-Kapitän, nicht als Edelhelfer. Diese Rolle kann er nun bestenfalls aus UAE-Sicht einnehmen, nachdem er nach dem gewonnen Teamzeitfahren am Vortag noch von einer "perfekten Ausgangssituation" gesprochen hatte.
"Ich hatte nicht den Druck der Klassement-Erwartungen über mir hängen, er hing über euch", erklärte der 22-Jährige den Journalisten, die ihn seiner Meinung nach zu einem Favoriten aufgebauscht hatten, der er seiner Meinung nach nie war. Etappensieger Vine sah es aber wohl auch anders: "Dass Juan so viel Zeit verliert, ist nicht, was wir wollten", sagte der Australier.
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Vine nach Solo-Sieg: "Ich kenne die Straßen hier sehr gut"
Quelle: Eurosport
Visma hat alles unter Kontrolle
Die besagte "perfekte Ausgangssituation" hat also wiederum der Rivale Visma inne. Vingegaard konnte zwar keinen Zeitgewinn gegen seine direkten Rivalen verbuchen, aber der erneute Verlust des Roten Trikots spielte der niederländischen Equipe in die Hände: Sie kann nun mindestens morgen einige Kräfte sparen.
Die Stimmung im Team war daher deutlich besser als nach dem "verlorenen" Mannschaftszeitfahren vom Vortag. "Es war ein guter Tag, wir haben den Start gut kontrolliert und keine zu gefährlichen Fahrer in die Gruppe gelassen", sagte Matteo Jorgenson aufgeräumt. "Wir waren sehr zufrieden damit, dass Rote Trikot heute abzugeben."
Auch der Kapitän war mit dem Etappenverlauf sehr zufrieden, auch wenn er sich für eine eher defensive Renntaktik entschied. Als einziger Favorit zögerte er keine Sekunde, um ans Hinterrad des attackierenden Ciccone zu fahren. "Vor der heutigen Etappe hatte UAE zwei Kapitäne und einer davon hat acht Minuten verloren", sagte der Däne. "Das war gut für uns."
Zumal seine Helfer Sepp Kuss und Matteo Jorgenson mit ihm in der zwölfköpfigen Favoritengruppe ankamen, während Almeida dort auf sich gestellt war (zum Ergebnis der 6. Etappe).
Vingegaard ist im Gesamtklassement nun Fünfter, 2:33 Minuten hinter dem neuen Führenden Torstein Traeen, aber vor den anderen Favoriten um den Gesamtsieg. Der Norweger ist ein starker Bergfahrer, ohne eine echte Gefahr für den zweifachen Tour-de-France-Sieger zu sein. Bei Visma dürfte man den neuen Mann in Rot ermutigen, auf der zweiten, noch schwereren Pyrenäenetappe das Trikot zu verteidigen. Vingegaard hat es mit der Gesamtführung nicht eilig - und einen Fahrer weniger, um den er sich Gedanken machen muss.
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Quelle: Eurosport
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