Adelboden: Paco Rassat mischt Weltcup auf - französischer Spätzünder wird zum Goldfavorit für die Olympischen Spiele
Publiziert 12/01/2026 um 14:33 GMT+1 Uhr
Mit dem Triumph beim Slalom in Adelboden hat Paco Rassat sein Ski-Märchen um ein neues Kapitel erweitert. Als Spätzünder mischt der 27-jährige Franzose die Weltcup-Elite auf und zählt als Führender in der Slalomwertung zu den Favoriten auf die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Sein Weg an die Spitze war keineswegs vorgezeichnet - und für Siege hat sich Rassat auch schon mal entschuldigt.
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Quelle: Eurosport
Ohne Spektakel will es bei Paco Rassat nicht über die Bühne gehen.
Selbst Platz vier nach Durchgang eins und ein Rückstand von 0,36 Sekunden hielten den Franzosen nicht davon ab, sich am Sonntag im Slalom von Adelboden zum Sieger zu krönen.
Henrik Kristoffersen, Lucas Pinheiro Braathen, Clément Noël - die großen Namen mussten sich bei der nächsten Show hinter dem 27-jährigen Shootingstar anstellen. Nur eben mit einem etwas kleineren Knall als bei dessen sensationellen Premierensieg in Gurgl vor eineinhalb Monaten.
Drei Rennen vor den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22. Februar live und on-demand bei discovery+) trägt Rassat das Rote Trikot des punktbesten Slalomfahrers. Mit anderen Worten: Das blau-weiß-rote Märchen hätte nicht zu einem besseren Zeitpunkt seinen Anfang nehmen können.
Schüchtern, zurückhaltend - und jetzt im Rampenlicht
"Es ist ein Gefühlschaos, schwer zu beschreiben. Einfach unglaublich", konnte er sein Glück im Interview mit "RMC" nicht in Worte fassen.
Als er in der Entscheidung am Chuenisbärgli mit Laufbestzeit an Braathen vorbeizog, warf er seine Stöcke in den Schnee und brüllte seine gesamte Freude raus. Eine Szene, die man von dem sonst so zurückhaltenden Savoyer gar nicht gewohnt ist.
"Normalerweise bin ich eher introvertiert und schreie nicht so laut", beschrieb er sich selbst. "Aber in einem solchen Moment konnte ich mich einfach nicht zurückhalten." Einen derartigen Wesenswandel durchlebt Rassat auch auf der Piste.
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Highlights: Rassat entreißt Norweger Doppelsieg auf Chuenisbärgli
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Zum vierten Mal in seiner relativ kurzen Weltcup-Karriere ging er am Sonntag in Adelboden an den Start, zum ersten Mal gab es für ihn Punkte beim Klassiker und ganz nebenbei den zweiten Weltcupsieg seiner Laufbahn. Viele erste Male verpackt in einen einzigen Auftritt. Das Markenzeichen von Rassat.
Immerhin lief es bei der Premiere in Gurgl nicht anders ab: Erster Sieg, erstes Podium, erste Top-5-Platzierung. Bitte einmal alles zum Mitnehmen - der Franzose hat viel nachzuholen.
Rassat und das fehlende Selbstvertrauen
Lange Zeit war Rassat nämlich im Hintergrund versteckt. Ein Schema, welches sich durch seine gesamte Karriere zieht.
"Paco hatte immer wieder Momente des Selbstzweifels", gab Slalom-Trainer Kevin Page einen Einblick. "Wir mussten ihn oft daran erinnern, dass gute Leistungen ganz normal und nichts Außergewöhnliches sind." Das fehlende Selbstvertrauen ist auf seinen komplizierten Weg an die Spitze des Ski Alpin zurückzuführen.
