Olympia: Deutsche Alpin-Männer profitieren bei Startplatzvergabe - DSV-Boss Wolfgang Maier übt Kritik am System

Der Qualifikationsraum für die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina ist zu Ende gegangen. Stand jetzt sieht es für den Deutschen Skiverband (DSV) äußerst mager aus: Während den deutschen Damen laut einer Auflistung des Internationalen Skiverbandes (FIS) sechs Quotenplätze zugesprochen wurden, sind es bei den Männern nur drei - wie Brasilien. Trotzdem dürfen fünf Herren starten. Die Gründe.

Aicher blickt auf Olympia: Das wäre mein größter Wunsch ...

Quelle: Eurosport

Sowohl bei den Herren als auch bei den Damen gibt es 153 Startplätze bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22. Februar live und on-demand bei HBO Max) zu vergeben. Pro Geschlecht werden maximal elf Athletinnen und Athleten je Nation zugelassen, je Disziplin gehen maximal vier Profis an den Start.
Vorneweg: Die Tickets gingen nicht an die 153 punktbesten Skifahrer der Saison. Vielmehr steckt hinter der Qualifikation ein komplexes Ranglistensystem, das darauf abzielt, möglichst vielen verschiedenen Nationen einen Platz zu gewähren.
So kommt es zur skurrilen Situation, dass die Schweiz (11 Männer + 11 Frauen), Österreich (10+11) und Italien (10+11) mit der vollen Kapelle bei den Winterspielen aufschlagen, Deutschland (3+6) sich bei den Herren jedoch auf einem Niveau mit Brasilien, angeführt von Superstar Pinheiro Braathen, bewegt (3+1). Dies sind die kalkulierten Quotenplätze, die im Anschluss von den Verbänden bestätigt werden müssen - also noch nicht die finale Verteilung.
Wir werfen einen Blick auf das Quotensystem und erklären, wie die deutschen Startplätze zustande kommen.

Olympia-Qualifikation: So funktioniert es

Bevor ein Athlet für einen Quotenplatz infrage kommt, muss er einige Mindestanforderungen erfüllt haben. So müssen alle möglichen Teilnehmer vor dem 1. Januar 2010 geboren sein, die geltenden medizinischen Bestimmungen (z.B. Anti-Doping) erfüllen sowie bis vergangenen Sonntag FIS-Punkte gesammelt haben.
Sind diese Anforderungen erfüllt, bekommt automatisch jede Nation einen fixen Startplatz bei Olympia - und zwar auch exotische Athleten aus Guinea-Bissau, Haiti oder Saudi-Arabien, die normalerweise nichts mit der Elite im Ski Alpin zu tun haben.
Maximal zwei weitere Quotenplätze hängen mit den Top 30 der Weltcup-Startliste zusammen, die auch Leistungen aus der vergangenen Saison miteinbezieht.
Da Deutschland mit Linus Straßer (Slalom, 12.), Fabian Gratz (Riesenslalom, 19.), Anton Grammel (Riesenslalom, 25.), Alexander Schmid (Riesenslalom, 26.) und Simon Jocher (Super-G, 28.) gleich mehrmals darin vertreten ist, erhielt der DSV über diesen Weg zwei Quotenplätze.
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Linus Straßer und Co. haben deutlich weniger Startplätze bei Olympia als die großen Nationen

Fotocredit: Getty Images

Braathen sichert so viele Quotenplätze wie DSV

Auf diese Weise wurden im Ski Alpin knapp 120 Startplätze vergeben. Das restliche Feld wurde mit Athleten aufgefüllt, die in der sogenannten "Allocation List" aufgeführt sind. Für das Ranking qualifizierte man sich mit seinen beiden besten Disziplinen: Marco Odermatt etwa mit der Abfahrt und dem Riesenslalom, Henrik Kristoffersen mit Slalom und Riesenslalom.
Für den DSV gab es auf diesem Pfad kein Ticket. Romed Baumann rangiert in der "Allocation List" auf Platz 50 und damit nur knapp hinter Oscar Andreas Sandvik, der so für Norwegen noch einen Olympia-Platz abstaubte.
Mit Basis-Ticket und den beiden Quotenplätzen über die Startliste kommen die deutschen Athleten also auf drei Tickets – kurioserweise genau wie Brasilien. Alleinunterhalter Lucas Pinheiro Braathen erfüllte nämlich dieselben Voraussetzungen und bescherte dem Heimatland seiner Mutter eine üppige Teilnehmerquote.

Damen nutzen nicht alle Plätze - Männer profitieren

Die deutschen Damen machten es mit insgesamt sechs Quotenplätzen besser. Aber: Der DSV nominierte am Dienstag mit Lena Dürr, Emma Aicher, Kira Weidle-Winkelmann und Jessica Hilzinger nur vier Athletinnen. Und hier liegt der Knackpunkt: Da ein Verband nicht all seine Quotenplätze verwenden muss, können bei Verzicht Athleten aus anderen Nationen nachrutschen - sofern deren Kontingent noch nicht ausgeschöpft wurde.
Genau das ist passiert: Belgien, Niederlande, Norwegen und Neuseeland haben auf einen ihrer Quotenplätze verzichtet, davon profitiert nun der DSV mit einem vierten Startplatz für die Männer. Kurze Zeit später konnte sich Deutschland sogar noch den fünften Platz aufgrund eines Verzichts der Schweden sichern.
Somit tritt- trotz weniger Quotenplätze - in Mailand und Cortina mehr Männer als Frauen aus dem DSV-Team an. Auch die Österreicher bekamen einen weiteren Platz und treten somit mit elf Männern und elf Frauen an.

Kritik an Vergabe von Quotenplätzen

Die Art und Weise dieser Vergabe stößt gerade den Verantwortlichen der großen Verbände sauer auf, nicht nur im Ski Alpin müssen einige der besten Athleten zu Hause bleiben.
"Die Quotenberechnung passt schon seit Jahren nicht, das ist nicht neu. Dass beispielsweise Nationen, die nur einen Fahrer mit Weltcup-Niveau stellen, drei Startplätze bekommen, kann nicht im Sinne des Leistungssports sein", meinte etwa Wolfgang Maier, Sportvorstand des DSV.
"Aber es ist eigentlich auch zwecklos, sich ständig öffentlich darüber zu äußern, da die Entscheidungsträger bei der FIS und beim IOC sind", führte er weiter aus.
In dieselbe Kerbe schlägt auch ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer. "In einer Trainersitzung wurde diese Thematik angesprochen, da haben einige wortwörtlich gesagt, dass diese Vergabe ein 'Riesen-Bullshit' ist", sagte der Kärntner laut "APA".
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Quelle: Eurosport


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