Ski-WM: Lena Dürr im exklusiven Eurosport-Interview - "Der Sieg verleiht mir eine noch größere Leichtigkeit"
Lena Dürr reist als heißestes Eisen für Deutschland zur alpinen Ski-WM nach Méribel. Das Aushängeschild des Deutschen Skiverbandes (DSV), das 15 Jahre auf den ersten Weltcupsieg im Slalom warten musste, erklärt im Exklusiv-Interview mit Eurosport, warum man "nie den Glauben verlieren darf". Des Weiteren verrät Dürr, dass ihr der Triumph in Spindlermühle "eine noch größere Leichtigkeit verleiht".
Dürr exklusiv: Erster Weltcupsieg "gibt mir noch mehr Leichtigkeit"
Quelle: Eurosport
Lena Dürr gibt sich im Interview mit Eurosport locker und gelöst. Die 31-Jährige lacht viel und zwischendurch wirkt die reflektierte Ski-Rennläuferin aus Germering bei München für Sekundenbruchteile nachdenklich.
Eineinhalb Wochen vor ihrem Start im WM-Slalom von Méribel (am Samstag, 18. Februar ab 10:00/13:30 Uhr live auf discovery+ und im Liveticker) spricht die 31-Jährige über die Dinge, die ihr wichtig sind. Dürr ist in 15 Jahren Ski-Weltcup auf dem Weg zur Siegläuferin gereift - sie weiß genau, was gut für sie ist und was nicht.Das Interview führte Thomas Janz
Sie haben beim Weltcup in Spindlermühle den ersten Triumph im Spezialslalom gefeiert. Wann haben Sie den Sieg so richtig realisiert und wie haben Sie sich dafür belohnt?Lena Dürr: Ich war mir bei der letzten Zwischenzeit von Mikeala Shiffrin sicher, dass sie mich noch schnappen wird. Sie war gerade mal 15 Hundertstelsekunden hinterher. Im weiteren Verlauf konnte ich gar nicht richtig hinschauen. Das Einzige, was ich als erstes gesehen habe, war das rote Licht. Dann wusste ich, wenn es für Mikaela rot aufleuchtet, heißt das gleichzeitig, ich bin voraus. In diesem Moment sind schon meine Teamkolleginnen hereingestürmt. Es ist unglaublich, wie lange wir dafür gearbeitet haben und dann ging es gefühlt doch sehr schnell. Es war schon überraschend an diesem Tag.
Es ist beeindruckend, wenn eine vermeintliche Einzelsportlerin nach dem größten Erfolg ihrer Karriere ihr Team in den Vordergrund stellt. Welche Leute sind Teil Ihres Teams?
Dürr: Das ist eine große Anzahl. Natürlich alle Leute, die am Hang stehen, die Trainer und mein Servicemann, der meine Skier herrichtet. Meine Teamkolleginnen, ohne die so ein Erfolg nicht möglich wäre, denn wir pushen uns gegenseitig. Und auf dem Weg dahin auch viele andere Menschen. Meine Familie daheim, meine Freunde und alle, die mich auf meinem Weg begleiten wie mein Konditionstrainer am Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen. Da spielt so viel mit rein und es sind nicht nur die Leute, die an dem Tag da waren, sondern sehr viele in meinem Umfeld. Das sind Menschen, die mich schon jahrelang begleiten. Ein Dankesgruß an alle.
Welche Puzzlestücke haben sich in Spindlermühle zusammengefügt?
Dürr: Ja, ich sage immer, Skifahren ist wie ein Puzzle, das stimmt (lacht). Ganz viele. Die Leichtigkeit war einfach da und ich wusste wegen des zweiten Platzes vom Vortag - okay, es funktioniert alles. Auch die Piste war für höhere Startnummern im zweiten Durchgang in einem perfekten Zustand. Ich habe versucht, vor allem in beiden Läufen alles reinzulegen. Bisher hatte ich immer einzelne gute Durchgänge, habe es aber nie in beiden Läufen so runtergebracht. Und dieser Sonntag war dann eben der Tag, an dem beide Durchgänge gut waren. Das hat sich in den letzten Wochen und Monaten aufgebaut. Wir haben nie aufgegeben, immer daran geglaubt und haben gesagt: Der Tag wird kommen. Es ist unglaublich, dass es in Spindlermühle passiert ist.
