Linus Straßer vor Ski-Weltcup-Auftakt in Sölden im Eurosport-Interview: "Da kommt es auch noch zum Happy End"

Linus Straßer ist einer der großen deutschen Hoffnungsträger für die kommende Ski-Saison. Der 31-Jährige gewann im vergangenen Winter die Slalom-Klassiker in Kitzbühel sowie in Schladming und verpasste am Ende nur knapp die kleine Kristallkugel. Vor dem Start der Weltcup-Saison in Sölden sprach der Münchner im Exklusiv-Interview mit Eurosport über Probleme in der Vorbereitung und seine Ziele.

Slalom-Kugel? Straßer exklusiv: "Werde alles in Gang setzen"

Quelle: Eurosport

Es war die Krönung einer bemerkenswerten Saison.
Nach den Triumphen bei den Klassikern in Kitzbühel und Schladming im vergangenen Winter räumte Linus Straßer am Mittwoch auch noch den Titel des deutschen Skisportlers des Jahres ab.
Einzig die kleine Kristallkugel im Slalom blieb dem Routinier knapp verwehrt. Einen neuen Anlauf auf den Gesamtsieg in seiner Paradedisziplin wagt der Münchner in der am Wochenende startendenen Weltcup-Saison.
Der 31-Jährige wird dabei anders als im Vorjahr gleich den Riesenslalom zum Start in Sölden (26./27. Oktober live auf Eurosport 1 und bei discovery+) absolvieren.
"Obwohl ich mich im Riesenslalomtraining momentan schwertue, möchte ich in Sölden die Möglichkeit nutzen, und als 500-Punkte-Fahrer mit der frühen Nummer nach den Dreißig an den Start gehen", kündigte Straßer an.
Im Rahmen der DSV-Einkleidung in Nürnberg sprach er im exklusiven Interview mit Eurosport über seine Rückkehr nach Sölden, Probleme in der Vorbereitung sowie die beiden Rückkehrer Lucas Braathen und Marcel Hirscher.
Herr, Straßer, die neue Weltcup-Saison steht vor der Tür. Sie haben sich zuletzt mit gemischten Gefühlen zur Saisonvorbereitung geäußert. Was lief gut, was lief weniger gut? 
Linus Straßer: Ich bin über den Sommer hinweg von Krankheiten und Verletzungen verschont geblieben, konditionell lief es also sehr gut. Die ganzen Tage auf Schnee verliefen auch verletzungsfrei bis auf ein paar kleinere Wehwehchen. Das inkonstante Wetter war dagegen nicht gerade optimal. In Argentinien war es nicht schlecht, aber auch nie richtig gut. Wir sind viel Ski gefahren, es hat aber ein bisschen die Konstanz an sehr, sehr guten Tagen gefehlt. Hier bei uns im Alpenraum herrschte dann eine Südströmung. Es gab viel Föhn, es war warm - das Wetter schwankte sehr. Du hattest einen guten Tag, am nächsten Tag war es dann wieder schlecht und am übernächsten Tag ging gar nichts mehr. Dann bist du wieder heimgefahren. So war es schwierig, einen Rhythmus aufzubauen.
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Linus Straßer im März 2024 beim Riesenslalom-Weltcup in Aspen

