Für Thomas Dreßen ging's in Wengen schon vor der traditionsreichen "Lauberhorn"-Abfahrt ganz hoch hinaus. Am trainingsfreien Mittwoch setzte sich der beste deutsche Skirennläufer mit einigen Kollegen in die berühmte Zahnradbahn, durch die Bergriesen Eiger und Mönch ging es aufs Jungfraujoch, wo auf 3454 m die höchste Bahnstation Europas liegt.

Von dort oben schweift der Blick über das Berner Oberland bis in die Vogesen und den Schwarzwald, Kunstfreunde verlustieren sich im "Eispalast", Süßmäuler werden im "Schokoladenhimmel" verwöhnt. Für Dreßen und sein Knie der perfekte Ruheort.

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Das Knie, in dem der 26-Jährige im November 2018 einen "Totalschaden" erlitten hatte, braucht immer wieder Pausen. Nach dem ersten Training auf der mit fast 4,5 km längsten Abfahrt der Welt am Dienstag habe es sich zwar "top" angefühlt, erzählt Dreßen mit leicht belegter Stimme, doch die Probleme können jederzeit wiederkehren.

Dreßen macht der Meniskus Probleme

Dabei ist es nicht das gerissene Kreuzband, das Dreßen zu schaffen macht. "Das Kreuzband ist super", berichtet Cheftrainer Christian Schwaiger, "die Nebenschädigungen sind das größere Problem." Es waren schließlich auch der Meniskus und andere Bänder betroffen. Deshalb sammelt sich in dem Gelenk immer wieder Flüssigkeit an. Schwaiger erklärt:

Wenn ein Sprung richtig weit geht, ein Schlag kommt, oder eine Landung nicht perfekt ist, kann es reagieren.

Deshalb hatte sich Dreßen zum Jahresende schweren Herzens zu einem Verzicht auf die zweite Abfahrt auf der sehr ruppigen "Stelvio" in Bormio durchgerungen, eine mehrtägige Trainingspause folgte.

Dreßen muss seine Belastung steuern

"Man muss die Belastung steuern", sagt Schwaiger, "es macht keinen Sinn, dass man sich total an der Grenze bewegt." Völlig überraschend kommt das nicht, doch Schwaiger gibt zu, dass es "nicht eingeplant war, dass wir so vorsichtig vorgehen müssen". Doch das ist vor den Klassikern in Wengen, Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen gar nicht anders möglich - und zahlt sich aus.

Vor der Anreise in die Schweiz hat Kitzbühel-Sieger Dreßen vier Tage im Sarntal/Südtirol trainiert, "da hat das Knie schon super funktioniert". Und die leichte Erkältung, die ihn schon seit dem Jahreswechsel quält? "Perfekt ist es nicht", sagt Schwaiger, "aber auch nichts Gravierendes."

Thomas Dreßen will in seiner Comeback-Saison weiter hoch hinaus

Fotocredit: Getty Images

Dreßen nimmt sich für Wengen viel vor

Und so freut sich Dreßen "extrem" auf das Rennen am Samstag (12.30 Uhr/Eurosport). Im vergangenen Jahr hatte er in Wengen verletzt gefehlt, bei seiner Abfahrtspremiere vor zwei Jahren war er starker Fünfter. Von den vier vor ihm Platzierten sind diesmal Aksel Lund Svindal (2./Karriereende) und Hannes Reichelt (4./verletzt) nicht am Start. Folgt nach dem sensationellen Comeback-Sieg von Lake Louise und Rang drei in Gröden das nächste Dreßen-Highlight?

Schwaiger traut seinem Vor-Fahrer alles zu, will aber nicht zu viel versprechen. Der Winter stehe für den Mittenwalder nach wie vor unter dem Motto "Comeback-Saison". Und deshalb gelte weiter die Marschroute, er solle "bewusst am Limit" fahren.

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(SID)

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