Lena Dürr spricht im Interview mit Eurosport über ihre Ziele im Olympia-Winter: "Die Vorfreude wird jedes Jahr größer"

Lena Dürr hat in Ihrer bisherigen Karriere große Erfolge vorzuweisen. Deutschlands Technik-Spezialistin feierte zwei Weltcupsiege im Slalom und gewann bei Großereignissen vier Medaillen. Doch die 34-Jährige hat noch eine Menge vor - erst recht in einer Saison mit Olympischen Spielen. Eurosport-Reporter Robert Bauer traf Dürr im Rahmen der DSV-Einkleidung zum exklusiven Interview.

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Quelle: Eurosport

Ob Mikaela Shiffrin, Zrinka Ljutic, Katharina Liensberger oder Camille Rast - die Liste der Konkurrentin für Lena Dürr im Slalom wird immer länger.
"Früher waren die Podestplätze oft fix an die gleichen ein, zwei Kandidatinnen vergeben, dann war eine glückliche Dritte dabei. Heute wird das Feld viel mehr durcheinandergewirbelt", sagt Dürr im Interview mit Eurosport.
Die zweimalige Weltcupsiegerin fühlt sich nach einer guten Vorbereitung aber gerüstet für die Saison mit dem Highlight Olympia in Mailand und Cortina d'Ampezzo.
Bei Eurosport analysiert Dürr die Herausforderung, jedes Jahr aufs Neue bei den Schnellsten dabei zu sein und den schwierigen Spagat zwischen Slalom und Riesenslalom.
Lena Dürr, nach einem starken zehnten Platz in der Vorsaison wurde es beim Weltcupauftakt in Sölden diesmal der 14. Rang. Wie zufrieden sind Sie mit dem Start im Riesenslalom?
Lena Dürr: Ich bin sehr zufrieden. Ich war die Woche davor krank, deshalb hatte ich Angst, dass mir dort oben die Körner ausgehen. Der Riesenslalom am Gletscher ist ja einer der anstrengendsten. Dafür hat es ganz gut funktioniert. Hier und da ist sicher noch ein wenig Luft nach oben - aber 14. zu werden und zu wissen, da geht noch was, ist schon mal ein sehr guter Start.
Wie lief generell die Vorbereitung, an welchen Stellschrauben haben Sie im Sommer konkret gedreht?
Dürr: Das ist nicht nur eine Stellschraube, sondern eine ganze Entwicklung. Wenn man technisch etwas verändert, braucht man auch einen anderen Ski dazu. So haben wir uns durch den Sommer gearbeitet. Die Pause vergeht dann aber immer schneller, als man denkt. Es sind viele Materialtests dabei - wir bekommen neue Ski, probieren etwas Neues am Skischuh aus. Ich würde nicht sagen, dass man die Fahrweise anpassen muss, weil sie sich ohnehin ständig weiterentwickelt. Wir haben versucht, die Position im Wechsel etwas kompakter zu halten und die Ski am Boden zu lassen, um mehr Führung zu haben. Der Ski reagiert dann auch anders, weil man ihn besser unter Kontrolle hat. Es ist ein Zahnrad, das in das andere greift und ich glaube, dass wir da ein paar Schritte nach vorne machen konnten.
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Gewohntes Bild in den letzten Jahren: Lena Dürr (l.) auf dem Podium im Slalom

Fotocredit: Getty Images

Wie sehr fiebern Sie dem Start der Slalom-Saison in Levi entgegen?
Dürr: Sehr! Levi ist einer meiner Lieblingsorte. Es macht immer Spaß, dort zu fahren, und die Atmosphäre ist wirklich besonders. Jedes Jahr hoffen wir aufs Neue, Polarlichter zu sehen. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit dem Ort und freue mich deshalb besonders auf das Rennen. Die Tatsache, dass ich dort schon gute Ergebnisse erzielt habe, gibt mir mehr Sicherheit, als dass es mir Stress machen würde. Deshalb ist die Vorfreude jedes Jahr größer.
Ich habe im Sommer immer wieder Bedenken, ob ich das in die nächste Saison retten kann. Man weiß nie, wie das Gefühl auf Schnee ist und wie sich die Konkurrenz entwickelt.
Sie haben im vergangenen Winter wieder vier Podestplätze eingefahren und sind im Slalom-Weltcup das vierte Jahr in Folge in den Top 5 gelandet. Was ist das Geheimnis, über so einen langen Zeitraum so konstant abzuliefern?
Dürr: Ich habe im Sommer immer wieder Bedenken, ob ich das in die nächste Saison retten kann. Man weiß nie, wie das Gefühl auf Schnee ist und wie sich die Konkurrenz entwickelt. Zu sehen, dass ich jedes Jahr mithalten und vorne mitfahren kann, macht mir unglaublich viel Spaß. Das bedeutet aber auch, immer dranzubleiben und weiterzuarbeiten, denn das Niveau im Slalom wird immer höher. Früher waren die Podestplätze oft fix an die gleichen ein, zwei Kandidatinnen vergeben und dann war eine glückliche Dritte dabei. Heute wird das Feld viel mehr durcheinandergewirbelt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass ich auf einem guten Weg bin.
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Quelle: Eurosport

