Linus Straßer beim Nightrace in Schladming: DSV-Boss Wolfgang Maier reagiert auf Ärger um unglückliche Kurssetzung

Linus Straßer war auf bestem Wege, zum dritten Mal den Nachtslalom in Schladming zu gewinnen. Nach der Topzeit im ersten Durchgang hatte der 32-Jährige beste Karten. Eigentlich. Den zweiten Lauf aber habe man "im Kollektiv nicht gut gemanagt", wie Wolfgang Maier im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de sagt. Die harsche Kritik am deutschen Kurssetzer Stefan Kogler wies der DSV-Sportvorstand zurück.

Straßer bedient: "Das Schlimme ist, dass mein Coach den Kurs gesetzt hat"

Quelle: Eurosport

Linus Straßer war bedient. In Führung liegend ins Finale gegangen, wies die Zeitmessung im Ziel 0,77 Sekunden Rückstand auf. Platz vier, kein Podium, eine herbe Enttäuschung. "Das Schlimme daran ist, dass mein eigener Trainer den Kurs gesetzt hat", erklärte der Münchner bei Eurosport. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben.
Tatsächlich war der Kurs auf der Planai im zweiten Durchgang - obwohl gesteckt von DSV-Coach Stefan Kogler - Straßers Fahrweise nicht zuträglich. Zu viel Drehung, zu wenig direkte Linie und ein zu niedriges Tempo bereiteten dem Slalom-Spezialisten Probleme.
Und doch werde die Kritik, die umgehend von vielen Seiten auf Kogler einprasselte, der Situation nicht gerecht, führt Wolfgang Maier, Alpin-Boss im Deutschen Skiverband (DSV), im Gespräch mit Eurosport.de aus.
"Zum einen mussten die anderen Fahrer genauso mit dem Kurs klarkommen, zum anderen müssen wir den Blick auch nach innen richten und fragen: Woran lag es, dass Linus die letzte Passage nicht so gut fahren konnte wie die Konkurrenz? Im nächsten Schritt können wir die Arbeit des Kurssetzers bewerten, ohne ihn heftig zu kritisieren, wie das jetzt öffentlich getan wird", so der 64-Jährige.
Man habe sich im DSV-Lager zwar "durchaus über die Kurssetzung gewundert" und sei der "Meinung gewesen, dass für Linus eine direktere und weniger drehende Linie speziell im unteren Bereich des Laufes besser gewesen wäre", gibt Maier zu. Aber: "Ich plädiere dafür, aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema zu blicken." Es sei klar, dass der von Kogler entworfene Kurs aus deutscher Sicht "keine glückliche Lösung" gewesen sei, aber "ich würde sie nicht als Eigentor bezeichnen".

Maier stellt klar: "Rotation" im Team bei der Kurssetzung

Vielmehr sei es wichtig, die Hintergründe beim Ablauf der Kurssetzung zu verstehen. Der DSV lege frühzeitig fest, wer aus der Mannschaft diese Aufgabe übernimmt. "Unsere Maßgabe ist, dass nicht immer dieselben Trainer die Kurssetzung durchführen. Vielmehr wollen wir innerhalb des Teams eine Rotation, dass auch andere Coaches Erfahrungen mit Kurssetzungen bei Weltcuprennen sammeln können", erläutert der Alpin-Chef und meint weiter:


Wir haben uns in Schladming mit Stefan Kogler für einen Trainer entschieden, der bislang wenig Erfahrung mit Kurssetzungen im Weltcup hat, der aber in seiner aktiven Zeit selbst ein Slalom-Fahrer auf Weltcup-Niveau war.
Kogler, 2001 Juniorenweltmeister im Slalom, sei "die Nervosität bei einem so prestigeträchtigen Rennen und einer Kulisse von rund 25.000 Zuschauern anzumerken" gewesen. "Hinzu kamen knifflige Bedingungen im unteren Teil der Piste, die nicht in dem Maße durchgefroren war, wie man sich das gewünscht hätte. Fairerweise muss man erwähnen, dass Timon Haugan und Manuel Feller, die kurz vor Linus gestartet sind, den Kurs gut gemeistert haben", schränkt Maier ein.

