Vierschanzentournee: Andreas Wellinger und Karl Geiger straucheln im Weltcup - DSV-Adler müssen vier Chancen nutzen
Publiziert 26/12/2025 um 22:00 GMT+1 Uhr
Andreas Wellinger und Karl Geiger stecken kurz vor der Vierschanzentournee (28. Dezember bis 6. Januar) tief in der Krise. Nachdem die beiden DSV-Adler für die Generalprobe in Engelberg aus dem A-Kader genommen wurden, rücken sie beim prestigeträchtigen Showdown ins Rampenlicht. Die Eurosport-Experten Markus Eisenbichler und Martin Schmitt rufen keinen Notstand aus - sehen sie aber in der Pflicht.
Geiger und Wellinger? "Man darf nicht zu viel erwarten"
Quelle: Eurosport
Es war schon ein ungewohntes Bild, welches sich beim Weltcup in Engelberg am zurückliegenden Wochenende zeigte.
Die Generalprobe für die Vierschanzentournee (28. Dezember bis 6. Januar live und on-demand bei discovery+) im Schweizer Kanton Obwalden ging ohne die Beteiligung von Andreas Wellinger und Karl Geiger über die Bühne.
Der Grund: Die deutschen Zugpferde der vergangenen Jahre haben mit einer beispiellosen Formschwäche zu kämpfen. Nach enttäuschenden Auftritten im Weltcup half nur die Notbremse, Bundestrainer Stefan Horngacher nahm die beiden aus dem A-Kader.
Eine kurze Pause später kehren Wellinger und Geiger wieder auf die große Bühne zurück. Beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf werden sie Teil des nationalen Kaders sein. Eurosport-Experte Markus Eisenbichler ordnete die Ausgangssituation der mehrmaligen Weltmeister ein.
Wellinger und Geiger müssen System überschreiben
Sowohl Wellinger als auch Geiger scheiterten in der laufenden Saison in Qualifikationen, auch der zweite Durchgang war für die DSV-Adler alles andere als selbstverständlich. "Jetzt läuft es einfach nicht bei den beiden. Aus meiner eigenen Vergangenheit weiß ich, wie sich das anfühlt", erklärte Eisenbichler.
Es ist ein beispielloses Tal, welches das Duo durchschreiten muss. "In solchen Momenten merkt man, ob ein Sportler ein Sportler ist. Und bei beiden ist das definitiv der Fall. Dazu gehören einfach Tiefen – auch extreme. Das wünscht man keinem", so Eisenbichler weit.
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Eisenbichler verrät: Das hat Geiger zur neuen Rolle gesagt
Quelle: Eurosport
Verlernt haben Wellinger und Geiger ihre Spezialität jedoch gewiss nicht. Vielmehr sind es die Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben.
"Körperlich sind sie extrem fit, offenbar fehlt es zurzeit an der Technik. Skispringen hat sehr viel mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu tun", unterstrich der sechsmalige Weltmeister.
"Automatismen spielen auch eine große Rolle. Pflanzt sich in diesem System ein kleiner Fehler ein, bekommt man den nur ganz schwer wieder raus. Jetzt gilt es, Strukturen aufzubrechen, damit das System überschrieben wird."
Bei Tournee das Momentum aufbauen
Trotz der Tatsache, dass Wellinger und Geiger nach ihrer Auszeit zur Tournee mitkommen, sollte die Erwartungshaltung gewisse Grenzen nicht überschreiten.
"Ich hoffe, dass sie einfach etwas in Schwung kommen während der Tournee. Ergebnisse innerhalb der Top 20 wären ihnen auf jeden Fall zu wünschen", meinte Eisenbichler. "Die Tournee sollten sie nicht unbedingt als Tournee sehen, vielmehr als Weltcup-Stationen. Dort können sie sich für die weiteren Aufgaben in diesem Winter eine gewisse Sicherheit aufbauen und Schritt für Schritt einen besseren Sprung fabrizieren."
