Marcel Hirscher steht am Scheideweg: Ski-Superstar hat nach mäßigem Comeback nur drei Wochen Zeit für die Wende
Update 26/11/2024 um 08:19 GMT+1 Uhr
Drei Rennen sind seit dem Weltcup-Comeback von Marcel Hirscher vergangen, so richtig in Fahrt gekommen ist der achtmalige Gesamtweltcupsieger bislang aber nicht. "Wir stehen vor der Stunde Null", fasste der Österreicher seine bisher ernüchternden Leistungen zusammen. Nachdem er sowohl in Levi als auch in Gurgl im ersten Slalom-Durchgang gescheitert ist, steht Hirscher nun am Scheideweg.
Hirscher räumt nach Aus ein: "Mein Buch ist fast leer"
Quelle: Eurosport
An den Anblick der niederländischen Nationalflagge neben dem Namen von Marcel Hirscher dürfte sich der geneigte Beobachter des alpinen Skisports bereits gewöhnt haben. Seine bisherigen Ergebnisse dürften auf den ersten Blick hingegen etwas gewöhnungsbedürftiger daherkommen.
Beim Weltcup-Auftakt in Sölden war Hirscher im Riesenslalom nach fünf Jahren Abstinenz noch fulminant in die Punkte gefahren, in den beiden Slalom-Rennen von Levi und Gurgl ging die einstige Lichtgestalt indes leer aus. Beide Male war im ersten Durchgang Schluss, der Comeback-Hype nahezu verpufft - sogar bei Hirscher selbst.
Wie er im Zielraum von Gurgl in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Krone" erklärte, dachte er bereits an seinen zweiten Rücktritt. "Na ja, kann auch sein. Über das habe ich am Samstag nachgedacht. Aber ich war ja wieder hier", erklärte Hirscher.
Ein Statement, welches die aufsehenerregende Rückkehr des siebenmaligen Weltmeisters in ein neues Licht rückt: Hirscher steht nämlich jetzt schon am Scheideweg.
Hirscher sucht nach der Erfolgsformel
"Die nächsten drei Wochen sind sehr wichtig, weil so bin ich ein bisschen fehl am Platz, das muss man echt sagen", räumte er nach seinem Scheitern in Gurgl beim "ORF" ein. "Es macht nicht wirklich Spaß."
Nach den ersten drei Rennen zieht Hirscher zum ersten Mal die Reißleine, lässt den Weltcup in Beaver Creek (3. bis 8. Dezember live und on-demand bei discovery+) sausen. Damit bleiben dem Österreicher drei Wochen bis zu den Rennen im französischen Val-d’Isère. Zeit, um seine alte Erfolgsformel zu finden. Doch das ist augenscheinlich alles andere als einfach.
"Man darf nicht vergessen: Mein Buch an Erinnerungen oder Trainings, aus denen ich Feedback rausziehe, ist fast leer", erklärte er im Interview bei Eurosport. "Früher habe ich eine ganze Bibel gehabt, die vollgeschrieben war. Das ist eben der Nachteil, wenn man fünf Jahre nicht dabei war."
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Hirscher kämpft "wie ein Löwe" - aber rutscht weg und scheidet aus
Quelle: Eurosport
Hirscher: Es schlägt die Stunde Null
Mit Henrik Kristoffersen als Markenkollege - und in gewisser Hinsicht auch als Markenkunde - liegt die Lösung zu Hirschers Problem vermeintlich nicht allzu weit entfernt. Doch der Schein trügt.
Kristoffersen bestreitet bereits seine dritte Saison mit dem Van-Deer-Material, hat sein Team gefunden und baut auf individuelle Erfahrungen auf, die Hirscher nicht unbedingt weiterhelfen. Darüber hinaus herrscht auch zwischen den beiden eine gesunde Konkurrenz. Informationsaustausch steht daher nicht unbedingt auf der Tagesordnung.
"In Neuseeland war die Stunde Null und bis jetzt gab es zwar einige Trainingstage - aber das Büchlein ist nicht annähernd gefüllt", so Hirscher in der "ORF"-Sendung "Sport am Sonntag". "Jetzt gibt es eben auch mal eine gewisse Ungewissheit."
Die Frage nach dem Sinn des Comebacks
Besagte Ungewissheit nagt offensichtlich an Hirscher, der nicht ohne Grund bereits an den abermaligen Rücktritt gedacht hat. Daher darf auch der Sinn seines Comebacks infrage gestellt werden.
"Es fühlt sich fast wie ein Hobby an. Ich kann meiner Leidenschaft nachgehen und das fühlt sich anders an als früher", unterstrich er die positive Seite seiner Rückkehr. Den Weltcup aus einer anderen Perspektive zu erleben und sich - sofern nötig - mal rauszunehmen. Ein Bild, das nicht zu 100 Prozent zu Hirscher passt.
Während seiner erfolgreichen Jahre quetschte Hirscher einst jedes Quäntchen Speed aus seinem Material, war jederzeit auf maximalen Erfolg getrimmt. Dieser Kitzel hat Hirscher wieder auf die eisigen Pisten des Weltcups gebracht. Und den kann er nun mal nicht einfach abstellen.
Dass Hirscher und sein neues Team, das er selbst als "Startup" wahrnimmt, nicht von Beginn an die großen Trefferquoten erzielen, war abzusehen. Doch nach dem zweimaligen Scheitern im ersten Durchgang sind beim einstigen Dominator große Fragezeichen zu erkennen.
Die Trainingswochen bis Val-d’Isère erhalten für ihn daher nun eine ungeheure Bedeutung, in Frankreich werden die Weichen für seine restliche Comeback-Saison gestellt.
Jetzt ist der Tüftler Hirscher gefragt - und dann stellt sich raus, wie viel Hirscher wirklich noch in ihm steckt.
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