Weltcup in Lillehammer - die Lehren vom Auftakt-Wochenende: Team Deutschland hat ein neues fliegendes Doppelzimmer
VonJan Zesewitz
Update 24/11/2025 um 07:37 GMT+1 Uhr
Das Auftakt-Wochenende im Skisprung-Weltcup ist vorbei. Das erste Springen in Lillehammer dominierten die Österreicher mit einem Dreifacherfolg, am zweiten Tag war Ryoyu Kobayashi vorne. Die deutschen Springer erlebten ein Wechselbad der Gefühle: Felix Hoffmann zeigt die bisher besten Sprünge seiner Karriere, Andreas Wellinger dagegen segelt meilenweit hinterher. Drei Lehren aus Lillehammer.
Highlights: Hoffmann macht erstes Podium der Karriere perfekt
Quelle: Eurosport
Das erste Einzelspringen der Olympia-Saison bestritten die beiden besten DSV-Adler des vergangenen Winters gar nicht erst. Pius Paschke und Andreas Wellinger scheiterten in Norwegen schon in der Qualifikation und schauten beim österreichischen Dreifacherfolg nur zu.
Einen Tag später wurde es für die beiden etwas besser: Wellinger verpasste als 40. allerdings immer noch den zweiten Durchgang und beendete den Auftakt somit ohne Weltcup-Punkte, Paschke wurde immerhin 27. Die Schanze in Lillehammer ist kein gutes Pflaster für Wellinger. Der Olympiasieger verpasste letztmalig 2023 die Qualifikation für einen Weltcup, auch am Lysgardsbakken.
Während der 30-Jährige mit seinem System hadert, konnte der DSV auch Lichtblicke verbuchen. Philipp Raimund bestätigte seine gute Form vom Sommer-Grand-Prix und wurde Sechster und Vierter.
Die größte Überraschung war aber Felix Hoffmann. Am Samstag feierte er mit Platz zehn das beste Weltcup-Ergebnis seiner Karriere, einen Tag später setzte er noch einen drauf und landete als Dritter auf dem Podium. Eine Premiere für den DSV-Athleten.
"Das ging jetzt doch schnell. Das war sehr cool und freut mich sehr", sagte der Deutsche Meister im Interview mit der "ARD". Mit 28 Jahren und vielen Wintern am Rande des Weltcup-Teams passte für Hoffmann in Lillehammer endlich das zusammen, was Wellinger für den Moment verloren zu haben scheint.
Die Lehren vom Weltcup-Auftakt in Lillehammer:
1. Das neue "fliegende Doppelzimmer" macht Hoffnung
Was dem Überraschungsmann auf dem Podium neben den Stars Kobayashi und Domen Prevc geholfen haben könnte, ist die Zimmerverteilung im deutschen Team. Die besten DSV-Adler teilten sich ein Doppelzimmer: "Die Doppelbetten hier sind ein bisschen klein. Bei Felix standen zwei einzelne Betten, also habe ich ihn gefragt. Er war so nett und hat mich aufgenommen - und mir etwas von seiner Energie abgegeben", sagte Raimund.
Die Energie der Doppelzimmer hat eine gewisse Tradition bei den deutschen Skispringern: Markus Eisenbichler und Karl Geiger sprangen einst als "das fliegende Doppelzimmer" zu Erfolgen. Möglicherweise deutet sich für diesen Winter ein weiteres Traumduo an. Raimund, dem Hoffmann am Sonntag den Podestplatz noch abjagte, neidete dem Zimmerkollegen den Erfolg jedenfalls nicht.
"Ich bin trotzdem mega zufrieden. Und am liebsten gibt man natürlich einen Podestplatz an seinen Teamkollegen ab", sagte Raimund, der selbst das zweitbeste Ergebnis seiner Laufbahn einfuhr.
0,8 Punkte trennten die besten deutschen Springer des Tages voneinander, Hoffmanns zweiter Sprung war sogar der zweitbeste des gesamten Tages - nur Sieger Kobayashi holte mehr Punkte (146,1 zu 142,4). Der Thüringer, der vor diesem Wochenende überhaupt erst in zwölf Einzelspringen den zweiten Durchgang erreichte und zweimal unter den ersten 15 landete, war stärker als Gesamtweltcup-Sieger Daniel Tschofenig, als alle anderen österreichischen und die slowenischen Stars.
