Marco Odermatt warnt vor FIS-Verbot von Karbon-Schienbeinschonern: "Das wäre für mich ein riesiger Unsinn"
VonJan Zesewitz
Update 13/06/2025 um 20:18 GMT+2 Uhr
Schweiz gegen Österreich heißt es nicht nur im Weltcup-Winter auf den Skipisten - sondern offenbar auch im Sommer bezüglich des FIS-Verbots von Schienbeinschoner-Spezialanfertigungen aus Karbon, auf die vor allem die Schweizer um Marco Odermatt zurückgreifen. Die FIS schob den Produkten aufgrund der Sturzgefahr einen Riegel vor, das Verbot wurde vom FIS-Council bestätigt.
Marco Odermatt spricht sich für eine Fortsetzung der speziellen Schienbeinschoner im Weltcup aus
Fotocredit: Getty Images
"Wenn der Council bezüglich der Schienbeinschoner die im Mai getroffene Entscheidung vom FIS-Alpin Komitee absegnen sollte, hätte das für Marco Odermatt, Thomas Tumler und Lenz Hächler verheerende Auswirkungen!", sagte der Swiss-Ski-Riesenslalom-Cheftrainer Helmut Krug im Vorfeld gegenüber dem "Blick".
Odermatt, der Dominator, im Skizirkus, warnte ebenfalls mit scharfen Worten vor dem Verbot: "Falls der internationale Ski-Verband das Tragen dieser Schienbeinschützer tatsächlich verbieten sollte, wäre das für mich und diverse andere Athleten ein riesiger Unsinn (O-Ton auf Schweizerdeutsch: 'ein riesen Seich', Anm. d. Red.). Sofern sich keine alternative Lösung findet, könnte ich in Zukunft sicher nicht mehr alle Rennen fahren."
Für Odermatt und auch für seine Landsleute Thomas Tumler und Nachwuchs-Star Lenz Hächler bieten die Spezialanfertigungen Schutz für die Schienbeinhaut, die aufgrund zahlreicher Stöße und Unebenheiten bei den drei Athleten Entzündungen erlitt.
Die Entzündung sei zeitweise derart heftig gewesen, dass er vor lauter Schmerzen geschrien habe, erklärte Odermatt gegenüber dem "Blick": "Ich habe danach diverse Anpassungen vorgenommen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Aber nichts hat genutzt, bis ich dank eines Inputs von meinem Nidwaldner Kumpel Reto Schmidiger die orthopädischen Schienbeinschützer erhalten habe."
Stärkere Kraftübertragung durch die Schoner
Renndirektor Markus Waldner ist aber genau wie die Funktionäre vom österreichischen Ski-Verband davon überzeugt, dass die mit den Protektoren bekleideten Athleten eine stärkere Kraftübertragung vom Skischuh auf das Schienbein realisieren und dadurch eine schnellere und gleichzeitig gefährliche Rennlinie fahren können.
Eine Bestätigung erfuhren die Vertreter dieser Ansicht durch die zahlreichen Stürze beim Abfahrts-Weltcup in Bormio. Am schlimmsten erwischte es damals Cyprien Sarrazin, der ebenfalls mit den Spezialanfertigungen antrat. Für Tumler kein gewichtiges Argument: "In Bormio sind an derselben Stelle wie Sarrazin mit Josua Mettler und Lars Rösti zwei Schweizer ähnlich übel abgeflogen, obwohl beide keine Schienbein-Protektoren tragen."
Odermatt stichelte sogar noch in Richtung der österreichischen Konkurrenz. "Und deshalb erleben wir jetzt eine Trotzreaktion der Österreicher", sagte er mit Blick auf einige Athleten, die durch die Schoner nicht schneller wurden: "Die meisten ÖSV-Athleten haben die Schienbeinschoner ausprobiert. Weil sie dadurch nicht schneller geworden sind, fordern sie jetzt ein Verbot."
Regel-Schlupfloch tut sich auf
Ein Regel-Schlupfloch dürfte es für den Schweizer Skistar und seine Kollegen aber geben. Denn Ausnahmegenehmigungen sind laut FIS aus medizinischen Gründen möglich. Schoner aus weichem Material wie Gel oder Schaumstoff dürfen weiter verwendet werden, die Höhe der Skischuhzunge darf allerdings nicht überschritten werden.
In der neuen Saison wird es daher vermutlich wie im Vorjahr mit den kritisierten Airbags einige Ausnahmen geben.
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Quelle: Eurosport
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