Was er damit meint? Vom 22. bis 25. Januar findet die Skiflug-WM in Oberstdorf statt, zwischen 6. und 22. Februar stellen die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo den Höhepunkt der Saison dar. Mit Blick auf diese Höhepunkte wird aus der Vierschanzentournee eine Tournee der vier Chancen.
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Für Skispringer Karl Geiger läuft es in dieser Saison noch nicht rund.
Fotocredit: Getty Images
Sich zu schnell unter Druck zu setzen könnte die Negativspirale dabei nur weiter befeuern, in den kommenden Wochen soll das nötige Momentum zur Rückkehr in die Spitze aufgebaut werden. Auf diesem Weg helfen auch die überraschenden Erfolge der Teamkollegen Philipp Raimund und Felix Hoffmann.
"Was positiv ist: Mit Felix und Philipp gibt es zwei Springer an der Front, die den medialen Druck vom gesamten Team wegnehmen", blickte Eisenbichler auf die Podestspringer. "Auf der Tournee können sich Karl und Andreas also verhältnismäßig zurücklehnen, der Druck lastet nicht auf ihnen. Sie müssen das Turnier aber auf jeden Fall nutzen, um in Form zu kommen."
Schmitt: "Im Skispringen geht es wahnsinnig schnell"
Formschwäche auf der routinierten, Leistungsexplosion auf der jungen Kaderseite - vollzieht sich im deutschen Team etwa schon eine Wachablösung?
"Von einem Generationenwechsel würde ich noch nicht sprechen. Pius Paschke hat in der vergangenen Saison bewiesen, dass man selbst im hohen Alter noch Weltklasseleistungen zeigen kann", merkte Eisenbichler an.
Die Gründe für den Leistungsabfall können vielfältig sein, häufig finden sich die Ursachen tief in der Vorbereitung verwurzelt. Am Ende des Tages handelt es sich dabei um eine Phase - davon zeigt sich auch Eurosport-Experte Martin Schmitt überzeugt.
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Andreas Wellinger steckt kurz vor Start der Vierschanzentournee in der Krise
Fotocredit: Getty Images
"Im Skispringen geht es wahnsinnig schnell", hob der zweimalige Gesamtweltcupsieger hervor. "Wenn man nach Österreich blickt, wird einem klar, wie schnell man sich in einer schlechten Phase verfangen kann."
In der vergangenen Saison standen mit Gesamtsieger Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft gleich drei ÖSV-Adler auf dem Tournee-Podest. Auch im Gesamtweltcup war die Reihenfolge im Klassement dieselbe.
Zurzeit durchlebt auch das rot-weiß-rote Dreiergespann eine schwierige Zeit, wie in Deutschland wissen aber auch in der Alpenrepublik mit Jonas Schuster und Stephan Embacher zwei junge Springer zu überzeugen.
DSV-Tief zeigt auch positive Seiten
Und so lässt sich in beiden Nationen trotz ausbleibender Leistungen der eigentlichen Zugpferde auch etwas Positives aus dieser Situation ziehen.
"Diese schwierige Situation spricht aber auch wiederum für die Mannschaft", schaute Schmitt nach Deutschland. "Mit Felix und Philipp haben es wieder zwei andere Springer auf das Podest geschafft. Wie viele unterschiedliche deutsche Springer in den vergangenen zehn Jahren auf das Podium gesprungen sind - das ist beeindruckend."
Hinter den beiden neuen Hoffnungsträgern können sich Wellinger und Geiger nun in Ruhe wiederfinden. Doch aufgepasst: "Wenn man aus einer Pause kommt, braucht man eigentlich ein stabiles Top-20-Niveau", mahnte Schmitt. "Sonst ist im Hinterkopf immer der Druck präsent, in den zweiten Durchgang zu springen. Man braucht ein ordentliches Niveau, um sich davon freimachen zu können."
Ob dem Duo dieser Schritt während der kurzen Auszeit gelungen ist - das stellt sich in Oberstdorf heraus.
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Highlights: Prevc' Siegesserie reißt in Engelberg - DSV-Duo glänzt
Quelle: Eurosport
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