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Felix Hoffmann und Philipp Raimund hielten beim Weltcup die deutschen Farben hoch
Fotocredit: Getty Images
Die Zimmeraufteilung bleibt hoffentlich auch in Falun (ab Dienstag live bei Eurosport und discovery+) genauso wie in Lillehammer.
2. Wellingers Krise: Was läuft falsch beim "abgestochenen Vogel"?
Wellingers Krise zum Saisonauftakt ist wohl nicht nur auf die Wahl des Hotelzimmers zurückzuführen. Am Freitag landete er bereits bei 110 Metern und wurde in der Qualifikation 56. Am Sonntag war er zwar beim Wettbewerb dabei, kam aber nur auf Platz 40. Ein Fehlstart für den Mann, der in diesem Jahr um den Kampf um die Gesamtwertung der Vierschanzentournee eingreifen will.
Der Bayer nahm im Anschluss kein Blatt vor den Mund: "Es ist auf Deutsch gesagt für den Arsch, was ich im Moment fabriziere", sagte er. "Ich hänge über dem Eck wie ein abgestochener Vogel, es ist keine Leichtigkeit drin. Ich könnte im Moment bei den Abfahrern gut dabei sein, aber nicht im Skispringen."
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Wellinger erklärt Probleme: "... dann fällt mir das System runter"
Quelle: Eurosport
Neben Frust lieferte Wellinger im Eurosport-Interview auch eine konkrete Analyse dessen, was derzeit nicht passt. "Mir gelingt es noch nicht, dass die Balance vom Sprungsystem passt. Ich springe oben raus und habe die Unterstützung vom Ski nicht, das Gefühl, dass ich leicht werde oben in der Luft." Es fehle die Aktivität. "Das ist nur ein passives Warten. Dann fällt mir das System runter", sagte Wellinger.
Dem 30-Jährigen bleiben fünf weitere Weltcups bis zur Tournee, um das Fluggefühl wiederzuerlangen - und sich auf die neuen Anpassungen im Reglement einzulassen, was derzeit den Teamkollegen Hoffmann und Raimund besser gelingt. Viel Zeit zum Luftholen bleibt nicht, am Dienstag geht es im schwedischen Falun schon weiter. Und für Wellinger bleibt das Glas halb voll: "Es war heute ein Schritt nach vorne, ein bisschen besser, aber vom Gefühl her bei weitem noch nicht da, wo ich hinkommen will", sagte Wellinger. "Zumindest geht von ganz unten am Freitag der Pfeil leicht nach oben."
3. Die Österreicher sind nicht unschlagbar
Die Weltcup-Saison 2025/26 begann so, wie das Jahr zuvor über weite Strecken verlief: mit einer Dominanz in rot-weiß-rot. Viermal waren die ÖSV-Springer im Vorjahr ganz alleine auf dem Podium - immer in Person von Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft. Das Podest des ersten Springens in Lillehammer las sich wie folgt: Tschofenig gewann vor Hörl und Kraft.
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Highlights: Österreichischer Dreifachsieg zum Auftakt
Quelle: Eurosport
Die Angst, dass dieser Winter aber genauso verlaufen könnte wie der vorherige, erwies sich schnell als unbegründet. Am Sonntag verpassten die Österreicher das Podium komplett. Kraft war als Fünfter der Beste, Hörl wurde Siebter, Tschofenig Achter. Die Österreicher sind schlagbar.
Zwei Wettbewerbe ergeben noch keinen Trend - und natürlich zählen alle drei in diesem Winter wieder zu den Topfavoriten auf den Sieg bei jedem Springen. Trotzdem sind sich auch die Experten einig, dass die Weltspitze in diesem Winter enger zusammenrücken könnte.
"Es wird im Moment auf sehr hohem Niveau gesprungen. Es ist alles sehr eng beieinander. Kleine Fehler machen große Weitenunterschiede. So bleibt Skispringen spannend", analysierte Bundestrainer Horngacher bei der "ARD". Die Hoffnung ist, dass das "Sorgenkind" Wellinger diese Lücke zu einer breiten Weltspitze bald schließen kann - und Raimund und die Überraschung Hoffmann ihren Platz weit oben halten können. "Wellinger, Paschke und Geiger sind deutlich näher rangekommen", sagte der Trainer. "Sie brauchen natürlich noch etwas Zeit, das geht nicht von heute auf morgen. Wir sind auf dem richtigen Weg."
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Paschke lässt komplizierten Auftakt hinter sich und blickt auf Falun
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