Der Olympia-Sieg war für Katharina Althaus so greifbar nah. So nah!
Euphorisch sprinteten ihre Teamkolleginnen auf sie zu und umarmten die Allgäuerin herzlich. Doch dann erschien das Ergebnis auf der Anzeigetafel: Althaus sackte auf die Knie, stützte ihren Kopf auf die Hände, Tränen schossen ihr in die Augen. Ein Drama.
Schon vor vier Jahren in Pyeongchang hatte sie Silber gewonnen, ebenso bei der WM 2019 in Seefeld. Diesmal fehlten der 25-Jährigen umgerechnet nur 110 Zentimeter zum ganz großen Triumph, den sich letztlich die Slowenin Ursa Bogataj sicherte.
Skispringen
Althaus denkt nicht ans Aufhören: Tournee als großes Ziel
UPDATE 27/04/2022 UM 08:27 UHR
Nach einem starken ersten Sprung auf 105,5 m lag Althaus noch in Führung, ehe sie im zweiten Durchgang bei 94,0 m landete.

Althaus exklusiv nach Silber-Coup bei Olympia: "Kann es nicht fassen"

Der Aufreger: Trotz starken Windes hatte sie grünes Licht für den zweiten Sprung bekommen. "Es war wahnsinnig da oben", gab Althaus am Eurosport-Mikrofon zu. "Das war nicht der einfachste Wettkampf, aber ich habe zwei sehr gute Sprünge gemacht."
Mit dieser Selbsteinschätzung lag sie goldrichtig und zog am Ende ein positives Fazit. "Ich habe mich geärgert und gefreut zugleich. Am Ende bin ich mit Silber einfach nur zufrieden. Das ist für meine Familie und meinen Freund, ohne sie würde ich hier nicht stehen", sagte Althaus nach der ersten deutschen Medaille in Peking.

Althaus gewinnt immerhin auch die Herzen

Althaus war nach ihrem emotionalen Ausbruch schnell wieder gefasst und gratulierte der siegreichen Konkurrentin. Sie hüpfte mit einem mächtigen Jubelschrei auf das Podest, ihre Silbermedaille feierte die Oberstdorferin wie Gold. Die Herzen hatte sie definitiv gewonnen.

Katharina Althaus gewinnt Silber in Peking

Fotocredit: Getty Images

"Sie war perfekt vorbereitet, hat einen Top-Job gemacht. Es war eine höhere Macht, die das verhindert hat - das weiß sie und das ist im ersten Moment nicht so leicht zu verkraften", kommentierte Eurosport-Experte Werner Schuster.
In der "ARD" redete sich derweil Sven Hannawald regelrecht in Rage. "Man hätte auf bessere Bedingungen warten sollen", kritisierte er.
Die Skisprung-Legende monierte vor allem, dass Althaus bei schwierigen Windverhältnissen überhaupt springen durfte - ausgerechnet Miran Tepes, ein Slowene, traf die Entscheidung. "Wenn man da keine halbe Minute wartet, bekomme ich saures Aufstoßen", sagte Hannawald deutlich.

Nur 2,2 Punkte fehlen zu Gold: Althaus springt zu Silber

Doch Althaus wollte keine schmutzige Wäsche waschen. "Klar hätten sie warten können. Ich hatte nicht den besten Wind, nicht das meiste Glück. Aber das gehört einfach zum Skispringen dazu", sagte sie.
2018 hatte Althaus noch klar hinter Maren Lundby gelegen. Weil die Norwegerin derzeit pausiert und Topfavoritin Marita Kramer (Österreich) positiv auf Corona getestet wurde, stand die Tür zum Olympiasieg weit offen. Doch es war Bogataj, die die Gunst der Stunde nutzte. Kurios: Im Weltcup hat die 26-Jährige bislang noch keinen einzigen Sieg gefeiert.

Nächste Chance folgt Montag

Althaus verpasste somit zwar eine Wiederholung des Triumphs von Carina Vogt, die bei der Premiere 2014 Gold gewonnen hatte und an ihrem 30. Geburtstag aus der Heimat die Daumen drückte.
Doch beim dritten Frauen-Skispringen der Olympia-Geschichte stand zum dritten Mal eine Deutsche auf dem Podest. Althaus ist zudem die erste Frau mit zwei Olympia-Medaillen.
Im erstmals ausgetragenen Mixed-Wettbewerb hat Althaus am Montag ihre zweite, allerdings auch letzte Medaillenchance der Spiele. Die Chancen stehen gut: Bei Weltmeisterschaften hat Deutschland zuletzt viermal in Folge Gold gewonnen.

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Althaus lässt die Tränen fließen und freut sich "mega" über Silber

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