Markus Eisenbichler und Martin Schmitt analysieren die ÖSV-Misere: Was ist los bei Tschofenig, Hörl und Kraft?

In wenigen Tagen beginnt die Vierschanzentournee. Die ÖSV-Springer Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft, die im vergangenen Winter in der Gesamtwertung Platz eins bis drei belegten, sind aber noch auf Formsuche. Die Eurosport-Experten Markus Eisenbichler und Martin Schmitt ordnen die Misere der österreichischen Adler ein. Vor allem die Auftritte des Tournee-Siegers sind besorgniserregend.

Tschofenig exklusiv über Formtief: "Es wurde immer schlimmer"

Quelle: Eurosport

Daniel Tschofenig findet in dieser Saison einfach nicht seine Form aus dem Vorjahr. 2024/25 war der 23-Jährige noch das Maß aller Dinge und gewann nicht nur die Vierschanzentournee, sondern auch den Gesamtweltcup.
Davon ist der aktuelle Achtplatzierte (Stand im Gesamtweltcup) meilenweit entfernt. Der Tiefpunkt war die Tournee-Generalprobe in Engelberg, als Tschofenig als 34. bereits nach dem ersten Durchgang ausschied. Favoriten beim wichtigsten Event des Skisprung-Jahres sind definitiv andere.
Martin Schmitt sucht in der Eurosport-Medienrunde vor Beginn des Traditionsevents nach Gründen für die Formkrise des 23-Jährigen: "Beim Daniel sind es wahrscheinlich zwei Dinge. Er ist erst super in die Saison gestartet, hatte viel Selbstvertrauen. Er ist eben ein sehr ehrgeiziger Sportler. Das ist eine Qualität von ihm", erklärte der zweimalige Gesamtweltcupsieger.
"Aber in einer solchen Situation, in der sich ein anderer Sportler wie Domen Prevc in Wisla in einer außergewöhnlichen Form befindet, greift er zu wenig ein und hatte kaum Ruhe", so Schmitt weiter.
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Daniel Tschofenig befindet sich in der Saison in einer Formkrise

Fotocredit: Getty Images

In der Qualifikation sei Tschofenig damals ordentlich gesprungen, dann aber wolle "die Meter, die aktuell fehlen, aufholen und greift in den Bewegungsablauf ein". In Wisla kam der Österreicher Anfang Dezember auf Platz sechs und 13.
Es sei danach "von Wochenende zu Wochenende immer schlechter geworden", analysiert Schmitt. "Ich habe aktuell einige Schwierigkeiten. Ich weiß nicht, was der Auslöser war oder warum es jetzt passiert", urteilte Tschofenig im Eurosport-Interview.

Eisenbichler über Tschofenig: "Was mir überhaupt nicht taugt ..."

"Er hat jetzt die zweite Saison, in der er nicht ganz optimal trainieren konnte im Sommer. Dann kommt man vielleicht gut zurück, aber irgendwo fehlt eine gewisse Anzahl an Sprüngen auf höchstem Niveau", liefert Schmitt weitere Erklärungen. Im Juli hatte sich der ÖSV-Star einen Muskelfaserriss beim Krafttraining zugezogen.
Markus Eisenbichler sieht die derzeitigen Auftritte von Tschofenig noch kritischer. Besonders eine Sache stört den Eurosport-Experten: "Was mir überhaupt nicht taugt bei ihm, ist die Körpersprache, die er aktuell an den Tag legt. Bei jedem Sprung, auch wenn er ein bisschen besser ist, winkt er sofort ab. Er stellt sich selbst ein bisschen in den Negativstrudel rein und freut sich nicht mehr über kleinere Erfolgserlebnisse", sagt der 34-Jährige.
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Tschofenig exklusiv vor Saisonstart: "Hatte große Schwierigkeiten"

Quelle: Eurosport

Im vergangenen Jahr sei Tschofenig der Beste gewesen und stets über die grüne Linie gesprungen, jetzt müsse er erst mal kleine Schritte machen und diese vor allem auch feiern, fordert Eisenbichler: "Skispringen ist einfach eine komplizierte Sportart. Man weiß oft nicht, woran es liegt - und plötzlich funktioniert es wieder. Aber wenn man da eine negative Einstellung hat und sich einfach runterzieht, dann wird es sowieso meistens nicht besser", so der einstige Tournee-Zweite.
"Das muss er jetzt lernen. Wenn er so weitermacht, wird es eine harte Tournee für ihn", resümiert Eisenbichler mit Blick auf die Titelverteidigung bei der Vierschanzentournee.

