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Zermatt-Cervinia - Johan Clarey kritisiert Matterhorn-Abfahrt: "Nichts läuft, wie es sollte"
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Publiziert 12/11/2023 um 19:13 GMT+1 Uhr
Zermatt-Cervinia scheint für den Alpinen Ski-Weltcup ein verfluchtes Pflaster zu sein. Sechs Abfahrten waren innerhalb der letzten zwölf Monate am Matterhorn geplant, sechsmal fiel das Spektakel den schlechten Wetterbedingungen zum Opfer. Eurosport-Experte Johan Clarey zeigt sich davon alles andere als überrascht und fordert den internationalen Ski-Verband (FIS) zum Umdenken auf.
Renndirektor erklärt Matterhorn-Absage: "Sicht ist gleich Null"
Quelle: Eurosport
Die Wetterverhältnisse haben sich verändert, das Ergebnis ist dasselbe - Zermatt-Cervinia wartet weiterhin auf sein erstes Weltcup-Rennen. Während die Rennen im vergangenen Jahr noch dem akuten Schneemangel zum Opfer gefallen waren, mussten an diesem Wochenende die beiden Herren-Abfahrten ebenfalls abgesagt werden. Grund diesmal: Wind - und zu viel Schnee.
Eigentlich hätte das grenzenüberschreitende Spektakel mit Start in der Schweiz und Ziel in Italien aufgrund seiner Superlative für Schlagzeilen sorgen sollen. Stattdessen erleben die Veranstalter ein Debakel nach dem anderen. Null aus sechs in zwölf Monaten - das ist zu viel für ein Rennen mit Anspruch auf die Geschichtsbücher.
"War es eine gute Idee, die Abfahrtssaison in Zermatt-Cervinia einzuläuten? Ich habe da meine eigenen Gedanken dazu", erklärte Eurosport-Experte Johan Clarey nach der Absage am Sonntagmorgen. "Wir haben die Grenzen des Rennens gesehen."
Laut dem ehemaligen Abfahrtsspezialisten seien die Probleme mit dem Neuling im Weltcupkalender alles andere als überraschend. "Was an diesem Wochenende passiert ist, war verdammt noch einmal vorhersehbar."
Absagen-Risiko "unweigerlich gegeben"
Zuallererst dürfe ein Rennen eines solchen Formats nicht so früh in der Saison stattfinden, hob Clarey hervor. "Wenn man im November auf über 3000 Meter Höhe ein Rennen organisiert, ist das Risiko einer Absage unweigerlich gegeben", führte der Super-G-Vizeweltmeister von 2019 aus. Das nötige Wetterglück im Skisport sei zu diesem Zeitpunkt im Jahr nur schwer zu finden.
Hans Knauß, ehemaliger ÖSV-Läufer und siebenmaliger Weltcupsieger, pflichtete Clarey bei und sieht für Zermatt-Cervinia auch in Zukunft schwarz. "Ich fürchte, dass der heftige November-Wind in der Matterhorn-Region in Zukunft auch nicht mehr zulassen wird."
Die aktuellen Verhältnisse am Matterhorn erinnern den 52-Jährigen an seine aktive Zeit. "Was in Zermatt passiert, erinnert mich stark an die 90er-Jahre, als die FIS Whistler Mountain zum Austragungsort des Speed-Weltcupauftakts erkoren hat", wird Knauß vom Schweizer "Blick" zitiert. "Wir sind vier Jahre hintereinander nach Kanada geflogen. Weil die Wetterlage in Whistler Mountain um diese Jahreszeit derart instabil ist, haben wir in diesen vier Jahren lediglich zwei Trainingsläufe ins Ziel gebracht."
Wie Knauß weiter ausführte, könnte ein Eingriff im Weltcup-Kalender die goldene Lösung sein. "Im März liegt in Zermatt und Cervinia so viel Schnee, dass man die Piste auch sehr viel attraktiver modellieren könnte", schlug er vor. "Und weil das Wetter in dieser Höhe im Frühling ebenfalls viel stabiler ist, stellt Zermatt-Cervinia für mich den perfekten Standort dar, um das Weltcup-Finale durchführen zu können."
Clarey: "Nichts läuft, wie es sollte"
Das Wetter sei laut Clarey jedoch nicht der einzige Grund, weshalb es am Matterhorn noch nicht zur Weltcup-Premiere gekommen ist. Die Tatsache, dass das Rennen in zwei Ländern stattfindet, erschwere die Organisation ungemein. "Das erschwert die Vorbereitung der Strecke. Die Athleten sind zudem mehr als eine Stunde vom Wettkampfort untergebracht. Das trägt alles zu den Problemen bei", unterstrich Clarey. "Nichts läuft, wie es sollte. Man muss die Dinge beim Namen nennen."
Das größte Problem sei jedoch weiterhin die mangelnde Vorbereitung der Athleten. Immerhin wird von den Abfahrern um Aleksander Aamodt-Kilde und Co. verlangt, im ersten Rennen der Saison zwischen einer Höhe von 3800 Metern und 2865 Metern vier Kilometer Strecke zu bewältigen - bei Spitzengeschwindigkeiten von rund 135 km/h. Die Tatsache, dass die Gletscher in Europa zu diesem Zeitpunkt im Jahr keinen geeigneten Trainingsuntergrund bieten, verhindert eine gezielte Vorbereitung für diese gigantischen Ausmaße.
"Viele Teams hatten dieses Jahr Schwierigkeiten, sich vorzubereiten, weil die Gletscher in Europa zu dieser Zeit unbrauchbar sind", so Clarey. Die Damen um Speed-Königin Sofia Goggia wagen sich am kommenden Wochenende nach Zermatt (15. bis 19. November live bei discovery+). Doch Clarey sieht im ständigen Bangen um eine mögliche Ausrichtung des Rennens keine Zukunft. "Wir werden im Frühjahr darüber nachdenken müssen, das anders anzugehen. Das ist nicht das, was wir für die Zukunft des Skisports tun müssen."
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