Riesenslalom Sölden: Verrückter Tag für Shooting Star Alice Robinson

Eine erst 17 Jahre alte Neuseeländerin siegt sensationell beim Weltcup-Auftakt der Skirennläufer: Alice Robinson schreckt mit ihrem Coup endgültig das Establishment auf. Die Freude über den Sieg beim Riesenslalom am Rettenbachferner in Sölden wurde nur getrübt von der überraschenden Niederlage der "All Blacks" im Halbfinale der Rugby-WM.

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Nachdem sie die Welt aus den Angeln gehoben hatte, sah Alice Robinson einen Moment lang nicht sehr glücklich aus. "Ich bin schon ziemlich enttäuscht", sagte die 17 Jahre alte Neuseeländerin nach ihrem Sieg beim Weltcup-Auftakt der alpinen Skirennläufer im österreichischen Sölden. Enttäuscht? Ja.
Und es war auch kein Wunder an diesem Tag: Wie wohl alle der rund 4,8 Millionen Einwohner in dem Land am Ende der Welt war auch Robinson traurig darüber, dass die verehrten All Blacks das Halbfinale der Rugby-WM gegen England verloren hatten.

Ein Traum wird wahr

"Aber", versicherte Robinson sogleich mit einem Lächeln, "ich bin trotzdem happy." Alles andere wäre nach ihrem gerade mal elften Weltcup-Rennen auch gelogen gewesen. Als erst dritte Skirennläuferin nach Anneliese Coberger und Claudia Riegler gewann die unbekümmerte Ms. Robinson ein Rennen im Weltcup, es war der insgesamt siebte Sieg für die Kiwis und der erste, seit Riegler 1997 einen Slalom in Laax gewonnen hatte. Wenig überraschend sagte der fassungslose Teenager:
Robinson, geboren in Sydney und als Vierjährige mit den Eltern in die Abenteuersport-Stadt Queenstown auf der Südinsel Neuseelands umgezogen, war in der Tat überwältigt von ihrem Triumph über die ein wenig verblüffte Weltcup-Dominatorin Mikaela Shiffrin (USA) und Ex-Weltmeisterin Tessa Worley (Frankreich).
Ihr Interview im österreichischen Fernsehen musste die junge Siegerin mit tränenerstickter Stimme abbrechen. Nebenan sagte Felix Neureuther bei seiner Premiere als Experte der "ARD": "Des Mädel fährt, des is un-glaub-lich."

Mit Vonn-Trainern zum Erfolg

Erstmals hatte Robinson im Februar und März das Establishment im Weltcup aufgeschreckt. Erst gewann sie bei der Junioren-WM Gold im Riesenslalom - damit durfte sie beim Finale des Weltcups starten. Dort fuhr sie gleich sensationell auf Rang zwei hinter Shiffrin. "Um schnell zu sein", sagt Robinson, "musst du dich auf die Geschwindigkeit einlassen und keine Angst davor haben, was passiert, wenn du stürzt."
Und: Man brauche "guts", also "Eier", wie Oliver Kahn sagen würde. Im Sprech der Skifahrer hieße das: "Die (Robinson) scheißt sich nichts."
Die Ambitionen von Robinson verdeutlicht auch ein Trainerwechsel: Seit Juni wird sie von Chris Knight und Jeff Fergus betreut - beide waren einst Coaches von Lindsey Vonn und Shiffrin. Mit Robinson, stellte die am Samstag auf Rang 13 enttäuschende Viktoria Rebensburg fest, "wird in Zukunft sicher zu rechnen sein". In Zukunft? Die Zukunft ist schon Gegenwart - auch wenn Robinson nach ihrem Sieg erst mal nach Hause flog: "Ich muss", erklärte sie, "noch eine Woche in die Schule gehen." Aber dann.
(SID)
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