Fotocredit: Getty Images

Sie haben gesagt, dass die Form im Riesenslalom noch nicht ganz da ist. Woran müssen Sie noch konkret arbeiten?
Straßer: Ich merke, dass mir im Riesenslalom die Kilometer und die Zeit auf dem entsprechenden Ski fehlen. Das ist einfach viel zu inkonstant. Ich bin sehr darauf angewiesen, dass die Verhältnisse zu meinem Material und zu dem, wie ich auf dem Ski stehe passen. Ich kann das nicht so gut adaptieren, was beim Skifahren wahnsinnig wichtig ist. Da bin ich oftmals nur Passagier und auch ein Stück weit auf das Glück angewiesen. Das ist nichts, was man innerhalb von zwei Wochen aufholt oder ausmerzt. Meine Einstellung ist nach wie vor, dass der Slalom meine Hauptdisziplin ist, da lege ich meinen vollen Fokus drauf und will um Siege mitfahren. Im Riesenslalom möchte ich ganz befreit auffahren und mitnehmen, was kommt.
Was rechnen Sie sich trotzdem für den Saisonstart in Sölden aus? 
Straßer: Ich habe in Sölden zwar eine relativ gute Nummer und starte direkt nach den ersten 30, aber wenn ich mich für den zweiten Durchgang qualifiziere, wäre das für mich ein Riesenerfolg.
Ich geh nie an etwas ran und sage, dass ich jetzt die kleine Kristallkugel gewinnen will. So funktioniere ich nicht.
Die vergangene Saison war mit Rang zwei im Slalom-Weltcup die wohl beste ihrer Karriere. Der nächste Schritt wäre nun die kleine Kugel. Legen Sie den Fokus in diesem Winter voll auf den Gewinn des Slalom-Weltcups oder ist die WM in Saalbach-Hinterglemm auch schon im Hinterkopf? 
Straßer: Sowohl als auch. Ich geh nie an etwas ran und sage, dass ich jetzt die kleine Kristallkugel gewinnen will. So funktioniere ich nicht. Allerdings will ich Druck ausüben und es keinem zu leicht machen. Leider habe ich es in der vergangenen Saison ein wenig in den ersten Rennen vergeigt, die Punkte haben mir dann hintenraus gegenüber Manu (Manuel Feller; Anm. d. Red.) gefehlt. Der Fokus liegt also gleich mal darauf, besser in die Saison zu starten. Bei der WM will jeder, der am Start steht, eine Medaille - und sonst nichts.
Am Ende der Vorsaison haben sie die Slalom-Kugel nur knapp verpasst. Gibt Ihnen das für diese Saison nochmal Extra-Motivation, um möglicherweise den letzten Schritt zur Kugel zu gehen? 
Straßer: Mir ist schon bewusst, dass man nicht so oft die Chance bekommt, um die kleine Kugel mitzufahren. Eine derartige Situation muss ein Stück weit entstehen. Ich werde aber natürlich alles in Gang setzen, dass ich da wieder hinkomme. Ob es dann klappt, werden wir sehen.
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Linus Straßer

Fotocredit: Getty Images

Sie haben in der vergangenen Saison die Klassiker in Kitzbühel und Schladming gewonnen. Welcher Sieg fehlt noch von Ihrer Bucketlist? 
Straßer: In Adelboden war ich schon oft auf dem Podium, bin einmal Zweiter geworden und auch ansonsten häufig vorne mit dabei. Einmal die ganz große Kuhglocke (Siegertrophäe in Adelboden; Anm. d. Red.) mit nach Hause nehmen, steht auf der Bucketlist. Außerdem der Sieg in Wengen. Ich mag dieses Rennen so gerne, das ist mit einer der besten Hänge. Bislang hatten wir nicht das Vergnügen, aber da kommt es auch noch zum Happy End. Die zwei Klassiker wären noch zu holen.
Mit Marcel Hirscher und Lucas Braathen kehren zwei prominente Gesichter in Ihrer Disziplin in den Weltcup zurück. Was trauen Sie den beiden zu? 
Straßer: Sie können beide gewinnen. Braathen sowieso, der war nur eine Saison weg. Das kann etwas total Positives sein. Dass man sich dessen bewusst wird, was für eine geile Sache das ist, die man da machen darf und was das für ein Privileg ist. Marcel ist wahrscheinlich genauso fit wie zu seiner aktiven Zeit, wenn nicht sogar fitter. Das Skifahren wird er auch nicht verlernt haben und wenn das Material stimmt, was die Grundvoraussetzung ist, dann kann er um Siege mitfahren.
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Highlights: Haugan siegt - auch Straßer freut sich

Quelle: Eurosport


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