Die Zahlen sind unglaublich.
Sechs WM-Entscheidungen standen während der am Sonntag zu Ende gegangenen Saison auf dem Programm, sechsmal stand Karl Geiger auf dem Podium. Insgesamt holten die DSV-Adler siebenmal Edelmetall.
Ob im Einzel, Team oder Mixed, ob auf der Skiflugschanze von Planica oder der Normal- und Großschanze von Oberstdorf - es gab immer etwas zu feiern für die Auswahl von Stefan Horngacher, dreimal sogar Gold.
Planica
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"Eine unfassbare Medaillenausbeute", lobt Werner Schuster im Gespräch mit Eurosport.de die Arbeit seines Nachfolgers. Der 51-Jährige war von 2008 bis 2019 als Bundestrainer im Amt und führte die DSV-Springer zu mehreren WM-Titeln, zwei Olympiasiegen und einmal zum Gewinn des Gesamtweltcups durch Severin Freund (2014/2015).

Rosige DSV-Zukunft? Schuster warnt

Der aktuelle Höhenflug hat aber auch eine Kehrseite. Er überdeckt die Probleme der Zukunft.

Die entscheidenden Momente: Geiger macht Deutschland zum Weltmeister

Im zweitklassigen Continental Cup etwa, dem Sprungbrett für den Weltcup, muss man in der Gesamtwertung bis auf Platz 19 (!) zurückgehen, ehe mit dem formschwachen Routinier Richard Freitag der beste Deutsche kommt. Der erste DSV-Springer aus dem Talentepool, der 20-jährige Philipp Raimund, folgt auf Platz 32. Dafür finden sich fünf Österreicher, drei Polen und zwei Slowenen in den Top 10.
Im darunter angesiedelten FIS Cup sieht es nur unwesentlich besser aus. Raimund beendete die Saison als einziger DSV-Starter in den Top 15. Der Youngster wurde hinter fünf Österreichern Sechster. Ganz ohne deutsche Skispringer kommen die Top 10 im Alpen Cup, einer Wettkampfserie für den Nachwuchs, aus.
Eine gefährliche Entwicklung.

Werner Schuster im Gespräch mit Andreas Wellinger

Fotocredit: Imago

"Aus meiner Sicht gibt es in unmittelbarer Zukunft keine Probleme, man verfügt über eine herausragende Qualität im Weltcup. Mittelbar betrachtet muss der DSV aber aufpassen, denn im Nachwuchsbereich ist das anders", stellt Schuster klar.
Es sei daher "umso wichtiger, diese sehr guten Phasen im Weltcup zu nutzen und schon vorauszudenken. Die deutsche Mannschaft weist, wie die polnische auch, eine hohe Altersstruktur auf", erläutert der ehemalige Bundestrainer. Andere Nationen stünden deutlich besser da. "Slowenien und Österreich haben mit deutlich jüngeren Athleten bessere Aussichten und auch den Norwegern gelingt es Jahr für Jahr, neue Springer nachzuschieben und ins Weltcup-Team einzubauen. Halvor Egner Granerud ist das beste Beispiel."

Vierschanzentournee: Das Warten geht weiter

Und dann ist da noch die Sache mit der Vierschanzentournee. Weder Schuster noch Horngacher gelang es, die prestigeträchtigste Trophäe nach Deutschland zu holen.
Die Durststrecke geht im kommenden Winter ins 20. Jahr, nachdem zuletzt Sven Hannawald in der Saison 2001/2002 triumphierte.

2,8 Punkte Vorsprung! Geiger segelt zum Heimsieg in Oberstdorf

"In den vergangenen Jahren gab es berechtigte Hoffnungen, wieder einmal den Sieger zu stellen. Und oft genug waren die DSV-Springer auch knapp dran. Man kann im Skispringen aber nicht alles steuern", so Schuster, der das Geschehen inzwischen als TV-Experte bei Eurosport begleitet.
Tatsächlich gab es bei den vergangenen sechs Auflagen vier zweite Plätze und zwei dritte Plätze für Deutschland. Ob Geiger, Eisenbichler, Freund, Andreas Wellinger oder Stephan Leyhe, Platz eins blieb stets ein Traum.

DSV-Adler wie der FC Liverpool? Besser nicht

Das war vor knapp drei Monaten nicht anders. Geiger gewann das Auftaktspringen im heimischen Oberstdorf, verspielte dann aber beim dritten Wettbewerb am Innsbrucker Bergisel alle Chancen und landete in der Endabrechnung auf Rang zwei hinter Polens Skisprung-Ikone Kamil Stoch. Der DSV müsse sich aber "nichts vorwerfen", urteilt Schuster. "Am Ende war Stoch der Stärkste bei der Tournee, das ist zu akzeptieren."
Es wie "beim FC Liverpool, der auch sehr viele Jahre gebraucht hat, bis er die Nuss geknackt hatte und endlich wieder Meister in England wurde", erinnert Schuster an die letztjährige Meisterschaft der Reds unter Jürgen Klopp.
Die Durststrecke des FC Liverpool hatte 30 Jahre gedauert. So lange aber wollen die DSV-Adler auf keinen Fall warten.
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