Vierschanzentournee | Karl Geiger meistert den Bergisel und verbreitet Optimismus
Karl Geiger (3.) platziert sich in der Qualifikation von Innsbruck knapp vor seinen direkten Konkurrenten Ryoyu Kobayashi (5.) und Dawid Kubacki (6.) und geht optimistisch ins Springen am Samstag. Der 26-Jährige meistert dabei anfängliche Schwierigkeiten mit dem Schanzenradius und will bis Samstag auch leichte Probleme bei der Landung ausmerzen. "Ich weiß, dass die Form echt gut ist", sagt er.
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Karl Geiger zeigte die Faust und lächelte nach seinem Punktsieg über Ryoyu Kobayashi und Dawid Kubacki kurz, dann hatte die große deutsche Vierschanzentournee-Hoffnung den Aufgalopp am Bergisel schon abgehakt.
"Das bedeutet heute nix", sagte Geiger nach Platz drei in der Qualifikation von Innsbruck, wo er seine großen Rivalen knapp hinter sich gelassen hatte: "Die werden im Wettkampf schon wieder angreifen."
Karl Geiger meistert anfängliche Probleme
Nach seinen beiden zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch funktionierte der 26 Jahre alte Allgäuer auch zum Auftakt der zweiten Tournee-Halbzeit gut, untermauerte mit einem blitzsauberen Satz auf 131,5 m seine Ambitionen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2002 - wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten.
"Ich habe mich am Anfang schwer getan mit dem Schanzenradius, aber es ist von Sprung zu Sprung besser geworden, deshalb war's ein echt guter Tag heute", sagte Geiger bei Eurosport und präzisierte:
Geiger kann's bei allen Verhältnissen
Die Bergisel-Schanze, auf der er vor gut zehn Monaten Vizeweltmeister wurde, scheint ihm dennoch weiterhin zu liegen.
"Ich weiß, dass die Form echt gut ist. Wenn der Sprung passt, komme ich auch bei allen Bedingungen gut runter. Bei Aufwind ist es natürlich leichter, aber es geht bei Rückenwind auch", sagte Geiger, der sich am Tag vor dem Wettkampf (Samstag ab 13:30 Uhr live bei Eurosport 1 HD, live im Eurosport Player und im Liveticker bei Eurosport.de) mit 134,9 Punkten nur dem weitengleichen Garmisch-Sieger Marius Lindvik (Norwegen/138,9) sowie Österreichs Topstar Stefan Kraft (136,8), der mit 132,5 m die Bestweite erzielte, geschlagen geben musste.
Reserven sieht Geiger allerdings noch. "Die Landung ist noch ausbaubar", sagte der Vize-Weltmeister, der schlechtere Haltungsnoten als seine Konkurrenten um den Tournee-Sieg erhalten hatte: "Ich habe geschaut, dass ich gescheit vorne reinlande, das war ein bisschen übertrieben. So hat es mich ein bisschen vorne reingestopft. Aber halb so wild - ich hatte alles im Griff."
Hauchdünn an der Spitze
Am Sonntag will es Geiger besser machen. "Innsbruck ist immer ein ganz enges Ding, da ist die Landung mitentscheidend. Das kann Karl besser und das wird er auch zeigen", ist sich Eurosport-Experte Martin Schmitt sicher.
Seine beiden mutmaßlich größten Kontrahenten um den Tourneesieg ließ Geiger wie in Garmisch auch so hinter sich, wenn auch hauchdünn: Der japanische Gesamtführende Kobayashi kam auf Platz fünf, hatte aber nur 0,9 Punkte Rückstand auf Geiger. "Ich liebe die Schanze", sagte der Titelverteidger bei Eurosport, meinte aber auch, dass er einen für ihn schwierigen Wettkampf erwarte: "Mal sehen, was draus wird. Jeder da vorne kann gewinnen."
Der knapp hinter Geiger drittplatzierte Pole Kubacki wurde einen weiteren Zehntelpunkt zurück Sechster und meinte. "Ich hatte hier zwar noch nie besonders gute Ergebnisse, aber wenn ich mich an meinen Plan halte, bin ich zuversichtlich", so der Pole.
"Die Quali ist immer ein gutes Zeichen an die Konkurrenten: Junge, du weißt, was ich vorhabe!", sagte Eurosport-Experte Sven Hannawald mit Blick auf Geigers vermeintlichen psychologischen Vorteil.
Geiger hatte eine unruhige Nacht
Der 21-jährige Lindvik könnte in seiner augenblicklichen Glanzform aber auch noch in den Kampf um den Goldadler eingreifen. "Ich denke das Geheimnis ist, sich zu relaxen, wenn man nicht gefordert ist, und gut zu schlafen", sagte Lindvik bei Eurosport.
Was Geiger nicht von sich behaupten konnte - nach einer halbwegs schlaflosen Nacht nach dem Teamabend der DSV-Adler im China-Restaurant.
"Er hat schlecht geschlafen. Aber nicht, weil er nervös ist. Der schläft in dem Hotel immer schlecht", berichtete Zimmerkollege Markus Eisenbichler. Geiger selbst meinte:
Aber: Halb so wild, meinte Geiger.
Eisenbichler im Soll
Vor lediglich 4200 Zuschauern, gut die Hälfte davon aus Deutschland, überzeugten auch die weiteren DSV-Adler. Eisenbichler selbst, im Vorjahr am Bergisel Weltmeister in Einzel und Mannschaft, tat sich in den Probedurchgängen schwer, flog dann aber in der Quali auf Platz zwölf und 128,0 m.
"Das war halbwegs okay. Im Training haben sie mich bei Bedingungen runtergelassen, wo es gar nicht geht", sagte der Tournee-Sechste und meinte augenzwinkernd:
Team-Weltmeister Stephan Leyhe bestätigte seine ganz starken Trainingssprünge und kam mit 127,0 m auf Platz zehn. Am Tag vor seinem 28. Geburtstag könnte der Hesse am Samstag durchaus ein Anwärter auf einen Spitzenplatz sein.
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