Eurosport
Vierschanzentournee: Geiger hat ganz Oberstdorf hinter sich
Von
Publiziert 28/12/2020 um 13:11 GMT+1 Uhr
Karl Geiger hat zum Auftakt der Vierschanzentournee ein wahres Heimspiel. Der gebürtige Oberstdorfer geht beim Auftakt in seiner Heimatstadt als Mitfavorit an den Start und hat dabei die Unterstützung der ganzen Stadt hinter sich. Lokalmatador Geiger gibt sich angriffslustig und peilt den ersten deutschen Erfolg in Oberstdorf seit 2015 an. Bundestrainer Stefan Horngacher traut im "alles zu".
Karl Geiger hat in Oberstdorf ein Heimspiel
Fotocredit: Getty Images
Wer über die B19 in den südlichsten Zipfel Deutschlands fährt und dann durch die Gassen Oberstdorfs spaziert, der kommt nicht am Namen Geiger vorbei. Wobei: Eigentlich kommt er ständig an ihm vorbei. Gefühlt jedes dritte Firmen- und Klingelschild trägt ihn, der Geiger-Zähler schlägt quasi ständig aus. Und den berühmtesten Träger dieses hier so weit verbreiteten Namens ehrt ein riesiges neues Plakat am Ortseingang: "Karl Geiger - Skiflug-Weltmeister". Nur damit es jeder weiß.
"Ich bin hier tief verwurzelt. Ich bin in Oberstdorf geboren und aufgewachsen. Das ist Heimat für mich", sagt der Urbayer Geiger, wenn er über die Marktgemeinde am Fuße des mächtigen Nebelhorns spricht. Genau dort, vor der eigenen Haustür, startet die deutsche Skisprung-Hoffnung beim ersten Springen am Dienstag (ab 16.30 Uhr im Eurosport Liveticker) als Mitfavorit in die 69. Vierschanzentournee.
Schon als Kind stand Geiger an der über Oberstdorf thronenden Schanze am Schattenberg, als sein Idol Martin Schmitt zum Sieg flog. Heute bewundern die Oberstdorfer ihren "Karle", wenn der unnachahmlich abhebt - in Coronazeiten allerdings am heimischen TV anstatt wie gewohnt als große Fan-Kolonie im 27.000 Zuschauer fassenden, diesmal aber gähnend leeren Stadion.
Oberstdorf: Geiger visiert Heimerfolg an
Doch auch auf Distanz kann sich Geiger auf seine Oberstdorfer verlassen. Als er im September im kleinen Kreis seine Franziska heiratete und als er vor zwei Wochen erstmals Vater wurde, freute sich die ganze Gemeinde mit.
Und als Geiger kurz darauf nach seinem positiven Coronatest Quarantäne-Frust hatte, konnte er ebenso auf das so wichtige soziale Netz zählen: "Meine Eltern und Freunde sind für uns einkaufen gegangen und haben mir eine Hantelstange und Balancebretter vor die Tür gestellt", sagt Geiger durchaus stolz.
So viel Unterstützung will er zurückzahlen, möglichst mit dem ersten deutschen Sieg am Schattenberg seit Severin Freund 2015, dem ersten Erfolg eines Einheimischen seit 1959, als der heute 88-jährige Max Bolkart das Auftaktspringen und danach auch die Tournee gewann.
Oberstdorf: Horngacher traut Geiger "alles zu"
"Dem Karl ist generell alles zuzutrauen", sagt Bundestrainer Stefan Horngacher: "Karl wirkt immer so ruhig. Er weiß: Nur, wenn er in der Ruhe ist und nicht aus der Emotion raus handelt, dann kann er seine Leistung bringen."
In Ruhe hat auch Geiger seine Karriere aufgebaut, jedes Jahr brachte bislang eine Steigerung: Mit 19 debütierte er 2012 im Weltcup und erreichte die Top 10, mit 22 landete er erstmals auf dem Podium, mit 25 feierte er seinen ersten Weltcup-Sieg, wenige Monate später wurde er in Seefeld Team-Weltmeister und nun - mit 27 - Skiflug-Weltmeister. "Das ist eine unglaublich tolle und jahrelange Entwicklung", sagt Ex-Bundestrainer Werner Schuster, der Geiger bis 2019 durch diese Entwicklung begleitete.
Doch Geigers Reise ganz nach oben könnte sich in diesem Winter spektakulär fortsetzen, und das vor der eigenen Haustür: Keine zwei Monate nach der Tournee beginnt in Oberstdorf die Nordische-WM, und da könnte "Karle" endgültig zum berühmtesten "Sport-Geiger" seiner Heimatstadt werden - auch wenn es in Vinzenz Geiger einen Kombinations-Olympiasieger gibt: "Mit dem bin ich aber allenfalls um viele Ecken verwandt."
Das könnte Dich auch interessieren: Tournee: Polen vom Auftaktspringen ausgeschlossen
(SID)
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung