Seixas hat Blut geleckt: Das "Jahrhunderttalent" will es bei Lüttich-Bastogne-Lüttich mit Tadej Pogacar aufnehmen

Mit dem Sieg beim Flèche Wallonne hat Paul Seixas den Status als "Jahrhunderttalent" eindrucksvoll untermauert. Mit nur 19 Jahren trug sich der Franzose als jüngster Sieger beim Ardennen-Klassiker in die Annalen ein - auch, weil sein Team an der berüchtigten Mauer von Huy perfekte Arbeit leistete. Doch Seixas interessieren Rekorde kaum, sein Ziel ist klar: Tadej Pogacar angreifen.

Highlights: Seixas-Show an der Mauer von Huy

Quelle: Eurosport

Seine Jugend war Paul Seixas im Sieger-Interview für einen kurzen Moment dann doch noch anzusehen.
Mit Schirmmütze auf dem Kopf hatte sich der frisch gebackene Sieger des Ardennen-Klassikers Wallonischer Pfeil vor die Kameras gesetzt, die Kopfbedeckung wurde ihm mitten im Interview von einer Betreuerin vom Kopf gezogen - der Anstand gebietet es.
Seixas als anstandslos zu bezeichnen ginge entschieden zu weit, der "Fauxpas" mit der Mütze war eher als Unachtsamkeit zu bewerten. Eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber seinen Gegnern auf dem Rad, könnte man dem Teenager allerdings unterstellen.
"Früher habe ich dieses Rennen im Fernsehen verfolgt und jetzt gewinne ich hier", freute sich der Youngster. Er habe "versucht, so oft wie möglich am Hinterrad anderer zu fahren, um Energie zu sparen. Ich wusste, dass ich an der Mur ganz vorn fahren und das Tempo bestimmen muss. Ich habe ein hohes Tempo angeschlagen und mich ab und zu umgeguckt, um zu sehen, wie es dem Rest geht. Ich sah, dass sie am Limit waren. Ich weiß, dass ich stark bin, wenn es schwierig ist."
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Seixas nach Sieg beim Wallonischen Pfeil: "Unglaublich"

Quelle: Eurosport

Seixas über historischen Sieg: "Das interessiert mich nicht"

Dass er dabei als jüngster Sieger des Rennens Geschichte geschrieben hat, war für den Franzosen dabei eine willkommene Nebensache, der Fokus liegt beim "Jahrhunderttalent" längst auf den kommenden Aufgaben.
"Das interessiert mich nicht, aber ich meine das nicht abwertend", sagte er angesprochen auf den Altersrekord. "Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe: Ich bin der Teamkapitän, und mein Alter spielt dabei keine Rolle. Wenn ich an einem Rennen teilnehme, dann um zu versuchen, es zu gewinnen."

Seixas beeindruckt Experte Chainel: "Was für eine Ausstrahlung"

Die Art und Weise, wie Seixas den berühmten Schlussanstieg mit einer durchschnittlichen Steigung von 14 Prozent angriff, imponierte nicht nur der Konkurrenz, die nicht mehr folgen konnte, sondern auch dem früheren Radprofi Steve Chainel.
"Seine Einstellung, sich schon fast am Fuße der Mauer an die Spitze zu setzen, hat mich beeindruckt", sagte Chainel gegenüber Eurosport und fügte hinzu: "Was für eine Gelassenheit, was für ein Wissen, was für eine Ausstrahlung."
Großen Anteil am Sieg hatten allerdings auch Seixas‘ Kollegen vom Décathlon CMA CGM Team. "Wir hatten einen Plan, mit Léo (Bisiaux) bis zum letzten Kilometer durchzuhalten, mit Jordan (Labrosse) auf den ersten 200 bis 300 Metern der Steigung und Paul (Lapeira), der bis zu den 400 Metern durchhalten sollte", verriet der Sieger auf der anschließenden Pressekonferenz.
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Paul Seixas bei seinem Antritt an der Mauer von Huy beim Wallonischen Pfeil 2026

Fotocredit: Getty Images

Zwar sei "nicht alles nach Plan gelaufen", aber er habe es "geschafft, mich durchzuschlängeln, und Jordan hat seine Aufgabe hervorragend gemeistert. Sie haben 200 Prozent gegeben, um das Beste herauszuholen."
Der Erfolg ist umso erstaunlicher, als dass die Mannschaft rund um Seixas mit ihrem Altersdurchschnitt von unter 23 Jahren am Mittwoch nicht wesentlich älter ist als der Kapitän selbst.

Seixas will es mit Pogacar und Evenepoel aufnehmen

Vielleicht ist es diese jugendliche Leichtigkeit, die der Franzose an den Tag legt, die dazu berechtigt, den Blick nach dem Sieg in Huy bereits auf weitaus ambitioniertere Ziele zu richten.
Am kommenden Sonntag (12:10 Uhr live auf Eurosport, HBO Max und im Liveticker) will Seixas bei Lüttich - Bastogne - Lüttich den Kampf mit dem großen Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) aufnehmen - oder wie Frankreichs größte Sport-Zeitung "L'Équipe" schreibt: "Pogacar hat nun einen Rivalen".
Screenshot: Paul Seixas auf dem Cover der französischen Sport-Zeitung L'Équipe nach seinem Sieg beim Wallonischen Pfeil 2026

Screenshot: Paul Seixas auf dem Cover der französischen Sport-Zeitung L'Équipe nach seinem Sieg beim Wallonischen Pfeil 2026

Fotocredit: Other Agency

Der Slowene fehlte beim Wallonischen Pfeil ebenso wie Remco Evenepoel, Sieger des Amstel Gold Race. Seixas wollte seinen Erfolg an der Mur dennoch nicht kleinreden: "Es gibt nicht nur Pogacar. Manchmal ist es einem gar nicht bewusst, aber das Niveau der World Tour ist sehr, sehr hoch. Vom Sofa aus oder vor dem Fernseher denkt man, dass es einfach ist. Aber nein, für jeden Sieg muss man bis an die Grenzen seiner Kräfte gehen, um ihn zu erringen."
Dass er das Zeug dazu hat, den Slowenen bei dessen Jagd nach dem vierten Titel bei "La Doyenne" zumindest ein wenig zu ärgern, hat er im März bereits bewiesen, als er bei Strade Bianche mit einer Minute Rückstand auf Pogacar Zweiter wurde.

Seixas vor Lüttich - Bastogne - Lüttich: "Ganz anderes Rennen"

Die Herausforderungen beim vierten Monument des Jahres sind allerdings andere als beim Wallonischen Pfeil, allein schon, weil das Rennen noch einmal 60 Kilometer länger ist als der Flèche. Neben Pogacar wird zudem auch Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe) wieder dabei sein, der in Lüttich bereits zweimal triumphierte.
Auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit den beiden Superstars angesprochen, überwog bei Seixas allerdings die Vorfreude: "Ich freue mich wirklich darauf, mich mit diesen Jungs zu messen. Sie gehören zu den Größen des Radsports, sie sind extrem stark - es wird ein ganz anderes Rennen werden."
Eines, in dem Seixas erneut Geschichte schreiben will.
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Quelle: Eurosport


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