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Lena Dürr im Eurosport-Interview
Fotocredit: Eurosport
Eurosport-Expertin Tina Maze sagte vor dem Rennwochenende in Spindlermühle: "Jetzt muss Lena nur einmal gewinnen, dann wird der Knoten platzen und es geht alles von selbst." Was sagt Ihr Gefühl?
Dürr: Der Sieg wurde in den letzten beiden Jahren von außen immer mehr erwartet. Ich denke, man muss bei sich und seinen Aufgaben bleiben, das erledigen, was man zu tun hat und Schritt für Schritt weiterarbeiten. Es ist schön, diese Worte von so jemandem wie Tina zu hören. Wie gesagt, es ist immer noch unglaublich, dass es gefühlt doch so schnell passiert ist, obwohl es ein extrem langer Weg war.
Baut der Weltcupsieg jetzt hinsichtlich der Weltmeisterschaft in Méribel und Courchevel noch mehr Druck auf oder ist alles, was jetzt noch in Ihrer Laufbahn hinzukommt, eine Zugabe?
Dürr: Ich glaube eher, es verleiht mir eine noch größere Leichtigkeit. Für mich geht jedes Rennen von vorne los, so auch bei der WM. Es ist ein neuer Hang, neue Bedingungen, ein neues Rennen. Klar nimmt man den Rückenwind mit, aber ich wusste auch schon vor meinem Sieg, dass ich schnelle Läufe fahren kann. Dementsprechend würde ich nicht unbedingt sagen, es ist eine Garantie für etwas Großartiges, aber es gibt natürlich das nötige Selbstvertrauen, aber auch das Wissen jedes Rennen startet von null.
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Killerin Dürr? "Eher fleißige Arbeiterin"
Quelle: Eurosport
Was macht dieser Erfolg jetzt mit Ihnen und was gibt er Ihnen?
Dürr: Ich bin jetzt kein anderer Mensch, bloß weil ich zehn Jahre auf meinen ersten Weltcupsieg im Slalom gewartet habe, nachdem ich auf den Tag genau zehn Jahre zuvor in Moskau mein erstes Rennen gewonnen hatte. Auch das ist eine verrückte Geschichte.
Klar war es ein großes sportliches Ziel, dass ich mir selbst und den Leuten in meinem Umfeld ermöglicht habe, es zusammen zu erreichen. Aber jetzt kommt wieder eine neue Aufgabe. Deswegen genieße ich es, dass ich es geschafft habe. Ich weiß aber auch, es geht weiter.
Ihr Vater Peter war ebenfalls Ski-Rennläufer. Welche Rolle spielt die Familie in Ihrem Leben?
Dürr: Eine riesige Rolle. Ich bin ein totaler Familienmensch. Wir sind alle super gerne zusammen unterwegs, auch wenn dies nicht mehr so oft der Fall ist, weil meine Schwestern, Mama und Papa mittlerweile ganz schön verstreut sind. Es ist selten, dass wir alle zusammentreffen. Aber ich fahre so oft wie es geht in die Heimat, da kann ich meine Energie tanken.
