Olympia 2026 - Federica Brignone krönt sich in Cortina zur Olympiasiegerin im Super-G: Selbst als Märchen zu kitschig
VonThomas Gaber
Publiziert 12/02/2026 um 17:23 GMT+1 Uhr
Olympia 2026 haben ihre erste echte Sensation: Zehn Monate nach einem mehrfach gebrochenen Schien- und Wadenbeinkopf sowie eines Kreuzbandrisses holt Federica Brignone die Goldmedaille im Super-G. Die Italienerin schreibt in Cortina ein olympisches Märchen, das niemand für möglich gehalten hätte. Bei schwierigen Bedingungen und einer tückischen Strecke fuhr sie in ihrer eigenen Liga.
"Wirklich bemerkenswert": Lechner analysiert Brignones Gold-Fahrt
Quelle: Eurosport
Ihren ersten großen Sieg bei den olympischen Heimspielen 2026 feierte Federica Brignone bereits am Tag der Eröffnungsfeier. Auf den Schultern von Italiens Curlingstar Amos Mosaner trug sie die Fahne des Gastgebers.
Schon ihre Teilnahme an der Veranstaltung in ihrem Heimatland war vor etwa zehn Monaten undenkbar. Am 4. April 2025 war Brignone bei den italienischen Skimeisterschaften im Riesenslalom mit hoher Geschwindigkeit in einem Richtungstor hängen geblieben und hatte sich dabei einen mehrfachen Bruch des Schien- und Wadenbeinkopfes sowie einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen.
"Ich habe es sofort knacken gehört und wusste, das Bein ist durch. Mein erster Gedanke war: Das war's jetzt mit Olympia", erinnerte sich Brignone Ende letzten Jahres an ihren schweren Sturz, der nicht nur den Olympia-Traum, sondern auch die Fortsetzung ihrer Karriere gefährdete. "Überhaupt hier zu sein, ist ein Wunder", sagte Brignone zu Beginn der Spiele.
Starke Schmerzen im lädierten Bein nach den Trainingsläufen ließen Brignone an einem Start in der Abfahrt zweifeln. Sie biss auf die Zähne - auch um ihre zahlreichen Fans nicht zu enttäuschen. Mit einer halben Sekunde Rückstand auf Bronze belegte sie einen beachtlichen zehnten Rang.
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Große Emotionen: Brignone bekommt ihre Goldmedaille
Quelle: Eurosport
Kein Tag ohne Schmerzen
Es war das dritte Rennen nach dem schweren Unfall für Brignone, die erst Ende Januar am Kronplatz in den Weltcup zurückgekehrt war. Doch jede Fahrt auf Skiern - ob lockeres Training oder Wettkampf - bereitete ihr bisweilen höllische Schmerzen. "Es verging seit meinem Sturz eigentlich kein Tag, an dem mir nichts wehgetan hat", sagte Brignone.
Noch am Dienstag sei infolgedessen ein Training für den olympischen Super-G nicht möglich gewesen. 48 Stunden später krönte sich Brignone mit 35 zur ältesten Olympiasiegerin im alpinen Skisport.
Bei eingeschränkten Sichtverhältnissen auf einem schwierig gesteckten Kurs, dem mit Kira Weidle-Winkelmann und Emma Aicher auch die zwei deutschen Medaillenhoffnungen zum Opfer fielen, war sie eine Klasse für sich.
Brignone befrüchtete das Ende ihrer Karriere
"Es ist unglaublich, es ist verrückt", jubelte Brignone bei Eurosport nach ihrer Goldfahrt. "Ich hätte niemals gedacht, dieses Rennen zu gewinnen. Ich wollte nicht zu perfekt fahren, sondern einfach die Ski laufen lassen. Ich hatte genau im Kopf, was ich auf der Piste zu tun hatte."
Brignone brachte das notwendige Paket aus Lockerheit, Instinkt, Technik und Risikobereitschaft mit Abstand am besten auf die Tofana. Das Comeback war an sich schon eine Sensation, der Triumph selbst für ein Märchen zu kitschig.
"Fede glaubte nach dem Beinbruch: 'Ich werde nie wieder eine Athletin sein können'", verriet Brignones Bruder Davide im "SRF" nach der Goldfahrt. Er habe sie ständig motiviert, es noch einmal zu versuchen.
"Es gab Höhen und Tiefen. Aber wir haben ihr immer geholfen, eher die Höhen zu sehen. Wir wussten nicht, wie es ausgehen würde, aber wenn wir es nicht versucht hätten, wäre es nie passiert", so Davide.
Brignones behandelnder Arzt im Mailand, Dr. Andrea Panzeri hatte eine Teilnahme an Olympia anfangs für ausgeschlossen gehalten. "Es handelt sich um Monate, bis überhaupt wieder an Skifahren zu denken ist. Möglicherweise auch um ein Jahr", sagte Panzeri.
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Brignone: "Ich habe mir wirklich nichts ausgerechnet"
Quelle: Eurosport
Brignone löscht Schmach von der Heim-WM 2021
Täglich plagte sich Brignone in der Reha, die sie teilweise im Trainingszentrum von Juventus Turin absolvierte, für ihren olympischen Traum - ohne zu wissen, ob dieser zu realisieren sei.
"In einer solchen Situation musst du von Tag zu Tag denken und dich jeden Tag entscheiden: Was mache ich morgen? Wie kann ich regenerieren, dass ich am nächsten Tag wieder trainieren kann? Wenn du das in deinen Kopf bekommt, bist du schon einen großen Schritt weiter. Und du akzeptierst, dass du nur kleine - und teilweise sind es verdammt kleine - Schritte gehen kannst", sagte "ORF"-Expertin Nicole Hosp, die in ihrer Karriere drei Olympia- und neun WM-Medaillen gewann.
Die Schufterei hat sich rentiert. Bei der Heim-WM 2021 war Brignone ohne Medaille geblieben, fünf Jahre später landete sie den bisher größten Coup.
Rebensburg: Verletzung war für Brignone ein "Vorteil"
"Für mich ist Fedes Sieg die Geschichte dieser Spiele. Das ist völlig verrückt, zehn Monate nach dieser Verletzung hier zu gewinnen. Alle Athletinnen haben sich für Fede gefreut", sagte Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg, die in Brignones langer Rehaphase auch einen Vorteil sieht. "So verrückt das klingt, aber durch ihre Verletzung hatte sie deutlich weniger Druck, als wenn sie so dominiert hätte wie in der letzten Saison."
Brignone hat im olympischen Super-G das Unmögliche möglich und gleichzeitig vielen Sportlern Mut gemacht, auch nach brutalen Rückschlägen weiterzumachen.
Oder wie es Ex-Rennläuferin Tina Weirather im "SRF" ausdrückte: "Für mich ist Fedes Leistung das größte Wunder, das ich in diesem Sport in den letzten 15 Jahren erlebt habe."
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