Anzug-Skandal bei WM beschäftigt Skisprung-Szene: Polens Ex-Trainer Thomas Thurnbichler fordert Regeländerungen
Update 06/04/2025 um 19:33 GMT+2 Uhr
Der ehemalige polnische Cheftrainer, Thomas Thurnbichler, glaubt nach dem Anzugsskandal rund um die norwegischen Springer bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim nicht an große Systemänderungen. Diese seien seiner Ansicht nach aber dringend nötig. "Ich habe das Gefühl, dass die FIS meint, dass die Leute, die uns da mit reingeritten haben, uns da rausholen können", sagte Thurnbichler bei "sport.de".
Thurnbichler exklusiv zum Skandal: Suspendierungen sind richtig
Quelle: Eurosport
Am wichtigsten sei eine objektive Messbarkeit bei den Kontrollen. "Vieles kann aktuell immer noch subjektiv entschieden werden, aber die Dinge müssen klar messbar werden", so der Österreicher.
Thurnbichler ist überzeugt, dass sich das auch in der Praxis umsetzen lässt. Man müsse durch mehrere Messungen die "Durchschnittswerte von Kniemaß, Oberschenkelmaß, Hüftmaß, Torsomaß" der Athleten ermitteln und "dazu noch die Skilänge, das Skigewicht et cetera" erfassen.
Nach dem Wettkampf brauche es dann nur noch "eine strikte Kontrolle mit einem einfachen Reglement - und am besten von den besten 15. Hast du die besten 15 im Griff, hast du das ganze Feld im Griff."
Aktuell fehle es dafür jedoch an Personal. "Wie soll ein Kontrolleur, der das nicht mal Vollzeit macht, damit Schritt halten? Das ist unmöglich", so Thurnbichler.
Thurnbichler fordert Einsatz von Expertengruppe
Zudem müsse bei den Vorschlägen für das Equipment die nationale Brille abgelegt werden, betonte der Österreicher. Stattdessen brauche es "eine Expertengruppe, vielleicht auch mit ehemaligen Athleten, zumindest aber ein Gremium mit Leuten, die zu 100 Prozent Ahnung vom Material haben."
Andererseits dürften Disqualifikationen wegen des Anzugs oder der Skilänge nicht dramatisiert werden. Diese könnten passieren und würden zum Skispringen dazugehören.
Sportler und Nationen hätten schon lange am Material getüftelt und die Grenzen ausgelotet, sagte Thurnbichler und nannte Sven Hannawald und das österreichische Team als frühe Beispiele.
Thurnbichler: "Skisprungfamile braucht Norwegen"
Was die Norweger gemacht haben, sei aber "nochmal eine Stufe darüber. Das ist zweifellos Betrug und sie sollen eine Strafe bekommen für das, was sie gemacht haben."
Dennoch wünsche er sich nach der Sperre die Rückkehr der norwegischen Mannschaft ins Weltcupgeschehen. "Wir als Skisprungfamilie brauchen Norwegen und die verantwortlichen Personen in der FIS und in den Komitees, müssen schauen, dass sie aus dem Fehler lernen und das System bestmöglich aufstellen", sagte Thurnbichler.
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