Slalom-Weltmeister Frank Wörndl hat mir erzählt, Ihr Vater war in seiner aktiven Karriere ein "Modellathlet", der neben dem Skifahren noch weitere Sportarten wie Surfen und Tennis auf höchstem Niveau betrieben hat. Auch Sie sind polisportiv aufgestellt - ein Bewegungstalent. Was hat Ihnen Ihr Vater von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben?Dürr: Wir haben viele verschiedene Sportarten gemacht. Ich habe Tennis gespielt, war ein Jahr lang in der Rhythmischen Sportgymnastik. Wir haben alles Mögliche ausprobiert und ich glaube, das ist der Schlüssel als Kind und in der Jugend, sich möglichst breit aufzustellen, viele Sportarten zu betreiben und einfach das zu machen, was einem Spaß macht. Wir sind auch ganz lange einfach nur Ski gefahren und eher weniger mit Toren. Es war lange nicht so extrem und direkt, wie es mittlerweile bei den Kindern der Fall ist, sondern der Spaß war absolut im Vordergrund. Wir haben von unseren Eltern mitbekommen, viel draußen unterwegs zu sein und wir sind ihnen heute noch dankbar, dass sie uns so viel ermöglicht haben.
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"Ein Jahr Rhythmische Sportgymnastik": Dürr plaudert aus dem Nähkästchen
Quelle: Eurosport
Welche Rolle spielt der Sport in Ihrem Leben?Dürr: Im Moment ist der Sport mein Leben. Selten gibt es Tage, an denen ich daran denke, dass es mein Beruf ist. Umso schöner ist es, dass man sagen kann, ich habe das gefunden, wofür ich jeden Tag aufstehe, dafür und davon lebe und dies aber nicht zwingend meinen Beruf nennen muss. Gerade ist es mein Leben und es wird wahrscheinlich immer ein großer Teil meines Lebens bleiben.
Sie sind seit 2008 im Weltcup und haben in Ihrer Karriere bis zum Kaderausschluss alles erlebt. Woraus haben Sie in all den Jahren die Kraft und Energie gezogen, um 15 Jahre später zum ersten Mal ganz oben zu stehen?
Dürr: Die Zeit vergeht schneller als man denkt. Ich weiß noch genau, wie ich meinen ersten Weltcup in Zagreb gefahren bin. Da war ich zusammen mit meiner Schwester unterwegs. Seither ist viel Zeit vergangen, aber es geht dann doch schneller, als man denkt. In den ersten Jahren ging es gleich gut bergauf und zwischendrin war es ein bisschen schwieriger. Am wichtigsten ist, nie den Spaß zu verlieren und immer dranzubleiben. Dann vergehen die Jahre im Flug. Ich bin dabeigeblieben, weil Skifahren ein unglaublich schöner Sport ist, auch wenn viel Fleiß dazugehört.
Wolfgang Maier hat bei der WM gesagt Kira Weidle, Lena Dürr und Linus Straßer seien die "Killer" im DSV-Team. Sie machen stets einen sehr bodenständigen und geerdeten Eindruck. Wie würden Sie den "Killer" in Lena Dürr beschreiben?
Dürr: Ich würde mich jetzt nicht als Killer bezeichnen, sondern als fleißige und ruhige Arbeiterin, die versucht, in den richtigen Momenten aus sich herauszugehen.Sport im Allgemeinen und vor allem der Slalom-Sport spielen sich im Kopf ab. Wie haben Sie es geschafft, Ihre Psyche in den letzten beiden Jahren bis hin zur Siegläuferin zu stärken?
Dürr: Das sind Erfahrungen, die eine Karriere mit sich bringt. Ich habe schon ein paar Erfahrungen in den letzten Jahren machen müssen, die nicht so schön waren, habe aber auch viele positive machen dürfen. Ich glaube, wenn man das zusammenwürfelt zu einem großen Ganzen kommt vielleicht heraus, wie es bei mir gelaufen ist. Man muss abwägen, welche Dinge man sich herausziehen und welche man vielleicht sogar vergessen muss.
Am Samstag, 18. Februar steht der WM-Slalom auf dem Programm. Sie gehen als Topfavoritin an den Start. Wie lautet der Matchplan?
Dürr: Wie immer: Bei sich bleiben, zwei gute Läufe herunterbringen und dann schauen, was herauskommt.
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"Wahnsinn!" Dürr knackt Shiffrin auf dem Weg zum ersten Slalomsieg
Quelle: Eurosport
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