"Man muss einfach positiv herausstreichen, was dieser Mensch, dieser fantastische Charakter in seiner Karriere geleistet hat. Da muss ich fast eine Träne verdrücken. Es war fantastisch, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er ist ein ganz kluger Kopf, einer, der immer zuhört und dem nichts in seinem Leben in den Schoß gefallen ist. Ich hätte nie gedacht, dass er einmal so erfolgreich sein kann und das deutsche Skispringen in der Art anführen kann. Zusammen mit Richard Freitag hat er das geschafft und die Verantwortung übernommen", schwärmte der ehemalige deutsche Bundestrainer und betonte:
"Die Nachfolgegenerationen - egal ob Karl Geiger, Markus Eisenbichler oder Andreas Wellinger - sie alle haben von ihm und seiner Einstellung profitiert. Das Bemerkenswerte ist, dass er nicht nur ein Vorbild, sondern immer auch ein Teamplayer war. Er hat nie eine Extrawurst verlangt oder gar Starallüren gehabt. Er hat das Gleiche bekommen wie die anderen, obwohl er eigentlich das Team getragen und repräsentiert hat. Das finde ich eine ganz tolle Charaktereigenschaft."
Freund, der neben Olympia-Gold mit dem deutschen Team 2014 in Sotschi insgesamt vier WM-Titel, den Gesamtweltcup und 22 Weltcup-Springen gewann, verkündete am Sonntag im Rahmen des Weltcup-Finals in Planica überraschend seinen Rücktritt.
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UPDATE 27/03/2022 UM 09:55 UHR
"In den letzten Wochen ist mir klar geworden, dass die Zeit als aktiver Sportler zu Ende geht. Ich hatte wirklich schöne Jahre und habe viele wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen. Nach meinem Comeback mit den tollen Erfolgen in den letzten beiden Jahren bin ich mit mir im Reinen und kann dieses Kapitel in meinem Leben so abschließen, wie ich es mir vorgestellt habe", erklärte Freund.

Schuster adelt Freund: "Habe höchste Wertschätzung für diesen tollen Athleten"

Jene Nachricht kam auch für Schuster aus heiterem Himmel. "Er hat es niemandem gesagt, nur dem kleinsten Kreis. Zum Schluss sagt er es dann allen, packt zusammen, macht kein rauschendes Fest - das passt irgendwie zu ihm", sagte der Eurosport-Experte über seinen ehemaligen Schützling.
Wie es nach seiner aktiven Karriere mit dem 33-Jährigen weitergeht, ist indes noch völlig offen. "Über Severin muss man sich keine Sorgen machen, der steht gut im Leben da. Ich freue mich riesig, dass ich mit ihm arbeiten durfte und dass er nach seinen schweren Verletzungen (zwei Kreuzbandrisse und eine Meniskus-OP; Anm. d. Red.) noch Teammedaillen holen konnte. Er kann wirklich mit sich im Reinen sein", konstatierte Schuster, der abschließend ergänzte:
"Ich habe als Trainer sehr viel von ihm gelernt. Die außergewöhnlichen Sportler hatten auch immer außergewöhnliche Fähigkeiten abseits der Schanze. Severin ist vielleicht nicht der Allerbegabteste, aber ich habe gelernt, dass man sich wirklich viel erarbeiten kann und dass man auch Talent zum Arbeiten braucht. Das nehme ich mit und ich habe höchste Wertschätzung für diesen tollen Athleten. Danke für die ganzen Jahre!"
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