Karl Geiger und der Rest der DSV-Adler stießen im Teamhotel Brückenwirt mit einem kleinen Bierchen auf das doch versöhnliche Ende einer schwierigen Vierschanzentournee an. "Mit einem Podium abzuschließen, gibt Selbstvertrauen", sagte der Skiflug-Weltmeister und verabschiedete sich in einen seltenen Ruhetag auf der Hatz durch die Olympia-Saison: "Erstmal richtig ausschlafen. Und dann habe ich wieder Ziele - es geht immer weiter."
Seine erste große Saisonvorgabe hatte Geiger bei der Tournee nicht erreicht: "Das Ziel ist ganz klar etwas anderes gewesen, aber das war ziemlich schnell durch", sagte der 28-Jähriger. Als einer der großen Favoriten und Weltcup-Spitzenreiter war er in seiner Heimat Oberstdorf angetreten, statt des ersehnten ersten deutschen Tourneesieges seit Sven Hannawald 2001/02 wurde es am Ende Gesamtplatz vier - und beim Finale vergab Geiger als Führender nach dem ersten Durchgang den Tageserfolg.
"Der wäre absolut drin gewesen, das ärgert mich voll", sagte Geiger: "Es waren zwar gute Ergebnisse. Ob ich jetzt aber Dritter oder Vierter in der Gesamtwertung bin, spielt für mich keine Rolle."
Olympia - Skispringen
Tourneesieger mit neuen Zielen: Kobayashi greift nach Olympia-Gold
07/01/2022 AM 14:08
Während der Japaner Ryoyu Kobayashi zwar als Fünfter in Bischofshofen seinen historischen zweiten "Grand Slam" verfehlte, aber souverän zum zweiten Mal Tourneesieger wurde, kam erstmals seit 2016/17 kein Deutscher unter die besten drei. Hinter Geiger, dem zweieinhalb Meter zum dritten Podest in Serie fehlten, wurde Markus Eisenbichler Fünfter.

Enger Terminkalender gibt DSV-Adlern Hoffnung

"Das muss man akzeptieren, muss man schlucken. Nächstes Jahr ist wieder Tournee", sagte Eisenbichler. Und auch Bundestrainer Stefan Horngacher meinte: "Wir müssen das so hinnehmen. Der Tagessieg hätte uns aber gut getan."
Immerhin: Chance auf Revanche bietet sich schnell und oft. Schon am Samstag und Sonntag stehen - wieder in Bischofshofen - zwei Weltcupspringen an. Was Geiger daran hindert, schnell zu Frau Franziska und Töchterchen Luisa heimzudüsen. "Ich würde meine Lieben jetzt schon gerne sehen", sagte er.
Danach geht die bis Ende März dauernde Jagd aber erst richtig los. "In vier Wochen kommt Olympia in Peking, nach Olympia kommt die Raw Air, nach der Raw Air die Skiflug-WM - es sind noch viele Dinge zu erledigen", sagte Horngacher. Für Geiger ist der Gedanke an die kommenden Highlights aber beruhigend: "So kann man die Tournee viel schneller abhaken. Wenn sie der einzige Höhepunkt gewesen wäre, würde das bitterer sein."

Deutschen läuft die Zeit davon

Spätestens im kommenden Winter müssen sich Geiger und Co. aber wieder der bohrenden Frage stellen, wann denn diese dann 21 Jahre dauernde deutsche Tournee-Flaute endlich endet. "Das ist zum Glück noch ein wenig hin", grinste Geiger: "Aber klar - es wird wieder das gleiche Spiel. Wir müssen einfach daraus lernen. Aber das ist nicht einfach - weil man manchmal einfach auch unverschuldet in solche Situationen gerät."
Zumindest im Hinblick auf den Tourneesieg läuft dieser deutschen Generation, die Hannawald als die in der Breite beste der Geschichte ansieht, ein wenig die Zeit davon. Der Großteil des Teams ist um die 30 Jahre alt oder darüber hinaus, nur Andreas Wellinger (26) und Constantin Schmid (22) liegen deutlich darunter.
"Klar, die Jungs sind in einem reifen Alter. Sie besitzen aber noch Potenzial, das sie ausbauen können", sagt Horngacher: "Wir versuchen natürlich, im Hintergrund neue Leute aufzubauen - aber das braucht Zeit."
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(SID)

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