Tournee-Zweiter Hörl "am Hadern"

Nicht ganz so drastisch schätzen die Eurosport-Experten die Situation bei Jan Hörl ein. Der Tournee-Zweite und Vize-Gesamtweltcupsieger rangierte im aktuellen Weltcup direkt hinter seinem Teamkollegen Tschofenig auf Platz neun.
"Jan ist ein bisschen am Hadern. Aber wenn er wieder den Sprung findet, den er kann, geht es schnell. Er ist sehr nah dran", zeigt sich Eisenbichler optimistisch. "Jan hatte eine sehr gute Vorbereitung und ist wahrscheinlich dementsprechend mit einer hohen Erwartungshaltung in den Weltcup gestartet. Das ist nicht ganz aufgegangen und er war dann von Beginn an auf der Suche", fügt Schmitt an.
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Jan Hörl kommt diese Saison noch nicht in Schwung

Fotocredit: Getty Images

"Er macht einen kleinen Fehler und der hat sehr große Auswirkungen. Er springt den Sprung einfach zu aggressiv an, er holt ein bisschen Schwung vor dem Absprung und lässt das System nicht wirken", analysiert Eisenbichler. Wenn Hörl das wieder in den Griff bekomme, könne es schnell aufwärts gehen.
"Die Sprünge schauen gar nicht so anders aus wie zuvor, aber es fehlen eben ein paar Meter. Da wieder das Vertrauen zu kriegen und die Sicherheit aufzubauen, ist nicht so einfach und ein Prozess", unterstreicht Schmitt.

Eisenbichler: "Mache mir bei Kraft keine Gedanken"

Mit Stefan Kraft machte ein dritter Österreicher im vergangenen Winter das Podest der Vierschanzentournee komplett. Beim 32-Jährigen schätzt Eisenbichler die Situation im Vergleich zu Tschofenig und Hörl gänzlich anders ein, da er eine Weltcup-Pause einlegte. Kraft wurde Vater und reiste von den Wettkämpfen in Ruka ab, verpasste somit auch die Springen in Wisla - was den zehnten Platz im Gesamtweltcup erklärt.
"Ich mache mir speziell beim Krafti keine Gedanken. Der ist erfahren, der kann das gut einschätzen. In Oberstdorf wird der wieder parat stehen. Da bin ich mir ganz sicher. Der kann Oberstdorf, der ist da Weltmeister geworden", so Eisenbichler mit Ausblick auf den Tournee-Auftakt in Oberstdorf am 29. Dezember (live bei Eurosport und discovery+).
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Bei Stefan Kraft macht sich Markus Eisenbichler keine Gedanken

Fotocredit: Getty Images

"Kraft ist eigentlich in einer optimalen Position. Er hat alles erreicht. Er ist Vater geworden, ihm geht es gut und wenn er den positiven Schwung mitnimmt über die Feiertage und einfach ein bisschen Kraft tankt, dann wird er gefährlich", glaubt der Eurosport-Experte.
Für alle gehe es nun darum, "ruhig zu bleiben, sich auf die eigenen Stärken zu verlassen und noch ein kurzes Training einzulegen. Übertreiben muss man aber nicht - was sie in der Vorbereitung gezeigt haben, ist nicht einfach weg", zieht Schmitt ein allgemeines Fazit zur ÖSV-Misere. Tschofenig und Co. bräuchten eben nur dieses Aha-Erlebnis.

Embacher oder Schuster als "Zugpferd" bei der Tournee?

Und selbst wenn keiner der Stars bei der Tournee vorangehen sollte, haben die Österreicher noch einige Asse im Ärmel: "Wenn man sieht, was für Qualität dahintersteht mit Jonas Schuster oder Stefan Embacher, ist das jetzt auch eine Chance, das die wirklich das Zugpferd sind", erklärt Eisenbichler.
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Embacher fliegt zum Schanzenrekord: "Der war nicht mal optimal!"

Quelle: Eurosport

Schmitt stimmt zu: "Embacher war so hoch in Engelberg. Da ist so viel Potenzial in dem Sprung, er kann auch spannend werden."
Immerhin kommt der junge Österreicher mit einem Schanzenrekord bei der Generalprobe in Engelberg im Gepäck zum Tournee-Aufakt nach Oberstdorf.
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Eisenbichler zu Wellinger und Geiger: "Kommen wieder auf die Beine"

Quelle: Eurosport


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