Feller stichelt gegen Deutschland: "selbst zuzuschreiben"

Feller persönlich war es in Schladming, der sich einen kleinen Seitenhieb auf das deutsche Team nicht verkneifen konnte. "Das haben sie sich selbst zuzuschreiben. In der Situation mit diesen Bedingungen oben zu stehen und so einen Lauf vorzufinden, ist unglaublich schwierig", befand der Tiroler, der hinter Haugan Zweiter wurde. Er habe nach der Inspektion des Kurses für den Finaldurchgang den Eindruck gewonnen, dass man nicht sehe, "dass ein Deutscher in Führung liegt".
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Spannendes Finale: Straßer fällt zurück - Haugan triumphiert

Quelle: Eurosport

Bedeutet: Der Kurs ging im Vergleich zum ersten Lauf deutlich mehr in die Breite, hatte mehr Drehung - und damit weniger Tempo. Genau das aber hätte sich Straßer gewünscht, um seine Dynamik auszuspielen. "Normalerweise will ich mit den Kräften und der Piste spielen, aber das war heute gar nicht möglich", bemängelte der Schladming-Sieger von 2022 und 2024.
Ein ähnliches Malheur kam Straßer bei den Weltmeisterschaften 2023 in die Quere. Damals ging der Technikspezialist in Courchevel als Vierter ins Finale, das DSV-Coach Bernd Brunner ausgesteckt hatte. Es war eine Kurssetzung, die ebenfalls auf mehr Drehung angelegt war - und Straßer ins Schwitzen brachte.
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DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier

Fotocredit: Getty Images

Der Bayer fiel auf Rang neun zurück, der Medaillentraum war geplatzt. Auffällig: Sowohl in Schladming als auch in Courchevel waren die Fahrer im Finale etwa sechs bis acht Sekunden länger unterwegs, was verdeutlicht, wie sehr von der direkten Linie abgewichen wurde.

Maier: "Forderung nach Entlassung des Trainers komplett unangebracht"

Generell sei es wichtig, nicht nur die Fahrerperspektive zu sehen, sondern "sich in die emotionale Sichtweise des Kurssetzers zu versetzen", sagt Maier einen Tag nach dem Klassiker von Schladming und schob nach:
Harsche Worte in den Medien oder gar die Forderung nach einer Entlassung des Trainers halte ich für komplett unangebracht. Ich kann mich selbst sehr genau in diese Situation hineinversetzen. Gerade wenn dein Läufer nicht klarkommt, von Platz eins auf vier zurückfällt, nimmt dich das emotional besonders mit.
Natürlich werde man "intern Gespräche führen und eruieren, wie man das in Zukunft anders handhaben beziehungsweise besser machen kann. Schließlich kann man die Situation nicht ohne Kommunikation stehen lassen. Noch einmal, wir möchten bewusst Trainer und Trainer-Persönlichkeiten entwickeln. Ich möchte nicht, dass wir uns untereinander aufgrund dieses Ereignisses misstrauen", mahnte Maier.
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Schladming liegt ihm! Straßer haut mit Startnummer eins einen raus

Quelle: Eurosport

Das sei umso wichtiger, da der "Druck im Team hoch ist, weil wir noch kein Podium einfahren konnten. Aufgrund der Bedeutung des Nachtslaloms in Schladming hat sich dieser potenziert. Fakt ist, dass wir die Sache nicht gut gelöst haben. Die Kurssetzung war nicht gelungen. Es wäre nicht vorteilhaft, wenn man sich jetzt in der Mannschaft Vorhaltungen macht oder die Verantwortung einzelnen zuschiebt für etwas, das wir im Kollektiv nicht gut gemanagt haben." Dem Sportvorstand ist es wichtig, den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen - im Erfolg wie im Misserfolg.

Straßer nimmt WM-Medaille ins Visier

Und Straßer? Der habe sich "im Laufe des Abends beruhigt, das war in den späteren Interviews für jeden ersichtlich. Er ist ein besonderer Athlet, sehr reflektiert. Was er in der ersten Emotionalität gesagt hat, kann ich komplett verstehen. Uns ging es auch nicht anders. Wir alle arbeiten täglich für den Erfolg in diesem Sport."
Kleiner Trost für Straßer: Der wichtigste Slalom des Winters kommt erst noch. Bei den alpinen Weltmeisterschaften in Saalbach-Hinterglemm (4. bis 16. Februar live bei Eurosport 1 und im Stream bei discovery+) peilt der 32-Jährige im Slalom seine erste WM-Einzelmedaille an. Aus deutscher Sicht heißt es dann Daumen drücken für eine direkte Kurssetzung.
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Straßer exklusiv: "Habe mich an meinen Plan gehalten"

Quelle: Eurosport


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