Katharina Liensberger hat ihr Lächeln wiedergefunden: Österreicherin erklärt exklusiv ihre neue mentale Stärke

Katharina Liensberger hat nach zwei Jahren der sportlichen Tiefen ihr Lächeln wiedergefunden. Die Österreicherin fuhr beim Weltcup-Auftakt im finnischen Levi ihren ersten Podestplatz seit zwölf Monaten ein, in Gurgl war sie abermals im Kampf ums Podium vertreten. Im exklusiven Interview mit Eurosport erklärte Liensberger nun ihren erneuten Aufschwung - und den Ursprung ihrer mentalen Stärke.

Liensberger exklusiv: "Versucht, andere Reize zu setzen"

Quelle: Eurosport

Ein Podestplatz scheint in der Karriere von Katharina Liensberger auf den ersten Blick wahrlich nichts Besonderes zu sein.
16-mal stand die Vorarlbergerin im Weltcup bereits auf dem Podium, davon dreimal sogar auf dem obersten Treppchen. Die kleine Kristallkugel in der Saison 2020/21 war für die damals 23-Jährige die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.
Drei Jahre später sieht die Welt ganz anders aus. "Wenn ich zurückblicke, sind mir in meiner Karriere viele Dinge extrem leicht von der Hand gegangen, es ging immer bergauf", erklärte Liensberger im exklusiven Interview mit Eurosport. "Der Rückschritt aber... Das waren die harten Tage, die ich nicht gerne in meiner Erinnerung behalte."
Damit bezieht sich die ÖSV-Athletin auf ihre sportliche Talfahrt der vergangenen beiden Jahre. Diese Leidenszeit nagte sehr an Liensberger - und liegt nach Platz zwei in Levi und Rang sieben in Gurgl nun wohl hinter ihr.

Liensberger: "Plötzlich ging alles wieder leicht"

Diese Zäsur nach ihrem kometenhaften Aufstieg im Weltcup kam für Liensberger auch durch die Umstände in ihrem direkten Umfeld zustande. "Ich hatte eine längere Phase, in der es nicht geklappt hat. Und zwar nicht grundlos", so die 27-Jährige. "Nach meinen Erfolgen hat sich alles umgestellt, auch im Team."
So herrschte in ihrem Team eine hohe Fluktuation, die zwischenzeitliche Zusammenarbeit mit dem italienischen Trainer Livio Magoni, der einst auch die Superstars Tina Maze und Petra Vlhova betreute, scheiterte nach wenigen Monaten.
"Im vergangenen Jahr haben wir uns wieder neu aufgestellt", führte sie aus. "Aber es hat Zeit gebraucht, sich kennenzulernen. Durch das Engagement und die Hingabe meines Teams haben wir es geschafft, erneut Leistung auf allerhöchstem Niveau zu bringen."
Schon beim Saisonstart konnte Liensberger mit ihrem Team die ersten Früchte ihrer Arbeit ernten - Platz zwei hinter Mikaela Shiffrin und vor Lena Dürr. "Es war großartig", schwärmte sie von ihrer Leistung in Levi. "Bei gewissen Schwüngen bekam ich das Gefühl, als würde ich fliegen. Plötzlich ging alles wieder leicht. Das ist wunderschön."
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Die Mentalität macht den Unterschied

Doch Training und Material sind im Ski Alpin nun mal nur die halbe Miete - die Rennen werden nämlich im Kopf entschieden. Und auch dafür hat Liensberger offenbar die richtigen Hebel betätigt.
Abseits der Piste widmet sich die Mannschaftsolympiasiegerin von 2022 ihrer Ausbildung, in St. Gallen studiert sie mittlerweile Sportmanagement. "Ich habe versucht, mich geistig zu fordern und wollte einfach andere Reize setzen", erläuterte sie diesen Schritt. "Mir hilft das, um mich - sobald es darauf ankommt - wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren."
Diese Ablenkung vom Profisport hat Liensberger ebenso zu ihrer neuen mentalen Stärke verholfen, durch die sie ihre Erfolge nun in einem neuen Licht betrachtet.
"Man nimmt es anders wahr", erklärte sie. "Aber gerade diese schwierige Phase hat mich gestärkt und dafür gesorgt, dass ich dort stehe, wo ich jetzt wieder bin. Wenn ich auf dem Podium stehe, weiß ich, wie sich die andere Seite anfühlt."
Trotz ihres jüngsten Aufschwungs will Liensberger zunächst bodenständig sein und sich keine konkreten Ziele setzen. "Ich will mich gut fühlen und das auf den Schnee bringen. Wenn sich meine Schwünge gut anfühlen, dann weiß ich, dass ich Gas geben und an mein Limit gehen kann", so die zweimalige Weltmeisterin. "Schlussendlich kann ich so auch die beste und neue Version von mir selbst sein."
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