Josef Ferstl exklusiv über Junioren-Abfahrtsweltmeister Felix Rösle: "Diesen Mann muss man sich merken"

Deutschland hat einen neuen Weltmeister - zumindest bei den Junioren. Felix Rösle sicherte sich bei den Titelkämpfen der Junioren in Tarvisio die Goldmedaille in der Abfahrt. Damit weckt der 20-Jährige Hoffnungen beim zuletzt oft gescholtenen Deutschen Skiverband (DSV). Eurosport-Experte Josef Ferstl weiß auch, warum: Rösle kann ein ganz Großer werden - wenn alles zusammen passt.

Junioren-Weltmeister in der Abfahrt Felix Rösle

Fotocredit: Instagram

Dass er starke Nerven hat, bewies Felix Rösle trotz widriger Bedingungen: Regenfälle hatten den Rennstart bei der Junioren-WM am Donnerstag immer wieder nach hinten verschoben, auch das Abfahrtstraining am Vortag war bereits ausgefallen. Außerdem wurde das Rennen - für die Abfahrt unüblich - in zwei Läufe aufgeteilt.
Für den 20-Jährigen vom SC Sonthofen aber offenbar kein Problem: Von Rang drei schob er sich im zweiten Durchgang der aufgeteilten Abfahrt mit Laufbestzeit noch auf den ersten Platz vor und jubelte über Gold.
Während der gemeine Ski-Alpin-Fan bislang wohl kaum etwas von dem neuen Junioren-Weltmeister gehört haben dürfte, ist der Erfolg Rösles für Eurosport-Experte Josef Ferstl, der ein Traineramt beim DSV bekleidet, keine Überraschung: "Man muss wissen, dass Felix zum erweiterten Favoritenkreis auf eine Medaille gehört hat. Er war im Sommer mit der Weltcup-Mannschaft in Chile. Da hat er auch schon sehr, sehr gute Ergebnisse erzielt."
Gegenüber Eurosport schätzte der Super-G-Sieger von Kitzbühel 2019 den Erfolg ein. Rösle, 2005er-Jahrgang, sei "ein hochgewachsener Athlet, fast zwei Meter groß. Er hat schon früh gezeigt, dass er Potenzial und Talent hat." In den Speed-Disziplinen bringe er zudem das notwendige "Gefühl" mit. Dennoch habe er sich "alles erarbeiten müssen. Ihm wurde nichts geschenkt. Deshalb ist er völlig verdient Junioren-Weltmeister geworden."

Ferstl über Junioren-Weltmeister Rösle: "Sehr viel Potenzial"

Ob der Allgäuer das Potenzial hat, irgendwann in die Fußstapfen von Thomas Dreßen zu treten, steht trotz des Erfolgs in den Sternen. Der fünffache Weltcup-Sieger und Streif-Bezwinger von 2018 hatte seine Karriere aufgrund anhaltender Verletzungen vor einem Jahr beenden müssen.
Seither klafft in der Speed-Mannschaft des DSV eine große Lücke. Bei der gerade erst vorübergegangenen Weltmeisterschaft in Saalbach war der 18. Platz von Simon Jocher im Super-G das beste Speed-Ergebnis der deutschen Herren.
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Quelle: Eurosport

"Junioren-Weltmeister wird man nicht einfach so. Da muss man schon sehr viel Potenzial mitbringen und extrem viel Können haben. Das hat er gezeigt. Diesen Mann muss man sich merken", so Ferstl über Rösle. Nun gelte es, gemeinsam mit den Teamkollegen "an einem Strang zu ziehen".
In Tarvisio fuhr Simon Widmesser auf einen starken fünften Rang, in Benno Brandis ein weiterer Rennläufer des DSV auf Platz zwölf. Auch die anderen beiden Deutschen hätten laut Ferstl starke Anlagen. Widmesser müsse sich im technischen Bereich noch verbessern, sei aber bereits "sehr schnell. Da kann man auch das ein oder andere erwarten."

Ferstl über DSV-Zukunft: "Richtig cooles Zeichen"

Selbiges gelte für Brandis, der im Slalom in seinem Jahrgang (2006) bereits Weltranglistenerster ist. Dieser habe eine "professionelle Einstellung" und arbeite "sehr akribisch".
Eine Medaille im Slalom bei der Junioren-WM sei für Brandis allerdings nur schwer zu erreichen, erklärte der Eurosport-Experte. "Bei der WM sind Jahrgänge bis 2004 zugelassen. Das bedeutet, dass Benno mit Fahrern konkurrieren muss, die zwei Jahre älter als er sind. Er hätte das Potenzial, aber daher ist es eher unwahrscheinlich, dass er eine Medaille holt."
Insgesamt sieht Ferstl die Entwicklung im DSV allerdings sehr positiv. Die Goldmedaille von Rösle sei ein "richtig cooles Zeichen für die Zukunft. Jetzt heißt es, auf die Jungs zu achten, sie zu entwickeln und nichts zu überstürzen. Dann haben wir wieder ein kräftiges Team für die nächsten Jahre und die Zukunft ist gesichert."
Nach zuletzt schweren Zeiten ein positives Signal für den deutschen Skisport.
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Quelle: Eurosport


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