Olympia 2026 - Ski alpin: Mikaela Shiffrin nach Gold-Erlösung im Slalom im emotionalen Wechselbad der Gefühle
VonJan Zesewitz
Update 18/02/2026 um 23:22 GMT+1 Uhr
Mikaela Shiffrin hat sich selbst erlöst: Sie gewann die ersehnte Goldmedaille im Olympia-Slalom bei den Winterspielen 2026. Nach den schweren Rückschlägen bei den Rennen in Peking vor vier Jahren und zwei "Nullnummern" in Cortina in Riesenslalom und in Team-Kombination nutzte die erfolgreichste Skifahrerin aller Zeiten ihre letzte Chance. Nach dem Sieg gingen ihre Gedanken zum verstorbenen Vater.
Shiffrin bricht die Stimme: Moment bei Siegerehrung als Gedenken
Quelle: Perform
Etwas mehr als eine Minute lag zwischen der Verlängerung eines olympischen Dramas und der Befreiung davon. Nach ihrem Einfädler am ersten Tor im zweiten Durchgang stand Lena Dürr mit hängendem Kopf in Sichtweite des Starthauses.
Aus diesem ging kurz darauf Shiffrin, um ihre Olympia-Mission zu erfüllen. Das tat sie genau so souverän, wie sie die gesamte Saison im Slalom-Weltcup bestritt. Mit 1,5 Sekunden Vorsprung auf die Schweizerin Camille Rast gewann sie Gold.
"Ich kam zum Skifahren hierhin, ich wollte tanzen", sagte Shiffrin im Gespräch mit der Eurosport-Expertin und Olympiasiegerin Tina Maze. Und wie sie durch die Stangen tanzte. "Das war eine Machtdemonstration", sagte Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg. "Auf diesem kurzen, eher leichten Hang hat sie die Konkurrenz fast deklassiert."
"Ich habe alles, was ich brauche, in mir drin", sagte Shiffrin. "Um das zu realisieren, habe ich viel gearbeitet mit meinem Team und meinem Psychologen, der auch hier ist. Das kann ich im Riesenslalom beispielsweise nicht sagen, kann ich generell nicht immer sagen. Aber heute konnte ich das. Das liegt an der unglaublichen Unterstützung von sehr vielen Leuten, aber heute war es für mich da."
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Highlights Slalom-Drama: Dürr vergibt Medaille - Shiffrin zaubert
Quelle: Eurosport
Shiffrin denkt an verstorbenen Vater
Freud und Leid in unmittelbarer Abfolge - das ist Sport, das sind die Olympischen Spiele. In den Interviews im Ziel mit den beiden Athletinnen war dieses klar verteilte Spektrum der Gefühle längst nicht so klar erkennbar.
Während Dürr im wohl bittersten Moment ihrer Karriere Größe zeigte und sich auf positive Aspekte konzentrierte, schaute auch Shiffrin weit über den Sport hinaus - und beide zeigten damit, dass es im Leben um mehr als Medaillen geht.
- Ski alpin bei Olympia 2026: Alle Ergebnisse und Medaillen in der Übersicht
"Vielleicht kann ich das in zehn Jahren realisieren, ich denke, ich weiß erst seit heute was in Sotchi passiert ist", sagte die US-Amerikanerin im Gespräch mit Maze mit Blick auf ihren ersten Olympiasieg 2014. "Aber es ist auch dieser eine Moment, den man nur für sich hat, bevor das Chaos losbricht. Ich würde das gerne teilen mit meinem Team, mit meiner Familie, mit Aleks, mit meiner Mutter, meinem Vater. Das ist ein bittersüßer Moment, dass man das eben nicht so teilen kann."
Shiffrins Vater Jeff starb im Februar 2020 im Alter von 65 Jahren plötzlich an den Folgen eines Unfalls bei Arbeiten am Haus der Familie in Colorado. Im Ziel konnte die 30-Jährige ihre Mutter in die Arme schließen und wurde dann von ihren Gefühlen übermannt.
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Shiffrin nach ersehntem Slalom-Gold: "Ein bittersüßer Moment"
Quelle: Eurosport
Shiffrin: "Spiritueller, als ich normalerweise bin"
"Das war ein Moment, von dem ich geträumt habe, aber den ich auch gefürchtet habe", sagte Shiffrin auf der Pressekonferenz nach ihrem Sieg. "Alles, was man in seinem Leben tut, nachdem man einen geliebten Menschen verloren hat, ist eine völlig neue Erfahrung. Es ist wie neu geboren zu werden. Ich will mein Leben nicht ohne meinen Vater führen. Heute war vielleicht das erste Mal, dass ich das als eine Realität akzeptieren konnte. Es war insgesamt spiritueller als ich es normalerweise bin. Aber ich bin sehr dankbar dafür."
In Peking zerbrach die US-Amerikanerin am Druck und dem schweren Schicksalsschlag in ihrer Familie. In Cortina zeigte sie, dass sie als Mensch gereift ist. "Ich glaube, dass sie aus der Zeit in Peking vor vier Jahren viel gelernt hat", sagte auch Rebensburg. "Ich freue mich total für sie, sie hat sich das absolut verdient. Sie ist die Dominatorin im Slalom in dieser Saison. Bei Großereignissen wie auch diesem gibt es oft keine Favoritensiege. Man kann nur den Hut davor ziehen, wie cool Mikaela trotz all dem Druck geblieben ist."
Mit 108 Weltcupsiegen und inzwischen drei olympischen Goldmedaillen muss Shiffrin niemandem mehr etwas beweisen. Für sie ging es darum, mit Olympia Frieden zu schließen. Und das mehr als nur aus sportlicher Sicht.
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Augen zu und genießen: Shiffrin saugt auf dem Podium alles in sich auf
Quelle: Eurosport
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