Bei der WM in Saalbach lief es dagegen nicht ganz so gut. Hat Sie das noch länger beschäftigt oder haben Sie das relativ schnell abgehakt?
Dürr: Den Einzelslalom konnte ich recht schnell abhaken, weil es sportlich gesehen einfach keine gute Leistung war. Ich bin an dem Tag nicht so gut gefahren, wie ich es kann. Bei einem Großereignis hat man dann keine Chance, vorne mitzufahren. Die Teamkombination mit Emma (Aicher; Anm. d. Red.) hat mich dagegen noch etwas länger beschäftigt. Vor allem, weil man eine zweite Athletin ein Stück weit mit reinreißt. Wir hatten nach Emmas Speedlauf eine super Ausgangslage, und mein Slalom war bis dahin eigentlich auf einem guten Weg. Das hat dann etwas länger gedauert. Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele in diesem Winter ist dadurch noch größer - in der Hoffnung, dass wir da das Ruder herumreißen können.
Sie sind in der letzten Saison auch regelmäßig im Riesenslalom am Start gewesen. Inwiefern war das eine Umstellung und werden Sie das in diesem Winter so fortsetzen?
Dürr: Mein Plan ist, wie im letzten Jahr jeden Riesenslalom zu fahren. Ich hatte am Anfang der vergangenen Saison etwas Bedenken, ob ich das vom Pensum her hinbekomme. Es ist schon ein Unterschied, ob man sich nur auf ein Rennen vorbereiten muss, wie ich es in den letzten Saisons gemacht habe oder ein Wochenende mit zwei Wettkämpfen bestreitet. Das hat aber ganz gut funktioniert, daher ist das auch in diesem Winter fest eingeplant. Klar ist, dass man dadurch die Planung etwas anders gestalten muss. Ich bin keine Athletin, die viele Skitage unmittelbar vor dem Rennen haben will, sondern ich schaue, dass maximal Tag zwei oder drei ein Renntag ist. Dementsprechend muss man die Pause so gestalten, dass ich am Sonntag im Slalom vor allem vom Kopf her richtig frisch bin.
Man braucht im Slalom zwei gute Läufe, um wirklich vorne dabei zu sein. Ein Top-Lauf oder ein solider und ein mittelguter reichen nicht.
Sie sind kein Fan von konkreten Zielen, aber wo geht die Reise in dieser Saison hin?
Dürr: Ich hoffe, im Riesenslalom nochmal einen Schritt nach vorne machen zu können. Ich habe jetzt eine bessere Startnummer als im vergangenen Jahr und darf gleich nach den Top 15 starten - das macht auf der Piste sehr viel aus. Dadurch, dass ich den Riesenslalom im Sommer das zweite Jahr in Folge intensiv trainiert habe und nicht wie früher nur nebenbei, habe ich mich weiterentwickelt und fühle mich sicherer. Deshalb hoffe ich, dass ich mit zwei guten Läufen auch platzierungsmäßig noch etwas weiter vorne landen kann.
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Lena Dürr beim Riesenslalom in Sölden in action. Am Ende stand ein guter 14. Platz

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Und im Slalom?
Dürr: Da weiß ich, was meine Aufgaben sind - da ist nicht mehr so viel Neues wie im Riesenslalom. Man braucht zwei gute Läufe, um wirklich vorne dabei zu sein. Ein Top-Lauf oder ein solider und ein mittelguter reichen nicht. Das ist im Slalom das große Ziel - da geht es nicht um Platzierungen. Das hat man auch bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking gesehen. Damals hatte ich einen genialen ersten und einen wirklich guten zweiten Lauf, aber es hat trotzdem nicht ganz fürs große Ziel gereicht, weil drei andere einfach schneller waren oder man das Hundertstel-Pech hat. Es ist deshalb schwierig, das an Platzierungen festzumachen. Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: meine Leistung. Zwei gute Läufe abliefern - und was rauskommt, kommt raus.
Ich denke nicht, dass es hilft, gegen irgendjemanden in dem Moment zu schießen - jeder sollte für sich das Bestmögliche herausholen, um die Sicherheit zu erhöhen.
Mit den Olympischen Winterspielen steht ein weiteres Highlights in diesem Winter auf dem Programm. Sie haben nach dem 4. Platz im Slalom in Peking noch eine Rechnung offen. Spornt Sie das zusätzlich an und liegt der Fokus jetzt schon ein Stück weit auf Mailand und Cortina?
Dürr: Es ist medial wahrscheinlich präsenter, als es bei mir im Kopf ist. Ich sage mir immer, dass ich noch viele Rennen vor mir habe, bevor wir im Februar um dieses eine fahren, auf das alle schauen. In meinem Kopf ist es daher noch nicht so präsent. Die Vorfreude ist aber auf jeden Fall da. Ich versuche, mich von Rennen zu Rennen zu hangeln. Momentan denke ich nur an Levi und will gut in die Slalomsaison starten. Wir alle wissen, was im Februar auf uns zukommt, und die Vorfreude ist groß. Aber was genau dabei herauskommt, ist für mich noch sehr weit weg.
Im Vorfeld der Weltcup-Saison gab es nach dem Tod von Matteo Franzoso viele Debatten um die Sicherheit im alpinen Skisport - wie stehen Sie dazu und müssen Ihrer Meinung nach weitere Maßnahmen ergriffen werden?
Dürr: Es ist unglaublich unglücklich, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Ich glaube nicht, dass man das an einer Partei festmachen kann, sondern dass sich jeder, der in unserem Sport unterwegs ist, Gedanken machen muss, wo er selbst noch Stellschrauben findet, um alles noch sicherer zu machen. Ich denke nicht, dass es hilft, gegen irgendjemanden in dem Moment zu schießen - jeder sollte für sich das Bestmögliche herausholen, um die Sicherheit zu erhöhen. Uns allen ist klar, dass wir hier eine Extremsportart betreiben.
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Quelle: Eurosport



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