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Vierschanzentournee: Granerud vom Kindergärtner zum Tournee-Favoriten
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Publiziert 23/12/2020 um 15:37 GMT+1 Uhr
In der Coronakrise hielt sich Halvor Egner Granerud als Kindergärtner über Wasser, dann wurde er fast aus dem Nichts zum Seriensieger und Tourneefavoriten. "Es gab nur wenige Springer, die jemals ein größerer Tournee-Favorit gewesen sind", meinte unter anderem Clas Brede Braathen, der Springerchef der Norweger. Granerud selbst kann kaum glauben, wie märchenhaft die Saison bisher für ihn verlief.
Halvor Egner Granerud
Fotocredit: Getty Images
Halvor Egner Graneruds Urgroßvater hat bereits Geschichte geschrieben. Oder besser: Geschichten. Denn die Zahnputztrolle Karius und Baktus oder Klaus Klettermaus aus der Feder des großen Thorbjörn Egner kennt in Norwegen jedes Kind.
"Und seine Bücher sind heute noch aktuell, das finde ich so toll an ihm", sagt Granerud. Der Topfavorit der am Montag beginnenden Vierschanzentournee schreibt derweil fleißig an seiner eigenen wundersamen Geschichte. Sie handelt von einem Skisprung-Dominator, der praktisch aus dem Nichts kam.
"Das alles ist eine ganz neue Situation für mich - die öffentliche Aufmerksamkeit wird riesig sein", sagt der 24-Jährige, der die letzten fünf Springen vor dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf gewann, nachdem er zuvor in seiner Karriere nicht einmal auf dem Podest gestanden hatte. Die ersten fünf Weltcupsiege als Serie - das hatte vor ihm noch kein Springer geschafft. Der Weltcup-Rekord steht bei sechs Siegen in Folge - in Garmisch könnte ihn Granerud am Neujahrstag brechen.
Ein Kinderliebling wie sein Uropa war er allerdings schon vor diesem Wunderwinter - wenngleich im kleineren Kreis. "Halvor ist großartig", sagt Theresa Dahl, "die Jungs und Mädchen waren richtig glücklich bei ihm." Dahl ist Leiterin des Trondheimer Espira-Muruvik-Kindergartens, und Granerud war im Frühjahr hier Angestellter. Nach einer völlig verkorksten Saison 2019/20 hatte sich seine Kasse ziemlich geleert, zudem sorgte die Coronakrise für Leerlauf - Granerud suchte sich einen Nebenjob.
"Als Leistungssportler sind alle Tage irgendwie gleich. Ich wollte mal etwas anderes machen. Etwas, das ich mir auch nach meiner Karriere vorstellen könnte", sagt er. Also tauschte er Ski und Schanze gegen Schaukel und Schäufelchen, verdingte sich als Nachwuchs-Bespaßer. Und die Engelsgeduld, die Granerud bei den Kids auszeichnete, verhalf ihm sportlich im sechsten Weltcupjahr endlich zum Durchbruch.
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Halvor Egner Granerud in Engelberg 2020
Fotocredit: Getty Images
Norwegen hofft auf ersten Gesamtsieg seit 2007
"Meine Welt hat sich komplett auf den Kopf gestellt. Über ein Jahr habe ich überwiegend vom Ersparten gelebt - jetzt kann ich mein Konto auffüllen", sagt er. 63.000 Schweizer Franken (ca. 58.000 Euro) an Preisgeld hat er seit Saisonstart kassiert - im gesamten Vorwinter, als Graneruds Karriere auf dem Tiefpunkt anlangte, waren es ganze 800 Franken.
Diese Entwicklung, diese Leistungsexplosion könnte einem Märchen seines an Heiligabend 1990 verstorbenen Urgroßvaters entsprungen sein, sie ist eine dieser unerklärlichen Entwicklungen im Skispringen. "Er hat ein super System, eine tolle Anfahrtsposition, ist in einem wahnsinnigen Flow", sagt der deutsche Bundestrainer Stefan Horngacher: "Solche Seriensieger gibt es immer mal, aber so eine Serie endet auch mal."
Die Norweger wollen daran nicht glauben, der Druck auf Granerud ist immens. "Es gab nur wenige Springer, die jemals ein größerer Tournee-Favorit gewesen sind", sagt Norge-Springerchef Clas Brede Braathen. Letzter Tourneesieger der Skandinavier war Anders Jakobsen 2006/07 - länger warten unter den Topnationen nur die Deutschen (seit Sven Hannawald 2001/02).
Granerud lässt sich davon nicht verunsichern, die Espira-Muruvik-Engelsgeduld verschafft ihm die nötige Ruhe. "Es macht derzeit einfach furchtbar Spaß", sagt er, "Geschichte zu schreiben."
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(SID)
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Deutscher Tourneesieg? Schmitt: "Wäre mal wieder an der Zeit"
Quelle: Eurosport
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