Ein bisschen neidisch blickte Florian Wellbrock auf Robert Finke, der neben ihm auf das oberste Treppchen sprang. Der amerikanische Shooting-Star erhielt bei der olympischen Siegerehrung die Medaille, die der deutsche Doppel-Weltmeister im Visier gehabt hatte: Gold. Wellbrock applaudierte und senkte den Kopf.
"Die habe ich direkt nach der Siegerehrung meiner Freundin in die Hand gedrückt", entschuldigte sich der 23-Jährige im "ZDF"-Studio für seinen fehlenden Halsschmuck. Seine Verlobte Sarah Köhler hatte die Medaille im Rucksack - die zweite bronzene, die das Schwimmpaar im Olympia-Becken in Tokio gewonnen hat.
Somit glänzte die Medaillen-Bilanz der deutschen Schwimmer nach zwei Nullnummern in London und Rio wieder, allerdings nicht in der Farbe, die vor allem Wellbrock angestrebt hatte. "Natürlich war irgendwo Gold anvisiert", gab der Magdeburger zu, der nach dem Finale über 1500 m Freistil in einem Zwiespalt der Gefühle steckte.
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"Eigentlich bin ich sehr zufrieden, natürlich ist mir ein Riesenstein vom Herzen gefallen", sagte der 23-Jährige nach seinem dritten Platz über 1500 m Freistil in 14:50,91 Minuten und dem zweiten Edelmetall für die deutschen Schwimmer bei den Sommerspielen in Tokio, "aber es ist ein bisschen ärgerlich, dass ich es hintenraus nicht halten konnte."

Wellbrock verliert Gold - aber gewinnt Bronze: Das Finale über 1500 m

Bei der letzten Wende hatte der Magdeburger noch geführt - wie schon seit der 300-m-Marke. Er hatte seine Konkurrenten im Blick, doch Finke, der schon über 800 m mit grandiosem Endspurt alle überrascht hatte, konnte er nicht wie geplant abhängen. Dass auch noch der Ukrainer Michailo Romantschuk vorbeizog und ihm Silber wegschnappte, überraschte Wellbrock "ein bisschen".
Das Finish von Finke, der erst zum fünften Mal in seiner Karriere unter 15 Minuten blieb, war dagegen keine Überraschung mehr. "Man fühlt sich dann zum Schluss ein bisschen machtlos, wenn man sieht, dass er noch mal richtig explodiert", gab Wellbrock zu, der als Jahresschnellster und Weltmeister als Goldfavorit ins Rennen gegangen war. Seinen deutschen Rekord vom EM-Triumph 2018 verfehlte er um aber fast fünf Sekunden, aber: "An sich möchte ich mich über die Bronzemedaille nicht beschweren."
Dank Wellbrock und seiner Verlobten Sarah Köhler, die ebenfalls Bronze über den "langen Kanten" gewonnen hatte, beendete der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) seine Olympia-Flaute. Es waren die ersten Medaillen im Becken nach den Nullnummern von London und Rio de Janeiro. Doch ansonsten fiel die Bilanz nicht besser als vor fünf Jahren aus: Nur acht Finalteilnahmen standen zu Buche, lediglich vier von Schwimmern, die nicht Wellbrock oder Köhler heißen. In Brasilien waren es sieben gewesen - damals gab es aber die 800 m der Männer und die 1500 m der Frauen noch nicht im olympischen Programm.
Eine Goldchance hat Wellbrock noch: Am kommenden Donnerstag startet er in der Bucht von Tokio als Mitfavorit über zehn Kilometer im Freiwasser.
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(SID)

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