Nach dem Tod von Matteo Franzoso schlägt Trainerlegende Sepp Brenner Alarm: "90 Prozent der Trainingspisten zu gefährlich"

Sepp Brunner machte sich in den vergangenen 30 Jahren als Erfolgstrainer einen Namen im Ski alpin. Der Österreicher formte Sonja Nef, Vincent Kriechmayer, Carlo Janka und Beat Feuz zu Stars. Nach dem Weltcupfinale im April in Sun Valley ging Brunner in den Ruhestand - ohne Entzugserscheinungen. Denn mit den Entwicklungen im Skisport kann er nichts anfangen. Und auch Urs Lehmann ist skeptisch.

Stürze sorgen im Skisport immer wieder für Diskussionen

Fotocredit: Getty Images

"Wenn ich sehe, in welche Richtung sich der Skisport entwickelt, bin ich froh, dass ich nichts mehr damit zu tun habe", sagte Brunner und spielt dabei auf den Tod von Matteo Franzoso (25) an. Der Italiener war am 15. September nach einem Trainingssturz in La Parva/Chile an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben.
"Ich habe mit meinen Athleten während vieler Jahre in La Parva trainiert. Weil diese Strecke fast ausschließlich von veralteten B-Netzen abgesichert ist, weiß ich, wie gefährlich Speed-Fahrten dort sind", so Brunner.
Der 65-Jährige legt großen Wert auf die Feststellung, dass La Parva keine Ausnahme darstellt: "Auf 90 Prozent der Trainingsstrecken abseits vom Weltcup-Zirkus musste ich als Trainer vor jeder Einheit befürchten, dass etwas Schlimmes passiert. Genau genommen gibt es weltweit nur eine permanente Alpin-Trainingspiste, die den höchsten Sicherheitsvorkehrungen gerecht wird: die Strecke in Copper Mountain."
Die Vorzeige-Trainingsstrecke in den USA ist jedoch nicht vor November befahrbar. Infolgedessen müsste deutlich mehr in die Sicherheit der Sommer-Skigebiete investiert werden.

FIS-CEO warnte seine Tochter vor der Todespiste

Ex-Rennläufer Marco Büchel unterstützt dies. "Es würde der FIS gut zu Gesicht stehen, wenn sie einen Fonds einrichten würde, bei dem sich Skigebiete und Verbände melden können, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zu finanzieren", sagte der Liechtensteiner.
Der neue CEO des internationalen Skiverbandes, Urs Lehmann, findet Büchels Idee prinzipiell gut. "Aber wenn man zwei Dutzend Trainingsstrecken im Weltcup-Standard absichert, werden die Kosten einen Millionenbetrag beinhalten. Deshalb müsste man sicher darüber diskutieren, wer sich alles an den Kosten beteiligen muss", so Lehmann.
Vor ein paar Wochen konnte Lehmann mit eigenen Augen sehen, wie groß die Mängel auf der Piste sind, die Franzoso zum Verhängnis wurde. "Meine 21-jährige Tochter Nina, die FIS- und Europacup-Rennen bestreitet, wollte ebenfalls in La Parva trainieren. Letztendlich haben wir uns aber darauf geeinigt, dass diese mäßig abgesicherte Piste für eine junge, eher unerfahrene Athletin nicht die richtige ist."
Derweil setzt Brunner große Hoffnungen in Lehmann: "Ich traue Urs zu, dass er mit seinem riesigen Know-how als FIS-CEO an den richtigen Stellen den Hebel ansetzen wird."
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Hirscher wieder auf Skiern - aber "noch ein langer, langer Weg"

Quelle: Eurosport


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