"Manchmal können die Medien etwas aus dem Zusammenhang reißen und einen Skandal daraus machen. In einem Interview habe ich gesagt, dass ich nach Planica deprimiert war. Ich habe mich gefragt, ob das Sinn macht", erklärte Adam Malysz im Gespräch mit Eurosport Polen seine Gefühlslage rund um das Saisonfinale Ende März in Slowenien.
Beim Weltcup-Finale hatte Nationaltrainer Michal Dolezal zwei Tage vor dem letzten Saisonspringen verkündet, dass er zum Saisonende aufhören wird. Bereits zuvor hatte es zahlreiche Spekulationen um einen möglichen Nachfolger gegeben. Unter anderem galt Alexander Pointner als heißer Kandidat, doch der Österreicher sagte schließlich ab.
Bei Dolezals Schützlingen kamen die ganze Diskussion und das Ende seiner Amtszeit gar nicht gut an. So betonten unter anderem Kamil Stoch und Dawid Kubacki, dass sie trotz des schwachen Olympia-Winters, in dem Kubackis Bronzemedaille von der Normalschanze in Peking einer der wenigen Lichtblicke war, gerne weiter mit dem Tschechen zusammenarbeiten möchten.
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Im Zuge dessen stand auch Malysz als Sportdirektor intern in der Kritik. "Es war keine angenehme Situation. Ich habe immer wieder gesagt, dass ich mich für diese Mannschaft aufgeopfert habe, dass ich alles für die Jungs und den Trainerstab getan habe. Ich fühlte mich in Planica nicht wohl, und die Dinge, die später in den Medien bekannt wurden, machten es noch schlimmer", sagte der viermalige Gesamtweltcupsieger, der im März 2011 seine aktive Karriere beendete.

Malysz: Thurnbichler hätte die Gespräche beinahe abgebrochen

Seit der Verpflichtung von Thomas Thurnbichler ist aber auch bei Malysz die Motivation wieder gestiegen. "Aber jetzt, wo wir einen neuen Trainer haben, habe ich wieder Lust zu arbeiten", erklärte die polnische Skisprung-Legende.
Doch beinahe wäre es dazu gar nicht gekommen. Offenbar hatten Thurnbichler die internen Querelen im polnischen Verband so abgeschreckt, dass er fast noch einmal einen Rückzieher gemacht hätte.
Malysz verriet, dass der 32-Jährige kurz davor war, die Gespräche abzubrechen. Auch weil der österreichische Verband, für den Thurnbichler in den vergangenen Jahren als Assistenztrainer aktiv war, ihm ein Angebot unterbreitet hatte.
Letztlich entschied sich der ehemalige Junioren-Weltmeister im Team doch für Polen - auch dank Malysz.

Malysz: "Habe Thomas versprochen, dass ich ihm helfen werde"

"Am Ende konnten wir ihn überzeugen, obwohl es nicht einfach war, denn er bekam ein sehr gutes Angebot von den Österreichern. Sie wollten ihn nicht gehen lassen, aber ich habe Thomas versprochen, dass ich ihm helfen werde", berichtete der 44-Jährige von dieser heiklen Situation für Polen.
Hätte Thurnbichler im letzten Moment abgesagt, hätte der polnische Verband seine Trainersuche fortsetzen müssen. Das Chaos wäre perfekt gewesen.
So hat Polen nun aber nicht nur einen jungen und ehrgeizigen Cheftrainer, sondern auch ein neu motivierten Sportdirektor. "Ich werde weiterhin mit Herzblut bei der Sache sein und nicht mit Worten um den heißen Brei herumreden. Wenn ich mit jemandem eine Vereinbarung treffe, halte ich mein Wort", stellte Malysz abschließend klar.
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