Im März 2016 machte er mit Platz drei im Slalom bei den französischen U18-Meisterschaften erstmals auf sich aufmerksam, 2019 folgte Bronze bei der Universiade in Krasnojarsk. Da lag sein Debüt im Europacup (Januar 2018) bereits hinter ihm. Wie im Weltcup sollte er auch eine Kategorie darunter satte zwei Jahre auf seine ersten Zähler auf diesem Niveau warten.
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13 Plätze gutgemacht! Rassat mit Sensationsfahrt zum Slalom-Sieg
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Kurios: Trotz seines Potenzials wurde Rassat nie im nationalen Trainingszentrum in Albertville, wo sich die vielversprechendsten Talente des Landes versammeln, ausgebildet. Er verfeinerte seine Fähigkeiten im regionalen Trainingszentrum in Moutiers.
In der Saison 2021/22 stieg er in den B-Kader auf und zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit zwei Podestplätzen im Europacup-Slalom von Vaujany zurück. Die ersten Ausflüge in den Weltcup waren die logische Folge, bei den französischen Meisterschaften 2023 landete er hinter Noël und Steven Amiez auf Rang drei.
Die vergangene Saison brachte schließlich den Durchbruch. In Gurgl (14.), Alta Badia (14.) und Madonna di Campiglio (12.) sammelte er fleißig Punkte, in Wengen (9.) war er erstmals in den Top 10 vertreten.
Rassat: Der Sieger, der sich entschuldigte
Obwohl ein Sportler einen Großteil seines Lebens auf die Spitzenplätze hinarbeitet, muss man sich an das Siegen erst einmal gewöhnen. Rassat hat in der Hinsicht noch etwas Arbeit vor sich.
"Einmal entschuldigte er sich sogar dafür, gewonnen zu haben ", erinnert sich Riesenslalomfahrer Loevan Parand, ein enger Freund von Rassat.
Auch das Führungstrikot der Disziplinenwertung ist absolutes Neuland für ihn: "Ich habe noch nie geführt, weder in einer der regionalen Rennserien, noch in der FIS-Kategorie oder im Europacup", unterstrich der Shootingstar selbst. Jetzt ist plötzlich alles anders.
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Paco Rassat zählt im Stangenwald zu den besten Skifahrern der Welt
Fotocredit: Getty Images
"Lucas Braathen will Selfies mit mir machen", fasste er sein neues Leben im Rampenlicht zusammen. "Ich mache mir darüber aber keine großen Gedanken. Das Rote Trikot zu tragen ist eine Ehre, aber ich sehe mich immer noch eher als Außenseiter denn als Leader."
Vielmehr lässt Rassat alles auf sich zukommen und will jene Chancen nutzen, die sich ihm bieten. Mit Wengen (18. Januar), Kitzbühel (25. Januar) und Schladming (28. Januar) vor der Brust könnten die Aussichten kaum rosiger sein. Und dann wären da noch die Winterspiele.
Frankreichs Zugpferd für Olympia
Als einziger Athlet, der in der laufenden Saison zwei Slalomrennen gewann, wird Rassat bei den olympischen Wettkämpfen in Bormio als Mitfavorit auf die Goldmedaille gehandelt. Überstürzen möchte das neue Zugpferd der Franzosen aber nichts.
"Es stehen noch drei großartige Rennen auf dem Programm. Erst nach Schladming konzentriere ich mich auf die Olympischen Spiele", erklärte er. "Ich gehe Rennen für Rennen, gebe mein Bestes, und das gesamte Team ist darauf fokussiert, einen erfolgreichen Januar zu erleben."
Bei den Winterspielen bahnt sich ein Gold-Showdown zwischen Frankreich und Norwegen an. In den Top 10 der Slalomwertung belegen beide Nationen sechs Plätze: Rassat (1.), Noël (2.) und Amiez (10.) lassen die Franzosen träumen und stehen Timon Haugan (3.), Atle Lie McGrath (4.) und Henrik Kristoffersen (7.) gegenüber.
Das Momentum liegt zurzeit jedenfalls voll und ganz bei Spätzünder Rassat.
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