Für den Ex-Profi sei der Grundgedanke von Olympia etwas "Einzigartiges". Der 13-fache-Weltcupsieger sagte in einem Interview der "Sportschau": "Die olympische Bewegung bringt Menschen und Kulturen über den Sport zueinander, und alle feiern ein großes Fest."
In der Realität würde es allerdings anders aussehen. "Wehe, es steht jemand für Menschenrechte ein. Das wird vom IOC nicht akzeptiert und sogar bestraft", merkte er an.
Das habe er selbst vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi erfahren: "Ich habe mehrmals den Mund aufgemacht, speziell auch direkt vor den Spielen, weil mir einfach ein paar Dinge überhaupt nicht gepasst haben. Zum Beispiel der Umgang mit den Menschenrechten. Und wenn man etwas anspricht, kommt der Verband auf den Athleten zu, dass man das doch bitte unterlassen solle. Aber ich lasse mir nicht den Mund verbieten."
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Neureuther, der 2019 seine Karriere beendete, fügte hinzu: "Ich wäre auch die Konsequenz eingegangen, dass ich von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werde. Das wäre mir völlig wurscht gewesen."

Neureuther kritisiert Olympia-Vergabe nach Peking

Die Olympischen Winterspiele 2022 finden in Peking statt und stehen aufgrund der schweren Menschenrechtsverletzungen in China bereits in der Kritik. Laut Neureuther sei die Vergabe an Peking das "i-Tüpfelchen in der Entwicklung" der Winterspiele nach Sotschi und Pyeongchang.
Er habe zwar generell nichts gegen eine Austragung in Peking, "aber dann muss das IOC klare Ziele formulieren, um etwas zu verändern. Aber die Situation wird einfach akzeptiert, wie sie ist", kritisierte Neureuther.
Der ehemalige Skistar lieferte auch eine mögliche Erklärung dafür, warum die Spiele zuletzt immer wieder an autoritär geführte Staaten wie Russland und China vergeben werden: "Das Protokoll des IOC für die Vergabe von Olympischen Spielen umfasst viele verschiedene Punkte, die eigentlich nur noch totalitäre Staaten erfüllen können, und eben nicht die Länder, in die der Sport eigentlich auch hingehört."

Neureuther: Es bräuchte einen riesengroßen Knall

Laut Neureuther müsse das eigentliche Ziel sein, nachhaltige Spiele zu schaffen ohne Milliarden von Euro abzugeben.
"Dieser Gigantismus rund um die Spiele ist nicht mehr up to date." Auch wenn man sich anschauen würde, wie die Jugend tickt: "Die wollen etwas verändern, die machen den Mund auf und sitzen nicht nur zu Hause und akzeptieren die Dinge. Doch das ist dem IOC vollkommen egal. Da wird nur geschaut, größer, schneller, höher, weiter, immer mehr, mehr, mehr. Wir müssen doch mal langsam mal wieder zurück zu den Ursprüngen", so Neureuther.
Die beschriebenen Entwicklungen hätten auch Auswirkungen auf die Akzeptanz der Spiele bei den Zuschauern: "Die Leute können sich mit der olympischen Bewegung nicht mehr identifizieren. Das ist doch die Quittung, die das IOC schon seit Langem bekommt."
Dass sich trotzdem nichts verändern würde, gehe ihm einfach nicht in den Kopf. Man müsse "zurück zu den Wurzeln" mit der Bewegung und sich an die Werte von Olympia erinnern und "nicht an die Werte des Geldbeutels."
Mit den jetzigen Strukturen sei es allerdings extrem schwierig etwas zu verändern. Sein Fazit lautete: "Eigentlich bräuchte es einen riesengroßen Knall, dass niemand mehr die Spiele austragen möchte und über zehn bis 20 Jahre nichts stattfindet, damit das ganze System überarbeitet werden kann."

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