16-jährige Italienerin feiert Debüt im Weltcup am Semmering: Giada d'Antonio soll nicht zum zweiten Fall Lara Colturi werden
Publiziert 29/12/2025 um 15:10 GMT+1 Uhr
Beim Weltcup am Semmering wurden auch weiter hinten im Klassement Märchen geschrieben: Das 16-jährige Wunderkind Giada d'Antonio vom Fuße des Vesuvs feierte sein Debüt im Weltcup. Eine gewagte Nominierung des italienischen Wintersportverbandes, der im Slalom eine schier endlose Durststrecke erlebt - und im besten Fall eine Wiederholung des Falls von Lara Colturi unbedingt vermeiden möchte.
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Quelle: Eurosport
Bessere Verhältnisse hätten es beim Debüt im Weltcup schon sein dürfen.
45 Athletinnen - also knapp 57 Prozent des Teilnehmerfeldes - schieden am Sonntag im Weltcup-Slalom am Semmering aus. Sogar große Namen wie Mikaela Shiffrin, Lena Dürr oder Zrinka Ljutic hatten mit dem schwierigen Untergrund auf dem berüchtigten Zauberberg zu kämpfen.
Zu den Pechvögeln des Tages zählte auch eine junge Italienerin, die im Grunde genommen gar kein Pechvogel war: Giada d'Antonio feierte im Alter von 16 Jahren ihr Debüt auf der großen Bühne, trotz ihres Scheiterns nach der zweiten Zwischenzeit strahlte sie über beide Ohren.
"Ein Weltcup-Debüt vergisst man nie. Unabhängig vom Ergebnis bin ich glücklich, hier zu sein", erklärte sie im Interview mit "FISI TV", einem Angebot des italienischen Wintersportverbandes (FISI). Für den azurblauen Jungspund war der vermeintliche Dämpfer die Fortsetzung eines kometenhaften Aufstieges.
Der außergewöhnliche Fall von d'Antonio
Wie sich dieser abspielte? Mitte November bestritt d'Antonio die beiden ersten Slalom-Profirennen ihrer Karriere - und feierte prompt zwei Siege.
Trotz der Startnummern 82 und 63 fuhr sie ihrer bis zu vier Jahre älteren Konkurrenz um die Ohren und katapultierte sich erstmals ins italienische Rampenlicht. Es folgten Ausflüge in den Riesenslalom, wo sie weitere Top-Ergebnisse einfuhr.
Kurz vor dem Weltcup am Semmering dann die Überraschung: Die FISI nominierte den Teenager, der am Fuße des Vesuvs in San Sebastiano lebt, für den Slalom auf dem Zauberberg. Normalerweise werden Talente langsam über FIS- und Europacup-Wettkämpfe langsam an das oberste Niveau gewöhnt, im Falle von d'Antonio eine Ausnahme gemacht.
"Der Fall D’Antonio ist außergewöhnlich, denn das Mädchen verfügt wirklich über sehr viel Talent und Können", erklärte Gianluca Rulfi im Interview mit "Raceskimagazine".
Italien will Colturi 2.0 verhindern
Eine gewichtige Rolle spielte natürlich auch die schier ewige Durstrecke der Italienerinnen im Slalom. Für den letzten Podestplatz sorgte die Südtirolerin Manuela Mölgg im Januar 2011 in Zagreb, der letzte Sieg geht auf Chiara Costazza im Dezember 2007 in Lienz zurück. Die aktuellen Athletinnen sind von der Spitze indes weit entfernt.
"Es stimmt auch, dass Giada niemandem etwas wegnimmt, sie nimmt sozusagen keiner anderen Athletin den Platz weg. Klar ist: Wenn die Mannschaft aus Athletinnen bestand, die regelmäßig vorne mitlaufen, gab es wenig bis gar keinen Platz", unterstrich Rulfi.
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Lara Colturi
Fotocredit: Getty Images
Ebenso zählt zur Wahrheit, dass der italienische Verband mit einem solchen Vorgehen auch eine Wiederholung des Falls von Lara Colturi verhindern möchte.
Die 19-Jährige, die heutzutage für Albanien an den Start geht und einen Podestplatz nach dem anderen einfährt, entschied sich 2022 für einen Verbandswechsel, um den strengen italienischen Strukturen aus dem Weg zu gehen und früh Erfahrungen im Weltcup sammeln zu können.
Ein Vorgehen, das im Stiefelstaat für Empörung sorgte. Ihr kometenhafter Aufstieg gab Colturi jedoch recht.
D'Antonio glücklich über Debüt
D'Antonio durfte nun jedenfalls den bis dato notwendigen Entwicklungsschritt im Europacup überspringen - und könnte darüber nicht stolzer sein.
"Ich habe viele schöne Nachrichten und enorme Unterstützung bekommen. Ich bin glücklich darüber, meine eigene Geschichte zu schreiben", schwärmte sie. "Ich bin dankbar, dass ich diesen Weg beschreiten darf."
Im Starthaus machte die 16-Jährige einen gefassten und konzentrierten Eindruck. "Es war mehr Anspannung, Angst spüre ich keine - einfach weil ich nichts zu verlieren habe. Ich habe schon immer alles reingeworfen, das wird sich jetzt nicht ändern."
Kurz aus dem Konzept gebracht wurde d'Antonio dennoch, geschuldet war dies den zahlreichen Ausfällen. "Auf einmal haben sie das Rennen unterbrochen und ich dachte: 'Was mache ich jetzt?'", erinnerte sie sich an die letzten Momente vor ihrem Start.
Am Ende lief alles - abgesehen vom Resultat - gut. "Dieses Debüt zeigt mir, dass man groß träumen darf und seine Ziele erreichen kann."
Am 3. und 4. Januar stehen in Kranjska Gora die nächsten Technik-Wettbewerbe auf dem Programm (live und on-demand bei discovery+). Ob d'Antonio auch in Slowenien am Start sein wird, hängt von den ausstehenden Nominierungen des italienischen Verbandes ab.
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